Künstliche Intelligenz ist ein Marketinggag … noch

Wenn das letzte Jahr ein Hypethema hat, dann ist es wahrscheinlich die Künstliche Intelligenz. Doch auch wenn mancher behauptet die KI wäre in der Realität angekommen, so richtig stimmt das nicht wirklich. Im Gegenteil!

Wie jedes Buzzword, das etwas auf sich hält, ist auch der Begriff Künstliche Intelligenz schwammigst formuliert:

„Künstliche Intelligenz (KI, auch Artifizielle Intelligenz (AI bzw. A. I.), englisch artificial intelligence, AI) ist ein Teilgebiet der Informatik, welches sich mit der Automatisierung intelligenten Verhaltens befasst. Der Begriff ist insofern nicht eindeutig abgrenzbar, als es bereits an einer genauen Definition von „Intelligenz“ mangelt.“ – Quelle: de.wikipedia.org

Natürlich ist Künstliche Intelligenz nicht gleich Künstliche Intelligenz. Man unterscheidet sie in der Regel in drei Teilgebiete: die schwache KI, die starke KI und die Künstliche Superintelligenz. Die schwache Variante kennen wir alle, zum Beispiel wenn wir einen Spamfilter im Einsatz haben, für die beiden anderen Varianten ein Beispiel zu finden ist dagegen schon schwerer:

Ja, bekanntlich erklärt sich in einem kurzen Video alles gleich viel besser. Etwas ausführlicher und anschaulicher beschäftigt sich Phil’s Physics mit einem Überblick was Künstliche Intelligenz eigentlich ist:

Es gibt ja das bekannte Bonmot, dass wir es doch erst einmal mit menschlicher Intelligenz versuchen sollten, ehe wir uns mit der künstlichen Variante beschäftigen. Da ist durchaus was dran, oder? Vor allem stellt sich aber die Frage, was ist Intelligenz eigentlich? Wäre es ausreichend ein menschliches Hirn komplett nachzubilden und die neuronalen Verbindungen so einzustellen, dass sie selbstständig lernen würden? Oder gehört zur Intelligenz nicht auch ein Bewusstsein? Ist es nicht ein Ausdruck besonderer Intelligenz, sich zumindest selbst zu erkennen? Die Lebewesen, die auf der Erde dazu in der Lage sind, bilden jedenfalls hier eine recht überschaubare Anzahl. Das sind philosophische Fragen die wir uns bisher hauptsächlich in Abgrenzung zu den Tieren gestellt haben. Allerdings ist es doch recht unwahrscheinlich, dass wir eines Tages auf einem Planet der Affen leben werden, auf dem die Primaten die Kontrolle haben und nicht mehr wir. Eine so weit entwickelte Künstliche Intelligenz wird dagegen von vielen für wahrscheinlich gehalten. Und kluge Köpfe wie Stephen Hawking oder Elon Musk warnen gar vor der Gefahr Künstliche Intelligenz könnte eines Tages die Herrschaft übernehmen.

Nun, 2018 müssen wir uns wohl noch nicht fürchten, dass Skynet endgültig die Kontrolle übernimmt. So schnell die Entwicklung in diesem Bereich auch gehen mag, dieser drohende Schritt wird wohl noch etwas dauern.

Aber wie war das doch mit diesem Go? – Das Computer uns im Schach besiegen ist ein alter Hut. Das IBM’s Watson auch Schachweltmeister in ihre Schranken verweisen kann, war sogar für manchen etwas beruhigendes. Dann ist man wenigstens nicht der einzige, der von einem Computer geschlagen wurde. Im Gegensatz zu Schach ist das in Asien beliebt Spiel Go allerdings unendlich viel komplizierter, allein bei den möglichen Spielzeugen sieht Schach im Gegensatz zu Go geradezu wie ein Spiel für Kleinkinder aus. Mit anderen Worten, während Schach berechenbar erscheint, verlangt Go Intuition. Und als Google einen Algorithmus ins Rennen schickte, der die besten Go-Spieler schlug, war das durchaus eine Überraschung. Allein, ebenso wie Watsons Sieg in Jeopardy handelt es sich hier immer noch um die schwache Variante der Künstlichen Intelligenz.

Und diese basiert im wesentlich auf dem Prinzip des Maschinenlernens, oder man könnte es auch einfache ausdrücken: Try & Error

Maschinen lernen also nach einem einfachen Prinzip. Um abzuspeichern das eine Herdplatte heiß ist, fasst sie die Herdplatte einfach an. Die nächste Variante des Algorithmus weiß dann, dass man das besser nicht mehr tut. Und dennoch ist so manches System im Einsatz, dass mit dem Label „Künstliche Intelligenz“ jede Menge Erwartungen weckt dabei würde es sich um ein, na ja, sagen wir wie es ist, intelligentes System handeln.

Über einen dieser Einsätze berichtete kürzlich die Welt am Sonntag. Nach sechs Jahren Einsatz und 62 Millionen Dollar an Investitionen lies die Universität von Texas einen Vertrag mit IBM auslaufen und setzte Watson vor die Tür. Es war schlicht nicht gelungen ihn in den Ablauf einzubinden, am Ende betrug die Zahl der realen Behandlungsempfehlungen für Krebspatienten sage und schreibe 0 – null. Wie kann das sein, wo doch gerade im Gesundheitsbereich die Anwendungsbeispiele so vielversprechend waren? Symptome rein, Diagnose raus! Was kann da so schwer sein?

Nun, ich fürchte das Hauptproblem liegt wohl darin, dass sich Informatiker sehr wohl über den aktuellen Stand der Künstlichen Intelligenz bewusst sind. Sicher, sie schwärmen auch von dem, was in ein paar Jahren wahrscheinlich möglich ist. Informatiker können das tatsächlich auch einschätzen, sie wissen um die Unterschiede zwischen schwacher und starker KI. Allein, auch wenn das Nerdimage nun wahrlich nicht immer zutrifft, in den wenigsten Fällen wird ein Informatiker an vorderster Front sein Produkt auch verkaufen.

Das ist immer noch die Aufgabe des Marketings, und dort ist man bekanntlich ganz anders gepolt. Rationale Analyse hat noch keinen Verkauf gefördert, es gilt Emotionen zu wecken und ein Mindestmaß an Buzzwords zu verwenden. Und da wären wir wieder beim Begriff „Künstliche Intelligenz“, einem der größten Buzzwords überhaupt. Um ihre Produkte zu verkaufen haben Marketer ganz eigene Erwartungen geschürt, die heute mit der Realität noch wenig gemein haben. Das sieht auch KI-Experte Alexander Linden vom Marktforschungsunternehmen Gartner laut WamS so. Schon manche Broschüren seien schlicht „irreführend“, da werde von „denkenden Maschinen gesprochen“.

„In diesem Markt wird teilweise Scharlatanerie betrieben.“, warnt Wolfgang Hauner, Chief Data Officer beim Rückversicherer Münsch Re. – Quelle: Welt am Sonntag, 24. 12.2017

Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Tatsächlich dürfte eine Vielzahl von als Künstliche Intelligenz verkauften Produkten in der Realität schlicht und einfach Tools zur Datenanalyse sein.

Künstliche Intelligenz hat also einen denkbar ungünstigen Verbündeten, wenn es darum geht sich seinen Platz in den Märkten zu erobern. Und so manche vielversprechende Technologie ist auch schon daran gescheitert, dass sie in einem frühen Entwicklungsstadium zum Einsatz kam, während das Marketing schon ein Rund-um-Sorglos-Paket versprochen hatte, das quasi ausgereift ist. In diesem Fall dürfte Stephen Hawking oder Elon Musk allerdings zu früh aufatmen, denn KI ist schlicht zu mächtig, als dass man sie irgendwann neben Google Glass & Co. finden dürfte. Sie wird uns also erhalten bleiben, nach dem Hype kommt immer ein Bogen nach unten, ehe die Etablierungsphase beginnt. In diesem Fall wird es aber eben besonders krass werden.

WAS BLEIBT – DIE WOCHE IN LINKS (022)

Die Links der Woche, diesmal unteranderem zum Thema Webdesign, Psychologie beim Teilen von Inhalten und Snapchats Idee Geld zu verdienen:

Adaptive oder Responsive? Über die Vor- und Nachteile der beiden Design-Ansätze
Wie, es gibt einen Unterschied? 🙂 Dieser kurze Artikel erklärt ihn kurz und beantwortet die Frage im Titel allerdings mit einem klaren, „die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte“. … mehr

Jetzt basteln Google und Twitter eine Open-Source-Version von Facebooks „Instant Articles“
Um die Instant Article von Facebook ist es ruhig geworden, statt dessen bastelt jetzt Google, Twitter und Pinterest mit Zeitungen wie der New York Times und dem Guardian an einer Art Alternative, die die Ladezeit von Artikeln auf mobilen Endgeräten extrem verkürzen soll. … mehr

Psychologie des Weitersagens: So motivieren Sie andere Menschen, Ihre Botschaften zu verbreiten
Wie motiviert man unterschiedliche Typen zum Teilen von Inhalten? Immerhin reicht die Spann von Menschen, die mit geteilten Inhalten anderen helfen oder zumindest unterhalten wollen, bis hin zum eher egoistischen Angeber, der einfach nur mitteilen will, das er den Inhalt als Erster gefunden hat. … mehr

Snapchat zeigt Bilder für Geld noch einmal
Der Foto-Messenger Snapchat bezieht seine Einmaligkeit daraus, gepostete Bilder nur für einen kurzen Zeitraum zu zeigen und dann wieder zu löschen. Aber auch Snapchat will Geld verdienen, und statt Werbung bietet man Usern jetzt die Möglichkeit, gelöschte Bilder gegen Geld eben doch nochmal ansehen zu können. … mehr

Welche Herausforderungen Marketer beim Storytelling zu meistern haben
Gute Werbung ist auch guter Content, das war schon meine Devise, als ich vor Jahren für einen Fernsehsender gearbeitet habe. In Zeiten, in denen Bannerwerbung immer weniger wirkt, wird dieses Satz zum Beispiel durch Content Marketing immer wichtiger. Storytelling aber stellt an die Marketingabteilung völlig neue Herausforderungen – leider erst jetzt, möchte man fast sagen. … mehr

Die besten Blogs für Blogger in deutscher Sprache
Bloggen über Bloggen? Klingt zuerst ein wenig selbstbezogen, aber hinter dieser kleinen Sammlung von Blogs, deren Macher Tipps und Tricks rund um das Führen eines Weblogs bieten, hat die ein oder andere ausgezeichnete Empfehlung zu bieten. … mehr

Buchkritik: Erfolgreich mit Instagram

Auch in unseren Breitengraden setzt sich Instagram immer weiter durch und wird inzwischen auch für Unternehmen interessant, die sich die Möglichkeiten von Social Media nicht entgehen lassen wollen. Kristina Kobilkes Buch Erfolgreich mit Instagram – Mehr Aufmerksamkeit mit Fotos & Videos bietet Interessierten dabei einen schnellen und dennoch ausführlichen Einstieg in das Thema.

Allerdings ist der Ratgeber nicht ausschließlich an Marketingleute gerichtet, sondern teilt sich im Grunde in zwei Teile ein. In den ersten 2/3 des Buches geht es um Instagram direkt. Das Soziale Netzwerk, dessen Verknüpfungen auf geposteten Bildern und Videos basiert, wird kurz vorgestellt. Die Autorin geht ausführlich auf die diversen Möglichkeiten ein wie etwa ein erfolgreiches Profil gestaltet werden kann und welche Möglichkeiten es überhaupt in Sachen Contentbearbeitung gibt. Dabei stehen die Apps für iPhone und Android im Focus, die App Instagram beta für Windows Phone wird lediglich als Dritte im Bunde erwähnt. Kobilke geht auf die Besonderheiten der Fotografie mit Smartphones ein und gibt auch hier grundlegende Tipps, damit die Fotos einen Tick besser glücken – selbst wenn man die von Instagram zur Verfügung gestellten Filter noch nicht zum Einsatz bringt. Letztere werden natürlich auch erläutert.

Fotos sind zwar der Hauptbestandteil von Instagram, aber natürlich ist da auch noch die Verknüpfung mit Gleichgesinnten. Wie lockt man möglichst viele Follower an? Sollte man überhaupt so erpicht darauf sein eine möglichst hohe Followerzahl zu haben? Was sind die ungeschriebenen Gesetze in Instagram? Ist Instagram ein Social Network wie jedes andere auch?

Nicht ganz, denn Kobilke weißt zurecht auf die diversen kleinen aber feinen Unterschiede zwischen Instagram und Angeboten wie Facebook oder Twitter hin. Schon am Anfang betont sie die positive Grundstimmung, die innerhalb von Instagram herrscht. Böse Kommentare oder gar ein Shitstorm sind hier verschwindend gering, Anerkennung für die Bilder anderer dagegen ungewöhnlich hoch. Vielleicht liegt es ja daran, dass Instagram den Vorteil hat, User zu verbinden, die mit dem Fotografieren eine gemeinsame Leidenschaft teilen. Auch wenn sich manch professioneller oder für professionell haltende Fotograf gerne über Instagram mokiert. Das es unter Instagramern aber durchaus selbst professionelle Fotografen gibt, zeigt Kobilke in einigen der erfolgreichen Usern, die sie zwischendurch immer wieder einmal vorstellt.

Das letzte Drittel des Buches dürfte für Privatpersonen dagegen weitestgehend uninteressant sein, denn hier beginnt die Autorin gezielt auf den Einsatz von Instagram in Unternehmen einzugehen. Neben grundlegenden Strategien behandelt sie dabei etwa zum Beispiel auch den nicht unwichtigen rechtlichen Hintergrund beim Marketing mit Instagram. Letzterem Aspekt gibt sie sogar ein ganzes Kapitel, was leider bei anderen Publikationen in dieser Kategorie noch lange nicht üblich ist. Der Hauptaspekt des letzten Drittels des Ratgebers liegt aber natürlich darin, wie man den Fotodienst effektiv ins eigene Marketing einbinden kann. Instagram ist ein hervorragendes Tool, um sein Zielpublikum direkt anzusprechen, leider aber nicht, auch das stellt Kobilke klar, um direkte Konversionen zu bekommen. Wer mittels des Angebots etwa ein Produkt direkt über einen Link verkaufen möchte, muss ein paar Umwege in Kauf nehmen. Abgesehen davon hat er es aber mit einem für Werbeaktionen ausgesprochen offenen Publikum zu tun. Solange die Werbeaktionen ehrlich und gut sind, ein paar Beispiele finden sich in diesem Buch natürlich ebenfalls.

Insgesamt ist Erfolgreich mit Instagram – Mehr Aufmerksamkeit mit Fotos & Videos ein gut verständlicher Einstieg ins Thema. Kurz gefasst und reichlich bebildert erwähnt er die wichtigsten Fakten rund um Instagram. Die Autorin steigt zwar nicht zu tief in die Materie ein, macht ihr Buch damit aber in gewisser Weise unabhängig von neuesten Entwicklungen, da sie alle Grundlagen vermittelt, auch diese zu verstehen. Nebenbei liefert sie auch noch zahlreiche Tipps für unterstützende Apps sowohl mobile wie auch für die Desktopverwendung und stellt Instagramaccounts vor, bei denen sich gerade Neulinge gut etwas abschauen können.