Zeitungsmacher, die glauben Videos wäre die Lösung … seufz

Manchen Zeitungsmachern kann man die Rettung auf dem Silbertablett servieren, sie werden trotzdem versuchen das Silbertablett zu essen.

Es gibt ja Techies und Geeks, die behaupten die SXSW sei inzwischen vor allem für die Partys bekannt und nicht mehr für die Vorträge, aber vielleicht kommt das ja eher von den Leuten, denen Vorträge schon immer lieber als Partys waren. 🙂

Einen sehr interessanten Vortrag hielt auch Buzzfeed-CMO Frank Cooper, in dem er mehr oder weniger das Erfolgsgeheimnis neuer Medien wie zum Beispiel auch das wahnsinnig erfolgreiche Buzzfeed erklärte:

Jetzt könnte man sich ja fragen, warum stellt der sich auf eine Bühne und lässt sich sogar noch dabei filmen, wie er das Erfolgsgeheimnis seiner Firma ausplaudert. Ich meine, veröffentlich Coca Cola etwa das Geheimrezept auf Facebook, oder was? – Nun, das hat sicherlich zum einen mit der neuen und eben anderen Kultur von Zusammenarbeit und Konkurrenz zu tun, zum anderen konnte Frank Cooper auch ganz beruhigt sein, was die Konkurrenz von den alten Medien betraf. Die saß etwa in Form von Mathias Müller von Blumencron, Online-Chefredakteur der FAZ, im Publikum und twitterte Folgendes:

Ach ja, Frank Cooper kann also erstmal wieder beruhigt nach Hause fahren, die FAZ wird Buzzfeed nichts streitig machen.

Als ich vor Jahren nach meinem Studium ein Volontariat als Online-Redakteur nachschob, gab es nur ein einziges Schlagwort: Video! Da lag die Zukunft! ISDN war der bröckelnde Standard, was hieß, dass Videos für immer mehr Nutzer keine Probleme mehr darstellten. Und was soll ich sagen, das ist jetzt schon einige Zeit her, aber das Buzzword Video ist immer noch da und hier und da versucht es mal wieder ein Printverlag sein Online-Angebot mit Videos aufzuhübschen. Bei Springer hat man sich für die Zeitung Die Welt gar mit N24 einen ganzen Fernsehsender gekauft, geändert hat sich seitdem allerdings nur, dass man beim Lesen eines Artikels plötzlich von einem automatisch startenden Video gestört wird, das trotz gleichem Thema mitunter eine ganz andere Richtung einschlägt, als der Text. Meine hiesige Regionalzeitung ist auch gerade – mal wieder – ins Videogeschäft eingezogen, hat sich diesmal aber mit dem Thema Sport – die Region hat recht erfolgreiche Teams im Fußball, Basketball und Handball – ein Thema herausgezogen, das zieht. Ich kenne keine Zahlen, aber man dürfte durchaus zufrieden sein. Allein, man hat damit am Ende eben nur mal wieder eine Nische besetzt – und die Frage ist, war das auch der Anspruch?

Videos sind geil, mehr aber auch nicht!

Damit ich jetzt nicht missverstanden werde, Videos sind total toll. Erstklassiger Content, gerade auch für Medienseiten, die gerade im Netz ja auf Rezipienten treffen, die sich schnell über ein Thema informieren, aber nicht so tief in die Materie einsteigen wollen, dass sie danach einen Uni-Abschluss drin machen könnten. Für Themen, die ausgiebig behandelt werden müssen, gibt es andere Werkzeuge, wie interaktives Storytelling, bei denen Videos ein Bestandteil sind, nicht umgekehrt. Aber am Ende des Tages, sind Video nix anderes als es Texte, Audiodateien oder Bilder auch sind: Kommunikationsmethoden Und an diesem Missverständnis krankt die Weltsicht der alten Medien. Nehmen wir die Mediatheken von Fernsehsender, die oft ziemlich gut gemacht sind und in vielen Fällen die Informationen auch schon mundgerecht zu jeder Zeit und mitunter auch früher als im TV zur Verfügung stellen. Die sind beliebt, zweifellos, but the don’t break the internet! Und warum, weil auch das Fernsehen im Internet auf der gleichen Einstellung beruht, wie aus der guten alten Flimmerkiste. Man sendet Broadcast! Einfach alles raus, einseitig, auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner des Mainstreams.

Und damit kehren wir zurück zur eigentlichen Lektion, die Frank Cooper auf der SXSW erteilt hat:

screenshot_fc
Foto: Screenshot – SXSW-Vortrag v. Frank Cooper

Die alten Medien hatten vor dem Internet ein Monopol darauf zu bestimmen, was wir als Mainstream bezeichneten. Mit der Entscheidung über wen sie zum Beispiel berichteten, entschieden sie nicht nur welche Schauspieler bekannter waren, sondern durchaus auch Politiker. Dabei zeichneten sie aber auch eine ideale Welt vor, die so nie wirklich existierte. Nehmen wir den Fernsehkoch, bei dem nie etwas schief geht und der immer schon etwas vorbereitet hat, während man beim Nachkochen zu Hause die Küche in ein Schlachtfeld und das Essen am Ende doch zur Hälfte in den Mülleimer befördert hat. Das Internet hingegen befördert Stars nach vorn, die in der Tat manchmal im Vergleich zu früher geradezu belanglos und langweilig wirken, aber eben doch authentisch. So wie du und ich. Im Showbiz hat man die Lektion inzwischen schon begriffen und umgesetzt, alte Medien tun sich da aber eben noch schwerer. Nun hat aber die Schauspielerin aus Hollywood im Gegensatz zur Frankfurter Allgemeinen oder der Main Post einen großen Vorteil, es handelt sich bei ihr um eine Person.

„We follow people first.“, Frank Cooper

Aber auch sie könnten ohne große Mühe einen mächtigen Informationsgewinn aus diesem Vortrag ziehen, wenn sie sich noch einmal die zwiebelartige Darstellung in Erinnerung rufen, die er vom einzelnen Individuum gezeigt hat. Der Mensch ist Mitglied mehrerer Gruppen, die ihn umgeben, das geht von engen Freunden, über Bekannte, Arbeit bis zum größten, den man auch als Mainstream bezeichnen können. Mit zunehmender Größe der Gruppe nimmt allerdings der Einfluss auf das Individuum ab. Und genau da zeichnet sich das Problem der alten Medien ab, statt sich auf das Individuum zu stürzten, penetrieren sie weiterhin lediglich den Mainstream. Ob das früher einmal geklappt hat, sei dahingestellt, weil man es in der Vor-Internetzeit schlicht aus Mangel an Konkurrenz nicht feststellen konnte. Heute stellt sich für viele der einstigen Herrscher über Meinung und Mainstream die Frage um die nackte Existenz – und bloß mit ein paar mehr Videos, werden sie sich nicht retten können.

Inspiration via meedia

About Thomas Matterne

Thomas Matterne ist Chefredakteur des dreisprachigen Online-Magazins DenkZeit und als Online-Marketing-Manager tätig. Der ausgebildete Journalist hat ein Diplom in Wirtschaftsinformatik, und schreibt an dieser Stelle über IT-, Online-Marketing- und SEO-Themen - unteranderem.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.