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Zählt Google keine Worte?

Ein Tweet von Google-Mann Johannes Müller erzeugt in der SEO-Szene erstaunlich wenig Wallung. Dabei behauptet Müller, niemand bei Google würde Worte zählen.

Wenn die Frage gestellt wird, wie lange ein Beitrag sein muss, um für Google relevant zu sein, haben sich gewisse Größen eingespielt. Am häufigsten wird eine Mindestmenge von 300 Worten genannt, wenn man darüber hinaus nur unnötig labern würde. In der Regel empfiehlt man aber 1.000 Worte für einen wirklich relevanten Beitrag. Die Woche stellte ein indischer User dem Google-Mitarbeiter Johannes Müller eine Frage, genau in diese Richtung:

Verständlicherweise ist Müller wahrscheinlich ein wenig genervt von solchen Fragen, weil er ein “Write for your users.” nachschiebt. Aber der erste Satz hat es in sich. Man könnte es dabei belassen, dass es Unsinn ist einen Beitrag erst als relevant zu bezeichnen, wenn er eine gewisse Wortanzahl hat. Das sollte eigentlich offensichtlich sein. Wenn SEOs ermittelt haben, dass Beiträge mit 1000 Worten besser ranken, kann man ihnen eine falsche Korrelation unterstellen. Die Beiträge ranken nicht besser als Beiträge mit weniger Worten, die Beiträge haben nur mehr wertvollen Content, der eben mehr Worte braucht, um dargestellt zu werden. Einer Seite ein besseres Ranking zu verschaffen, indem man irrelevante Textleichen drunter klatscht war schon immer eine mässige SEO-Stratege – auch wenn man Kunden damit besser demonstrieren konnte, dass sie etwas für ihr Geld bekommen.

Das Google die Wortanzahl nicht als Rankingfaktor sieht, hat es übrigens im August schon einmal offiziell bestätigt. Das Problem, oder das neue an der Aussage von Müller, ist die Möglichkeit zu interpretieren. Wenn niemand bei Google Wörter zählt, was heißt das eigentlich genau? Wie sieht es dann mit der Wortfrequenz aus und dem bei SEO’s immer noch geschätzten TF*IDF usw.?

“Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass die Wordfrequenz in der einen oder anderen Weise Einfluss auf die Bewertung der Relevanz und damit der Rankings hat. Immerhin handelt es sich dabei um Grundmethodiken aus dem Information Retrieval.”

Christian Kunz (SEO Südwest)

Damit hat SEO Christian Kunz sicher ein Argument, aber wenn man Müllers Aussage radikal deutet, dann ist die Wordfrequenz natürlich in dieser Form auch kein Rankingfaktor. Denn auch ein wie immer errechneter Wert braucht eine absolute Bezugsmenge. Zählt Google aber nicht die Wortanzahl einer Seite, fehlt diese Bezugsmenge. Ergo: Nix mit Wordfrequenz!

Vielleicht wird jetzt ein bisschen klarer, warum ich glaube, dass dieser kleine Tweet für viel zu wenig Aufmerksamkeit gesorgt hat. (Vielleicht ja auch nur, weil er an der Grundlage viele Geschäftsmodelle von SEOs ruckelt?)

Von Thomas Matterne

Thomas Matterne ist ausgebildeter Journalist mit einem Diplom in Wirtschaftsinformatik. Er arbeitete als Leiter der Online Redaktion von TV touring und als Chefredakteur von DenkZeit. Aktuell schreibt er neben dieser Seite in diversen anderen Online-Veröffentlichungen, wie z.B. das Kaffee Journal. Auf dieser Seite finden sich vor allem Themen aus den Bereichen Content- und Online-Marketing, sowie dem Feld IT allgemein.

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