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WordPress Gutenberg – Zurück in die Vergangenheit des Designs?

Mit der Einführung des Editors Gutenberg, der ja weit mehr als ein einfacher Editor ist, stellt sich mehr und mehr die Frage, wie es mit den WordPress Themes weitergeht.

Bei Perun stellt sich Thordis Bonfranchi-Simović die Frage nach der Zukunft der WordPress-Themes, und bringt zwei unterschiedliche Positionen ins Spiel. Da wäre Justin Tadlock, der sich auf die Kreativität freut, die Webseitenbetreiber ausleben können, weil danke Gutenberg – und auch dank der angekündigten Neuerungen, die technische Hemmschwelle immer weiter sinkt. Er prophezeit gar eine Rückkehr in die 1990er, als Seiten wie Geocities oder Tripod die Baukästen für eine Webseite bereitstellten. Im Gegensatz dazu fürchtet Ben Gillbanks, dass mit der Zurückdrängung professioneller Designer die pure Langeweile einkehrt.

Und da wollen wir wieder hin? Screenshots alter Geocities-Webseiten.

Ich persönlich fürchte, wir können Gillbanks beruhigen, langweilig dürfte es nicht werden. Im Gegenteil, Tadlock liegt wohl näher an der Wahrheit – leider, möchte man betonen.

Bevor ich so kurz vor dem Jahr 2000 angefangen habe HTML zu lernen, habe ich meine ersten Gehversuche auch bei Webseiten wie Geocities gemacht. Das war nicht uncool, weil ziemlich einfach. Ich persönlich bin allerdings schnell an die Grenzen gestoßen, aber für die Mehrzahl hat es wohl mehr als gereicht. Was dabei herauskam war bunt, originell und kreativ – oder einfach einfach nur hässlich, scheußlich und zum wegklicken. Und wenn wir ehrlich sind, gilt das nicht nur aus der Rückschau, sondern schon in einer Zeit, in der blinkende Neonbanner noch modern waren. Was haben wir damals beim Anblick einer solchen Seite gesagt? Richtig, “ich kriege Augenkrebs”.

Das sich die Webseiten der großen Hostinganbieter oder von Wix & Co. von diesen Abscheulichkeiten unterscheiden, liegt daran, dass sie nur begrenzte Möglichkeiten anbieten, die Seite abgrundtief hässlich zu machen. Dennoch gelingt es erstaunlich vielen Nutzern, der Rest allerdings ist, da hat Gillbanks wieder recht, langweilig. Das geübte Auge erkennt den Unterschied zwischen einer Wix-Seite, und einer professionell designten Seite sofort.

Aber trotzdem gibt es selten Webseiten, die aufgrund ihres kreativen Designs hervorstechen. Das liegt daran, das selbst viele professionelle Designer ihren Themeentwurf nach 08/15-Methoden anfertigen. Entweder weil sie es nicht anders können, oder weil sie wissen, der Kunde will das ganze abgefahrene Zeug doch gar nicht. Ich halte das leider für eine fortlaufende Entwicklung, so das man in einiger Zeit den Unterschied wahrscheinlich gar nicht mehr merken würde.

Durch Gutenberg tritt WordPress in direkte Konkurrenz zu Wix & Co., und macht gleichzeitig immer mehr auch Themebuilder wie Divi überflüssig. Anders als die traditionellen Homepagebaukästen, gibt es aber weit weniger Einschränkungen, sondern jeder kann seine Webseite selbst gestalten. Dummerweise hat aber nicht jeder den Geschmack dazu, oder auch nur Grundkenntnisse in der Frage, wie man eine Webseite für den User am besten aufbaut. Zumindest das haben die 08/15-Designs von Baukästen und Designern noch sichergestellt. Insofern fürchte ich, dass die Zahl der hässlichen und nicht benutzbaren Webseiten demnächst wieder deutlich steigen wird. Ob die Freude über die ausgelebte Kreativität das wieder gut macht, ich habe da so meine Zweifel.

Von Thomas Matterne

Thomas Matterne ist ausgebildeter Journalist mit einem Diplom in Wirtschaftsinformatik. Er arbeitete als Leiter der Online Redaktion von TV touring und als Chefredakteur von DenkZeit. Aktuell schreibt er neben dieser Seite in diversen anderen Online-Veröffentlichungen, wie z.B. das Kaffee Journal. Auf dieser Seite finden sich vor allem Themen aus den Bereichen Content- und Online-Marketing, sowie dem Feld IT allgemein.

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