WindowsPhone ist tot – schon wieder?

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Ein Vorgängermodel mit WindowsPhone

Mal unter uns, ich habe inzwischen mein viertes Smartphone mit Windows und dafür schon einiges an Häme einstecken müssen. Wer mit einem Windowshandy unterwegs ist, erfährt schließlich im besten Fall Interesse, weil sein Gegenüber noch nie eines gesehen hat. Als ich vor ein paar Monaten in einer großen AdWords-Agentur zu Gast war, wurde mir lächelnd erwidert: „Ach, Sie sind das!“ Bei meinem Ex-Arbeitgeber, wo Linux als cool galt, warf man mir schon Blicke zu, die mich irgendwie auf das „Ex“ hätten vorbereiten können. 😉

Aber ernsthaft, seit ich WindowsPhone oder jetzt Windows 10 nutze, wird das System schon für tot erklärt. Man gewöhnt sich dran und freut sich dennoch auf die neue Version.

Jetzt, wo am Ende bei Nokia noch mehr Mitarbeiter gehen müssen, als ohnehin erwartet, erhebt sich das Todesrufen der Konkurrenzanhänger erneut. Allerdings habe ich von meinem „Leidensgenossen“ Martin Geuß gerade auch heute einen der klügsten Beiträge zu dem Thema gelesen, den ich hiermit als Leseempfehlung abgebe: Windows 10 Mobile ist nicht das neue Blackberry – und der Vergleich mit Android und iOS passt nicht mehr

Lesenswert ist dieser Beitrag auch, weil er einen weiteren Punkt mit einschließt, der als Sau in den letzten Tagen durchs Dorf getrieben wurde, der angebliche Abschied Microsofts vom durchschnittlichen Konsumenten. An diesem Punkt ist was dran, aber eben auch wieder nicht. Ich persönlich kann das durchaus nachvollziehen, einer der großen Vorteile durch die Nutzung von Windows ist bei mir schlicht die Möglichkeit vollkommen plattformübergreifend arbeiten zu können. Einfach ausgedrückt, es ist vollkommen gleichgültig an welchem Gerät ich wo sitze. Mal abgesehen vielleicht von der Tatsache, dass in dem Rechnerpark, den ich täglich gebrauche, auch noch ein altes Windows 7 läuft. Aber selbst da kann Windows jenes Versprechen wahr machen, das sich Apple-User für teures Geld kaufen und doch nur einbilden. (Ironischerweise hat sich ein altes iPad in meinen täglichen Workflow ja auch dann erst wirklich integriert, als Office & Co. darauf zur Verfügung stand.)

Hinter all dem steckt nach wie vor eine weitestgehend unveränderte Strategie von Microsoft, die durch die Selbsterkenntnis, dass Nokia ein Fehlkauf war, eigentlich nicht wirklich tangiert wird. Gerade durch Innovationen wie Continuum hat Microsoft eine Entwicklung in der Hand, die – auch wenn es wohl nicht ohne langen Atem gehen wird – immer noch ein großer Wurf in der Businesswelt werden könnte. Und damit wäre übrigens auch wieder eine Hintertür zum Consumermarkt offen, aber das ist eine andere Geschichte.

Ganz davon abgesehen möchte ich mich Martin Geuß auch in einem anderen Punkt durchaus anschließen. Oder besser in der Befürchtung, die durch die Frage aufgeworfen wird, ob die Dominanz von Android wirklich eine gute Entwicklung ist. Apple mag nicht über Nacht verschwinden, aber man ist doch inzwischen recht deutlich an seine Grenzen gestoßen. Mehr ist schlicht nicht drin, will man in Cupido nicht komplett von seiner Preispolitik herunterkommen. iPhone & Co. haben ihre treue Fangemeinde, die auch gerne mal einen Euro oder Dollar mehr ausgibt als notwendig. In gewisser Weise ist man hier den Windows 10 Mobile-Fans ja nicht unähnlich, zwar gab es auch in der Lumia-Reihe immer eine erschwingliche Version, aber trotzt aller Preissenkungen, nachgeworfen bekommt man die Modell doch nicht.

Das man von Lumia demnächst nichts mehr hören wird, dürfte allerdings wohl feststehen. Das die neuen Modelle nicht mehr „Nokia“ gebrandet waren, sondern „Microsoft“ war hier wohl schon ein Vorspiel. Microsoft ist eben, genau wie Google, dass ja sein Nexus auch von unterschiedlichen Herstellern produzieren lies, kein Hardwarelieferant. Vielmehr dürfte jetzt das Surface Phone wohl um einiges realistischer geworden sein. Und damit könnte man angesichts der Qualität der Surface-Reihe durchaus wieder auf die Siegerstraße gelangen, was die Aushängeschilder in Sachen Hardware betrifft.

About Thomas Matterne

Thomas Matterne ist Chefredakteur des dreisprachigen Online-Magazins DenkZeit und als Online-Marketing-Manager tätig. Der ausgebildete Journalist hat ein Diplom in Wirtschaftsinformatik, und schreibt an dieser Stelle über IT-, Online-Marketing- und SEO-Themen - unteranderem.

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