Was taugen die SEO-Indizes von XOVI, Sistrix oder SERPStat?

Der Markt der SEO-Tools ist heißumkämpft, billig sind die Lösungen dennoch nicht. Doch was taugen die Indizes eigentlich?

Wie Google seine SERPs zusammenstellt, also welche Suchergebnisse bei welchen Worten besonders gut ranken, oder welche Seiten für welche Suchworte besonders gut zu finden sind, ist ein Geheimnis, das besser geschützt ist als das Krabbenburger-Rezept von Mr. Krabs.

Es auf eigene Faust herauszufinden ist aufwändig, und auch nicht ganz einfach, denn im Prinzip bekommt jeder User bei Google ein anderes Suchergebnis angezeigt, je nachdem was die Suchmaschine über ihn weiß. Das absolut neutrale Ergebnis gibt es also gar nicht. Allerdings gibt es Anbieter auf dem Markt, die ein näherungsweises Ergebnis liefern können – oder es zumindest behaupten. Wie genau sie ihre Ergebnisse liefern, das behalten allerdings auch sie für sich.

Die meisten von ihnen haben auch einen eigenen Index im Portfolio, der ein wenig wie der alte Google Page Rank wirkt, durch ein größeres Zahlenspektrum aber mehr Genauigkeit suggeriert, als die damalige Google-Einteilung. Wahlweise werden die Zahlen für die gesamte Webseite, aber in der Regel auch für einzelne Unterseiten erstellt. Die Zahl wird mal täglich, mal live per Abfrage erstellt und gibt vor allem in ihrer Veränderung zu vergangen Zahlen und im Vergleich zum Ranking von Konkurrenzseiten einen Vergleichswert, anhand der man seine eigenen Content Marketing und SEO-Maßnahmen beurteilen kann.

Natürlich bieten die Services noch eine Menge mehr Zahlen, in diesem Beitrag will ich mich aber auf diesen einen Index beschränken. Und das auch, weil viele Anbieter diesen Index kostenlos zur Verfügung stellen. Man kann ihn sich meist für eine unbegrenzte Zahl von Seiten ausgeben lassen, auch wenn die meisten Anbieter die Zahl im kostenlosen Fall nur wöchentlich aktualisieren. Unter www.domainvalue.de lässt sich z.B. der XOVI-Index abrufen, der SERPStat-Index steht ebenfalls kostenlos zur Verfügung.

Der Praxistest

In der folgenden Grafik habe ich den Verlauf des XOVI-, Sistrix- und SERPStat-Index, sowie die User-Zahlen von Google Analytics einer Webseite über ein gutes Jahr verglichen. Die Zahlen selbst spielen dabei erst einmal keine Rolle, sonders es geht tatsächlich nur um den Kurvenverlauf. Da ein durchschnittlicher XOVI-Index zweistellig ist, Sistrix und SERPStat aber eher einstellige Indizies ausgeben, und die Besucherzahlen natürlich idealerweise weit höher sind, habe ich die zugrundeliegenden Zahlen mathematisch gekürzt, nur falls sich jemand über einen höheren Wert des XOVI-Index, als jenen der Besucher einer Webseite wundern sollte. Aber nun zum Ergebnis:

Als erstes würde ich zwei Grundannahmen aufstellen:

  1. Wenn die Indizes tatsächlich etwas taugen, müssten sie, weil sie sich ja näherungsweise alle an Google orientieren auch einen ähnlichen Verlauf aufweisen.
  2. Auch der Vergleich zu den realen Besucherzahlen müsste sich an diesen Verläufen, wenn auch mit einer gewissen Verzögerung orientieren.

Sieht man sich die blaue Sistrix- und die orange XOVI-Linie an, dann scheint Grundannahme 1 zu stimmen. Die Verläufe sind durchaus ähnlich, wenn manchmal auch ein wenig zeitversetzt. Aus der Reihe fällt die sich ausgesprochen horizontal nach rechts bewegende unterste Linie von SERPStat auf. Dieser Index weist überhaupt einen über Wochen außergewöhnlich stabilen Verlauf auf, nicht wahr?

Wenn man davon ausgeht, dass die Besucherzahlen einen verzögerte Wiedergabe der Indizes ausgeben, könnte man annehmen, dass sich die Steigerung (3.) auf die Anstiege von XOVI (1.) und Sistrix (2.) beziehen:

Dagegen spricht allerdings der aktuelle Anspruch der Angebote, sowie die Tatsache, dass wir hier einen Ablauf von 12 Monaten haben, also praktisch bei 1. und 2. von der ersten, bei 3. aber zweiten Jahreshälfte sprechen. Die Angebote nehmen für sich in Anspruch zum Beispiel eine Google Abstrafung oder ein Update des Google Algorithmus quasi live wiederzugeben. Bei einem Verlust der Sichtbarkeit nach einem Update würde der Index dann zwar vor dem Besucherzahlen fallen, aber die Vorwarnzeit müsste dennoch relativ gering sein. Und gerade bei Abstrafungen gelten die auf dem Markt befindlichen Angebote als relativ gut in ihrer Einschätzung.

Im blauen Bereich können wir diesen parallelen Anstieg der Zahlen bei XOVI, Sistrix und den Besuchern durchaus als parallele wahrnehmen. Bis mit Beginn des grünen Bereichs die Besucherzahlen zwar weiter steigen, die beiden theoretischen Indizes aber fallen. Während im roten Bereich wiederum ein gemeinsamer Anstieg zu sehen ist.

Der Grund hierfür steckt im Wesen der Webseite. Es handelt sich dabei um einen Online-Shop, und die nach gut einem Drittel im grünen Bereich ansteigende Kurve spiegelt tatsächlich das Weihnachtsgeschäft wieder. Das heißt, das Ranking mag sich nach Ansicht der Indizes zwar verschlechtert haben, aber die Nachfrage nach den Produkten ist gestiegen.

Die farbliche Unterteilung macht allerdings auch deutlich, das der Index von SERPStat gar nicht so groß aus der Reihe fällt, wie man es auf den ersten Blick angenommen hat. Er ist nur weit unaufgeregter, als seine beiden Konkurrenten. Wir haben auch hier im blauen Bereich einen Sprung nach oben, und wenn auch wesentlich flacher, spiegelt sich auch in der gelben Linie eine Seitwärtsbewegung wieder, die auch XOVI und Sistrix zeigen. In der roten Phase schließlich zeigt auch die gelbe Linie wieder einen Anstieg an, der sich fast parallel zu den Besucherzahlen und dem Sistrixindex zeigt, während der XOVI-Wert hier rasanter nach oben steigt.

Das Ergebnis

Die beobachtete Seite wurde weder von Google abgestraft, noch haben die SEO-Verantwortlichen auf Mittel gesetzt, die Google bei seinen Updates herausfiltert. (Was ich als positiv empfinde, weil ich die SEO dort betreue. 🙂 ) Inwiefern einer der drei beobachteten Indizes also in diesen Fällen eine gewisse Vorwarnzeit liefert, lässt sich anhand der Grafiken nicht sagen.

Es lässt sich allerdings sagen, dass sowohl XOVI, als auch Sistrix und SERPStat einen mit den realen Analyticszahlen zusammenhängenden Verlauf widerspiegeln, sofern man bei diesen Saisoneffekte herausrechnet. Sie liefern also tatsächlich einen Hinweis auf den Wert der Seite und den Wert der durchgeführten Maßnahmen. Was wiederum zumindest nahelegt, dass auch die anderen Zahlen und Statistiken der Angebote, die nicht so einfach überprüfbar sind, der Realität nahekommen dürften. Die Unterschiede liegen eher darin, dass Sistrix und XOVI wesentlich volantiler sind. SERPStat dagegen setzt mehr auf Gelassenheit, ohne dabei aber auch kleinere Schwankungen nicht widerzugeben.

Man kann dies etwa hier sehen, bei den grau markierten Abfällen aller vier Kurven. Auch ein zweiter bei SERPStat kaum zusehende Abfall im grünen Bereich eint alle vier Kurven. An diesen Nuancen sieht man allerdings auch, dass man diesen Index schärfer beobachten muss, um eventuelle Hinweise auf nötige Maßnahmen frühzeitig erkennen zu können. Insgesamt jedoch erscheinen mir alle drei Angebote in dieser Frage durchaus ein verlässliches Ergebnis zu liefern.

About Thomas Matterne

Thomas Matterne ist ausgebildeter Journalist mit einem Diplom in Wirtschaftsinformatik. Er arbeitete als Leiter der Online Redaktion von TV touring und als Chefredakteur von DenkZeit. Aktuell schreibt er neben dieser Seite in diversen anderen Online-Veröffentlichungen, wie z.B. das Kaffee Journal. Auf dieser Seite finden sich vor allem Themen aus den Bereichen Content- und Online-Marketing, sowie dem Feld IT allgemein.

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