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Was macht man mit einem Tor-Browser?

Tor-Browser? Ist das nicht dieses böse Dark Net? Ja, ich meine, nein, böse ist es nicht. Vor allem kann der Tor-Browser eines, deine Daten schützen.

Seit die Mainstream-Medien das Dark Net (wieder einmal) entdeckt haben, hat es bei der Allgemeinheit einen schlechten Ruf bekommen. Kein Wunder, denn wenn jemand sich dort illegal Waffen besorgt oder schlimmer noch Kinderpornografie, wird das breit erklärt. Während es nur in einem Nebensatz Erwähnung finden, wenn beispielsweise Dissidenten es nutzen um vor Diktatoren geschützt zu kommunizieren. Als solches war es unter anderem auch gedacht, als nach zweijähriger Ideenphase 2002 der erste Tor-Browser veröffentlicht wurde. Im Prinzip steckt darunter eigentlich nur ein Firefox, aber mit ein paar Extras die ein (weitestgehend) anonymes Surfen ermöglichen.

Tor steht für The Onion Router, und mit dem englischen Wort für Zwiebel (Onion) ist auch schon einiges über das Prinzip an sich erklärt. Passend dazu gibt es sogenannten Tor-Netzwerk, auf das man nur mit einem Tor-Browser zugreifen kann, auch eine Domainendungen wie .com oder .de, sondern nur eine meist kryptische Adresse, die auf .onion endet.

Im Prinzip läuft es folgendermaßen ab:

1. Nach dem Start verbindet sich der Browser mit dem Tor-Netzwerk, dabei lädt er eine Liste der vorhandenen Tor-Server herunter, aus dieser Liste wählt er zufällig jene Server aus, über die später die Verbindung zur Zielseite geht.

2. Danach wird eine verschlüsselte Verbindung zum ersten Server aufgebaut. Diese wird dann um eine verschlüsselte Verbindung mit einem weiteren Server ergänzt, dann kommt ein dritter Server hinzu. Dabei kennt ein Server lediglich seinen Vorgänger und Nachfolger. Der Erfolg hängt dabei davon ab, dass mindestens einer der Server vertrauenswürdig ist und ein Angreifer nicht schon den Anfangs- und Endpunkt der Kommunikation überwacht. Mehr Server würden das natürlich rein statistisch sicherer machen, allerdings wird mit jedem Server auch die Geschwindigkeit langsamer.

3.  Nachdem eine Verbindung aufgebaut worden ist, werden über diese Server die Daten versandt.

Beim Start kann man diese Verbindung meist mit ansehen, danach wird sie aber im Hintergrund regelmäßig erneuert. Und am Ende surft man damit tatsächlich ziemlich anonym oder macht es etwaigen Datenspionen zumindest verdammt schwer. Praktisch ist dieses Verfahren aber auch um Internetzensur zu umgehen, denn eine in China zum Beispiel gesperrte Seite lässt sich damit auch in China selbst aufrufen, weil die Verbindung schlicht außerhalb des chinesischen Internets hergestellt wird.

Und mit dem Tor-Browser bin ich völlig anonym?

Natürlich ist nicht alles am Ende so goldig, wie es glänzt. Was auch gar nicht versteckt wird. Denn egal wie man den Tor-Browser zuletzt verwendet hat, beim Neustart öffnet er sich nie als Vollbild und wird er auf Vollbild gestellt, warnt er sogar von Zeit zu Zeit, dass damit die Bildschrimauflösung weitergegeben wird, die zur Identifikation genutzt werden könnte. Außerdem raten manche, man sollte den Tor-Browser zusätzlich auf einem virtuellen Computer nutzen, auf dem man sonst nicht ins Internet geht.

Ob man damit auch der NSA entkommt, wird auch von so manchem bezweifelt, da der US-Nachrichtendienst zumindest die Zugänge zum Tor-Netzwerk zu überwachen scheint. Und wenn man sich erinnert, dass das Projekt anfangs auch von US-Behörden mitentwickelt wurde und teilweise auch von der US-Regierung finanziert wurde – na ja, man darf dabei schon ein kleines Grummeln im Bauch spüren.

Auch wenn er bereits 2002 an den Start ging, offiziell ist der Tor-Browser noch immer in der Entwicklungsphase. Er steht aber kostenlos zum Download bereit – nach dem Motto Spenden erbeten. Zumindest aber sollte man sich quasi als Knotenpunkt für das Tor-Netzwerk zur Verfügung stellen und somit zur Datensicherheit beitragen. Wobei Datensicherheit vielleicht das falsche Wort ist, geht es doch auch den Entwicklern nach eher um die Datenverbindungssicherheit.

Tatsächlich ist der Tor-Browser nur ein Tool, das man für das Tor-Netzwerk nutzen kann, wahrscheinlich aber mit Abstand das meistgenutzte. Mit Orbot und Orfox gibt es gleich zwei Android-Varianten und auch für Apples iOS ist ein Browser vorhanden. Zusätzlich gibt es auch einen auf Instabird basierenden Tor Messenger.

Download
Tor-Browser (heise.de)

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