Was ist eigentlich eine digitale Unternehmenskultur?

Alles spricht von der digitalen Transformation, und damit eben auch einer Transformation der bisherigen Unternehmenskultur. Mal abgesehen davon, das die Digitalisierung wahrscheinlich an keinem anderen Faktor häufiger scheitert, was ist eine digitale Unternehmenskultur überhaupt.

Ebenso wenig wie die Existenz einer Webseite ausreicht, damit ein Unternehmen gut für die digitale Gegenwart aufgestellt ist, bedeutet die bloße Einführung digitaler Prozesse auch nur die geringste Kulturänderung. Mitunter ist der Wandel zu einer digitalen Unternehmenskultur die größte Herausforderung auf dem Weg zum Überleben in der digitalen Wirtschaft. Gerade Manager und Inhaber dürften an die Grenzen des Machbaren stoßen, wenn sie zwar Veränderungen einführen, aber sich selbst aber nicht einer veränderten Unternehmenskultur anpassen wollen, die für sie am Ende auch heißt ein wenig von ihrer (All-)Macht abgeben zu müssen.

Was ist eine digitale Unternehmenskultur?

In seiner Change Management Studie 2017 hat Capgemini Consulting sich auch dieser Frage gestellt und eine Art Definition für eine digitale Kultur erstellt:

„Eine digitale Kultur ist jener Geist der Führung und Zusammenarbeit von Managern und Mitarbeitern, der sich aus solchen Unternehmen bereits entwickelt hat, die die digitale Transformation erfolgreich umgesetzt haben.“ – Quelle: Capagemini Consulting

Also mit anderen Worten, hier wird das Endprodukt beschrieben. Ein wenig hilfreicher sind die acht Merkmale, die in der Studie ebenfalls definiert werden:

  • – Kundenorientierung
  • – Enterpreneurship
  • – Digitale Technologien & digitalisierte Prozesse
  • – Agilität
  • – Autonome Arbeitsbedingungen
  • – Kollaboration
  • – Digital Leadership
  • – Innovationen & Lernen

Bei Kundenorientierung dürften die meisten auch in der alten Struktur verharrenden Unternehmen noch mitgehen, wenn man auch freilich bezweifeln darf wie weit sie diese Einstellung auch leben. Allzu oft werden Produkt- oder Marketingentscheidung noch immer nach dem Geschmack des Anglers designt, und man fragt sich am Ende ratlos, warum der Fisch den Köder nicht geschluckt hat. Die neuen Kommunikations- und Analysemöglichkeiten der Digitalisierung haben es da dann aber naturgemäß schwer.

Enterpreneurship, also das Entwickeln neuer Ideen oder Strategien, darf nicht länger Chefsache sein. Im Gegenteil, Mitarbeiter müssen motiviert werden ihre eigenen Ideen einzubringen. Das bedeutet aber auch ihnen die Möglichkeit dazu zu geben. Wer die Digitalisierung dazu nutzt Minuten genau Tätigkeitserfassungen einzuführen, weil er glaubt damit effizienter zu werden, wir am Ende Mitarbeiter haben die exakt vorgegebene Listen abarbeiten. Während die Besten sich lieber einen Arbeitgeber suchen, der ihnen die Freiheit gibt am Unternehmenserfolg mitzuarbeiten.

Wie bereits erwähnt, lediglich digitale Technologien einzuführen und Prozesse zu digitalisieren ist nicht die Digitalisierung selbst. Es sind am Ende lediglich die Werkzeuge diese neue Kultur erfolgreich zu leben. Im Prinzip sind sie wie alle Werkzeuge neutral, können als zur Kontrolle wie auch zu mehr Freiheit des Arbeitnehmers eingesetzt werden. Im Prinzip, denn wie keine andere Veränderung zuvor macht es die Digitalisierung offensichtlich, wie mehr Freiheiten zu mehr Erfolg führen kann. Man kann also die Kontrolle verstärken, verstärk damit aber überproportional auch die Frustration seiner Mitarbeiter.

Agilität ist eine Grundeigenschaft der Digitalisierung. Jene ist ein stetig fortschreitender Prozess, der die Veränderung zum Standard macht. Wer nicht in der Lage ist sich immer wieder auf neue Kundenbedürfnisse oder technische Entwicklungen einzustellen ist auf der Verliererstraße.

Der einfachste Weg Mitarbeiter zufriedener zu machen und ihre Produktivität zu erhöhen sind autonome Arbeitsbedingungen. Der klassische Nine-to-Five-Job ist ein Relikt aus den Zeiten von Henry Ford, die Anwesenheitspflicht am Arbeitsplatz hat weniger mit Leistung, als mit Pflichterfüllung zu tun. Längst sind die Entwicklungen der Digitalisierung so weit fortgeschritten, das weder technologisch noch auch Service- oder Kommunikationsgründen noch Argumente gegen Dinge wie etwa Home Office sprechen.

Wenn es um Digital Leadership geht, schlägt wieder die Stunde von Managern und Inhabern. Denn irgendwer muss am Ende ja den Kurs vorgeben. Doch der Kurs muss eben auch klar sein, der Mitarbeiter braucht eine Strategie, eine Vision der er folgen kann und folgen will. Herumschlingern erzeugt nur Stress und Mitarbeiterfluktuation.

Kollaboration sehe ich in der modernen Unternehmenskultur sowohl intern als auch extern. Auch wenn bei richtigem Einsatz des Faktor Enterpreneurship im Unternehmen ein interner Wettbewerb der Ideen angestoßen wird, darf darunter die Zusammenarbeit der Mitarbeiter nicht leiden. Und auch mit anderen Unternehmen muss die Zusammenarbeit gestärkt werden, besser man schafft mit der Konkurrent die Plattform, als jemand anders, der dann alle Unternehmen aus dem Geschäft drängt.

Innovationen und Ideen hängen schließlich eng mit dem Thema Agilität zusammen. Wer auf Veränderungen reagieren will, muss diese auch erkennen und den besten Weg finden damit umzugehen. Das geht nur durch ständiges Lernen. Unternehmen die glauben, dass ihr Mitarbeiter das dann auch noch in seiner Freizeit macht, werden früher oder später dumm aus der Wäsche schauen.

About Thomas Matterne

Thomas Matterne ist Chefredakteur des dreisprachigen Online-Magazins DenkZeit und als Online-Marketing-Manager tätig. Der ausgebildete Journalist hat ein Diplom in Wirtschaftsinformatik, und schreibt an dieser Stelle über IT-, Online-Marketing- und SEO-Themen - unteranderem.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.