Warum das Internet voller schlechter Blogs ist

Ich blogge seit mehr als zehn Jahren. Man kann also vermuten, ich tue das gerne. Und mit Leidenschaft, vielleicht regen mich deshalb zwei ganz bestimmte Sorten von Blogs besonders auf.

Wenn mich ein Online-Shop-Betreiber oder ein Unternehmer fragt, wie er effektiv Content-Marketing betreiben kann, dann sage ich immer noch: Schreib ein Blog. Den meisten erscheint das ziemlich logisch. Die Argumentation beginnt erst dann, wenn ich von einer „entkommerzialisierten Zone“ auf der Seite spreche und dass man keine Artikel bloggt, in die man gleich den „Kauf das Produkt doch gleich“-Button einbinden kann. Genau das aber passiert immer noch allzu häufig und daran scheitern auch die meisten Corporate Blogs. Reputationsaufbau, sich zum Experten für sein Produkt machen oder schlicht den allgemeinen Wert der Webseite bei Google oder Bing zu erhöhen, das erscheint vielen zu umständlich. Sie glauben lieber daran, dass sie mit gebloggten Produktbeschreibungen die direkte Conversion erhöhen. Also lassen sie zwei- oder dreihundert Wörter lange (meist mindesten 150 Wörter zu lange) Produktbeschreibungen runtertippen, packen sie in ihr „Blog“ und mit der Zeit halten sie dieses „Blog“ für eine blöde Idee, weil es einfach nicht funktioniert.

Noch schlimmer sind viele thematische Nischenblogs von Agenturen. Die Agentur hat vielleicht ein Dutzend davon, manche führen sie für einen Kunden, dem sie eingeredet haben, das es Blogmarketing wäre, ein thematisch passendes Blog zu führen, das mit einem – oft sogar als Werbung getarnten Link – auf die Kundenseite verweist. In der Regel dienen diese Blogs dann aber als Backlinkquelle für alles mögliche und andere Agenturen kaufen sich dort dann auch Artikel mit Backlink für ihre Kunden. Damit diese Blogs aber zumindest aktuell aussehen, werden sie dann ein oder zwei Mal im Monat mit 300 belanglosen Worten gefüllt, die irgendwie zum Thema passen und von denen kein menschlicher Leser, der sich für dieses Thema interessiert irgendwie einen Erkenntnisgewinn herausfischen kann.

Und da am Ende auch Google das früher oder später herausfinden kann, wundert sich so manche Agentur bei einem Blick in Google Analytics, warum ihr so regelmäßig befülltes Blog denn nicht mal zehn Besucher am Tag abbekommt. Na ja, weil da langweilige Scheiße drin steht. Widergekäute Artikel, die man per Google Alert aus Google News gefischt hat und die, weil man ja a) den Texter nicht überbezahlen will und b) nicht 1:1 kopieren kann, naturgemäß weit weniger Inhalt haben als das Original. Das die meisten Texter nicht im Thema drin sind und für diese Bezahlung natürlich jetzt auch nicht übermäßig selbst recherchieren, senkt die Qualität noch um ein paar weitere Punkte. Schlimmer noch, erst kürzlich erzählte mir der Chef einer solchen Agentur, dass es da auch gar nicht auf Qualität ankommen würde. „Quantität. Quantität. Quantität.“, lautet das Mantra. Mit einmal Qualität würden sie dagegen vielleicht mehr Erfolg haben.

Na ja, zum Glück ist das Internet zumindest kein Buch, so das dieser Müll den echten Bloggern wertvollen Platz wegnimmt. Und zum Glück ist Google schlau in der Regel schlau genug solche Blogs weit genug unten in den Suchanzeigen zu platzieren, damit sie bei den Lesern nicht den Ruf von Blogs an sich ruinieren. Aber schön finde ich das trotzdem nicht. Es ist einfach eine Verschwendung von Ressourcen, die schlicht und einfach auch gar nicht notwendig wäre. Denn gute Agenturen machen ja vor wie es geht. Die führen dann halt nicht ein Dutzend Schrottblogs sondern zwei oder drei gute Blogs. Mit Schreibern, die sich im Thema auskennen und die wirkliche Trends aufspüren, statt sich Google Alerts schicken zu lassen. Das es immer noch Agenturen gibt, die an die Masse glauben, ist halt traurig. Traurig für deren Kunden, die ihr Geld genauso gut in den Müllschlucker stecken könnten. Traurig für die Agenturen, weil die Kunden das irgendwann doch rauskriegen und ihren Auftrag kündigen. Aber auch traurig für die Texter, die um des Geldes Willen diesen ganzen belanglosen Scheiß in die Welt setzen müssen, obwohl sie eigentlich viel mehr drauf hätten.

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