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Überlebt dein Unternehmen die Digitale Transformation?

An anderer Stelle setze ich mich ja des Öfteren kritisch mit der Digitalen Transformation auseinander. Da kann man sich gerne einlesen, für diesen Artikel ist aber nur wichtig eines zu begreifen: „Digitale Transformation“ ist ein verniedlichender Begriff, weit besser passt etwa „Digitale Revolution„. Oder wie es Frank Thelen noch besser ausdrückt: Krieg!

Und da wären wir schon bei der ersten Frage:

Was ist die Digitale Transformation?
a) Alter Wein in neuen Schläuchen
b) Ein wichtiger Aspekt für alle, die in der IT Branche sind
c) Die nächste industrielle Revolution, nach der die Welt nicht mehr so ist wie zuvor

Die richtige Antwort ist Antwort C. Wenn du auf A getippt hast, kannst du im Grunde gleich Konkurs anmelden, bei B – na ja eigentlich auch. Denn wir stehen in der Tat an der Schwelle zu einer Zeitenwende und die betrifft alle von der Bäckerei um die Ecke bis zu Amazon. Wer heute glaubt nicht davon betroffen zu sein, wird ein ziemlich bitteres Erwachen vor sich haben, denn der Tsunami wird ihn mit sich in den Untergang reißen. Das klingt nach Panikmache? Soll es auch, denn viel zu viele wägen sich noch im sicheren Hafen. Man hat doch schließlich eine Internetseite, man macht doch dieses blöde Facebook und überhaupt nutzt man doch schon seit Jahren E-Mail.

Sicher, wer heute noch die Vorteile der Cloud nicht sehen will und – widerlegte Sicherheits- oder Datenschutzargumente vorschiebt – ist ebenso ein sicherer Kandidat für den Konkurs. Aber die digitale Transformation ist eben mehr als die Cloud, SaaS, Big Data, Bots oder neben E-Mails auch Messenger zu nutzen. Es ist ein grundlegender Kulturwandel in der Arbeitswelt. Eine Arbeitswelt die sich aufzuteilen beginnt. Zwischen denen da ob und denen da unten. Eine Stechuhr und jegliche Form detaillierter Kontrolle der Mitarbeiter ist in der Logistik von Amazon die dunkle Seite, denn die digitale Transformation bietet ungeahnte Möglichkeiten der – zudem auch noch legalen – Überwachung der Mitarbeiter. Wer aber kreative, gut ausgebildete Mitarbeiter haben will, gar die Besten, der sollte sich von de Gedanken verabschieden Arbeitsmodelle des 20. Jahrhunderts verwenden zu wollen.

Die Mitarbeiter

Die neue Welt ist Teamorientiert bis zur Kontrollaufgabe durch das Management. Der neue Mitarbeitertypus will an das Produkt, das Unternehmen glauben und erwartet Offenheit, Authentizität und Beteiligung – letzteres bringt er mit ein, aber eben nur wenn er den Eindruck hat es auch tun zu können. Die neue Mitarbeiterführung ist ein Primus inter pares und zwar nicht auf dem Papier, sondern in der gelebten Form. Denn das einzige was einen noch schneller die besten Mitarbeiter davonrennen lässt als die klassische Anweisungskultur ist eine vorgetäuschte Unternehmenskultur der Gleichberechtigung.

Auch das Thema Work-Life-Balance spielt eine Rolle, allerdings weniger in der klassischen Trennung zwischen Arbeit und Privat. Die Überstunden werden mehr und mehr durch „mach ich von zuhause aus noch schnell nach dem Abendessen“ ersetzt. Was nebenbei auch ein Hinweis darauf ist, dass eingefleischte Gegner von flexiblen Arbeitszeiten und Home Office einpacken können. (Mal abgesehen von der Tatsache, dass schon jetzt alle Studien beweisen, dass jemand im Home Office nicht weniger, sondern sogar mehr arbeitet.)

Die Technologie

Die Technologien wandeln sich rasant, teils fast sprichwörtlich von heute auf morgen. Wer glaubt Jahre lang auf eine bestimmte Software setzen zu können, stur an einem Kommunikationskanal festhält, seine Hardware erst austauscht, wenn die Staubschichten Meter hoch sind, wird scheitern ehe er zum Zeitpunkt der von ihm geplanten Aktualisierung kommt. Der Wandel wird zum Prinzip, die Entwicklung ist im Fluss und man schwimmt mit oder klammert sich an einem Felsen bis man keine Kraft mehr hat und ertrinkt.

Es ist also wichtiger als jemals zuvor einen Trend zu erkennen und bewerten zu können. Und im Zweifel sollte man lieber mitmachen, als hintenanstehen. Nun bin ich zwar als Gegner jener „Kultur des Scheiterns“ bekannt, wie sich von den Jüngern des Silicon Valleys gepredigt wird, aber der sicherste Weg zum Scheitern ist nach wie vor es erst gar nicht zu versuchen.

Die Produkte

Nichts ist so zweitrangig wie dein Produkt! Klingt komisch, ist aber so. Ob du dein Produkt toll findest ist völlig egal, schlimmer noch, es ist nicht einmal von Belang ob das Produkt toll ist. Auch die beste und teuerste Werbeaktion ist für die Tonne. Die erste Frage lautet nicht: Wie sinnvoll ist das Produkt oder welches Problem kann es lösen? Die erste Frage lautet: Will das jemand haben? Braucht das jemand, oder kann das weg?

Unternehmen die produktzentriert versuchen zu verkaufen werden scheitern, im Mittelpunkt stehen künftig drei Dinge: Der Nutzer! Der Nutzer! Der Nutzer!

Und es kommt noch schlimmer, denn nicht nur die Mitarbeiter wollen mitreden, sondern auch der Nutzer. Das ist ein riesiger Gewinn für die Produktentwicklung, geht aber auch hier nicht ohne die Zügel aus der Hand zu geben.

Das Fazit

Ich denke das Kerndilemma steckt in der Tatsache, dass bei der digitalen Transformation zwei Dinge zusammen kommen: Der rasante technologische Wandel und der behäbige Wandel der Unternehmenskultur. Es funktioniert aber nur, wenn beide Punkte in Übereinklang gebracht werden. Denn selbst wer ein Näschen für neue Entwicklungen hat, wird scheitern, wenn er weiter klassische Unternehmensorganigramme zeichnet und von seinen Mitarbeitern erwartet diese auch zu befolgen. Wer die Stechuhr am Eingang durch digitale Erfassungssysteme ersetzt, hat am Ende immer noch eine Stechuhr.

Wir sollten uns also nichts vormachen, die Zahl der Opfer wird groß werden. Ave, Caesar, morituri te salutant.

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