The next big thing – Nicht jeden Scheiß mitmachen

In meiner langen Zeit, die ich nun in Sachen Journalismus, PR und Online-Marketing unterwegs bin, war in den meisten Fällen der Bremser. Ja, die Angelegenheit erst einmal zu analysieren und in der Regel die Erwartungen senken, ist nicht gerade hip und das was eine Begeisterung fordernde Geschäftsleitung hören will, aber am Ende zahlte es sich immer noch besser aus, als wenn ich jede neue Sau durchs Dorf getrieben hätte.

Die Forderung in jeden Trend möglichst frühzeitig einzusteigen, basiert wohl vor allem auf dem irrigen Glauben, wer unter den ersten Teilnehmern ist, der bekommt auch ein großes Stück vom Kuchen. Wenn es um den Erfolg der Early Adapter geht, kann man darüber durchaus streiten. Aber selbst wenn wir mal annehmen, dass diese These richtig ist, sollte man eines wissen: Sie sind in aller Regel kein Early Adapter. Wenn Sie von einem neuen Trend oder Netzwerk lesen, dann nur weil es schon jemand vor ihnen entdeckt hat. Oder mit anderen Worten, wenn Sie die erste Möglichkeit haben einzusteigen, ist das große Stück Kuchen längst von anderen gegessen worden.

Wenn ich allerdings zur Ruhe mahne, heißt das natürlich nicht, sich zurückzulehnen und abzuwarten ob dieses „next big thing“ auch tatsächlich groß wird. Wenn etwa ein neues soziales Netzwerk am Horizont auftaucht, heißen Analyse und realistische Erwartungen wecken, nicht einfach abzuwarten, bis man sicher ist, das nächste Facebook gefunden zu haben.

Was ich versuche hier rüber zu bringen, würde meine Großmutter mit den Worten beschreiben: Man muss jetzt nicht jeden Scheiß mitmachen! Man sollte vorher aber wissen, was jetzt ein Scheiß ist und was einem doch nützlich sein kann.

Wenn am Horizont jetzt aber „the next big thing“ auftaucht, woher weiß ich, ob es etwas für mich ist?
Na ja, dazu muss man natürlich zunächst einmal sich selbst und sein Business gut kennen. Das erfordert eine gewisse Selbstanalyse und, falls vorhanden, auch eine kritische Überprüfung bisheriger Maßnahmen. Nehmen wir zum Beispiel an, sie haben sich mit einem kleinen, aber hippen Second-Hand-Klamottenladen selbständig gemacht und jemand sagt ihnen, irgendwer hätte gerade Twitter erfunden. Interessant? Hmm, eher nicht. Aber stellen Sie sich vor, man hätte gerade Instagram erfunden. Mode? Bilder? Das passt doch weit besser zusammen, als Mode und 140 Zeichen. Auch wenn die Grenzen immer mehr verschwinden, und man zum Beispiel bei Twitter heute auch mit Bildern und Videos arbeiten kann, ist das meist nur der Versuch des jeweiligen Netzwerkes mit Facebook konkurrieren zu wollen. Der eigentliche USP steht aber meist vom Start weg fest, bei Twitter sind es 140 Zeichen, bei Instagram die Fotos.

Werden Sie sich also klar, welches Transportmedium zu ihrem Produkt am besten passt. Und wenn es dann passt, dann spricht eigentlich auch nichts gegen einen frühen Einstieg in das soziale Netzwerk oder das Befolgen eines Trends. Allerdings sollte eben diese Nützlichkeit das auslösende Element sein, nicht die Neuartigkeit oder weil es ihr Konkurrent nutzt, oder jemanden Ihnen es unbedingt verkaufen will.

About Thomas Matterne

Thomas Matterne ist Chefredakteur des dreisprachigen Online-Magazins DenkZeit und als Online-Marketing-Manager tätig. Der ausgebildete Journalist hat ein Diplom in Wirtschaftsinformatik, und schreibt an dieser Stelle über IT-, Online-Marketing- und SEO-Themen - unteranderem.

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