Weblog

Trello – Killerapp oder nur eine Todo-Liste?

In den letzten Wochen beschäftige ich mich ein wenig intensiver mit Trello – oder besser gesagt, ich beschäftige mich zum ersten Mal ein bisschen mit Trello. Und was soll ich sagen? Ich bin mir unschlüssig.

Bevor ich mich selbst in Trello getummelt habe, kannte ich das Tool bestenfalls aus den Erzählungen und/oder Podcasts. Doch egal was man da so hörte, es war durchweg positiv. Dort wurde das Orgatool etwa als eine ideale Lösung für einen Redaktionsplan anpriesen. Na ja, gerade mit dem Thema setzte ich mich beruflich – ich betreue gut ein Dutzend Blogs und noch ein paar Social Media-Accounts – ziemlich intensiv auseinander, und hier möchte ich dann doch mal sagen: Excel rules! Das man Trello hier vorzieht hat meiner Meinung nach eher ideologische, als sachliche Gründe. Dafür kann aber Trello ja nichts, also sollte man ihm eine Chance geben.

Trello ist eine web-basierte Projektmanagementsoftware, die vom US-amerikanischen Unternehmen Fog Creek Software betrieben wird. Der Dienst wurde am 13. September 2011 gegründet und hat derzeit 7 Millionen Benutzer (Stand: Januar 2015). Seit Mitte Juni 2015 ist Trello auch auf Deutsch verfügbar. – de.wikipedia.org

Und in der Tat, es handelt sich dabei ja um ein ausgesprochen mächtiges Tool, das zudem keine allzu spürbaren Funktionsunterschiede zwischen der kostenlosen und der kostenpflichtigen Version hat. Ich erspare mir jetzt einen umfangreichen Bericht darüber was Trello kann und was nicht. Wer sich dafür näher interessiert, dem sei die Ausgabe gt4816 Trello und seine Möglichkeiten des Geek Talks empfohlen.

Ich kann eben nur von meinen persönlichen Erfahrungen berichten: Die große Stärke liegt sicherlich in der Möglichkeit mit mehreren Personen an einem Trelloboard zu arbeiten. Damit steht und fällt es natürlich mit der Akzeptanz der Beteiligten. Wer Trello in seinem Team einsetzen will muss also Überzeugungsarbeit leisten oder Befehlsgewalt ausüben, je nachdem wie das Angebot angenommen wird. Jenseits von diesem Henne-Ei-Problem (es macht eben nur Sinn, wenn wirklich alle es benutzen. Wirklich alle benutzen es aber nur, wenn es vorher schon so gut wie alle genutzt haben.) erscheint mit die Wikipedia-Definition allerdings dann doch ein wenig übertrieben. Unter einer Projektmanagementsoftware stelle ich mir dann doch noch etwas anderes vor, die Ähnlichkeiten zu Kanban* hin oder her. Ich würde Trello eher als eine Vorstufe einer echten Projektmanagementlösung sehen, irgendetwas, was man allerdings auch nicht mehr wirklich als Todo-Liste a la Wunderlist bezeichnen kann. Überhaupt werde ich dieses Gefühl nicht los, dass Trello nichts Halbes und nichts Ganzes ist. Für kleine Projekt ist es zu mächtig, große Projekte möchte man sich angesichts des eher schlechten Designs und der damit verbundenen Unübersichtlichkeit lieber erst gar nicht vorstellen. So manches Trello-Projekt wäre selbst in einem gemeinsamen Google-Doc sicher besser aufgehoben. (Vermisst eigentlich noch jemand außer mir Google Wave?)

Bliebe aber noch die Kommunikation, etwa die Benachrichtigungen, wenn man als Nutzer einer Karte zugewiesen wurde oder durch eine Mention, sprich dem vorgesetzten @ vor dem Benutzernamen a la Twitter. Nett, dank der Apps auch wirklich funktional – aber so mancher flüstert, Sinn macht das auch nur noch in Kombination mit Slack.

Wenn wir schon beim Thema App sind. Zwar unterstützt Trello offiziell nur eine App fürs iPhone und für Android, Windows 10-User müssen allerdings nicht völlig ins Leere sehen, dank einer eigenen App kriegt man Trello auch auf einem Windows Phone zum laufen. Eine Drosselung des Funktionsumfangs konnte ich nicht feststellen, zumindest vermisse ich kein Funktion.

Aber genug von mir. Was sagt ihr über Trello? Ist mein Mangel an Begeisterung zu negativ? Habe ich irgendein Killerfeature von Trello übersehen? Irgendetwas was in der Vor-Trellozeit nicht auch ging?


* Kanban ist eine Methode der Produktionsprozesssteuerung. Das Vorgehen orientiert sich ausschließlich am tatsächlichen Verbrauch von Materialien am Bereitstell- und Verbrauchsort. Kanban ermöglicht eine Reduktion der lokalen Bestände von Vorprodukten in und nahe der Produktion, die dort in Produkten der nächsten Integrationsstufe verbaut werden. (de.wikipedia.org)