So einfach bekommt man seinen eigenen Chatbot

Chatbots sind inzwischen vom reinen Buzzword in den Alltagsstatus übergegangen. Sie haben nicht immer den besten Ruf, können aber in erster Linie eine Menge nützlicher Dinge.

Wenn heute, gerade im Vorfeld des Bundestagswahlkampf, von Chatbots gesprochen wird, dann meist mit einem negativen Beigeschmack. Chatbots hält man dann meist für Programme, die auf Facebook oder Twitter Stimmung machen – und meist nicht unbedingt für die Parteien der Mitte. Dabei sind die kleinen Programme eine nützliche Erfindung vor allem für alle, die etwa nicht rund um die Uhr am Rechner sitzen können, um die Reaktionsschnelle an den Tag zu legen, die man gerade in den sozialen Medien braucht. Und selbst wenn, Chatbots können einem eine Menge Arbeit abnehmen. Und dank Diensten wie Chatfuel nicht nur schnell programmiert, sondern auch noch günstig bis umsonst einsetzbar.

Zum eigenen Chatbot in wenigen Minuten (?)

Das Angebot von Chatfuel ermöglicht es etwa für die eigene Facebookseite auf die Schnelle einen Chatbot einzubinden, der dann via Messenger den Kontakt mit Fans und Kunden übernimmt. Dazu stellt der Dienst nicht nur die Möglichkeit bereit Texte oder Bilder zu verwenden, sondern auch einige andere Features wie eine JSON Api, Google oder Bing Suche oder die Integration von WordPress-Elemente über Zapier. Kurz, mit der kostenlosen Bordausstattung lässt sich schon einiges umsetzen.

Den Dialog mit dem Nutzer kann man dann zum Beispiel über Quick Replies lösen, die dem Nutzer im Messenger zum Antippen angeboten werden und dann den vorgegeben nächsten Block laden. Wer mit seinem Chatbot also ein ganz bestimmtes Ziel verfolgt, kann den Nutzer hier perfekt durch die verschiedenen Optionen leiten.

Aber natürlich sollte ein Chatbot auch auf offene Fragen antworten können. Dazu bietet Chatfuel die „künstliche Intelligenz“-Funktion an. Wie ganz allgemein, sollte man diesen Begriff aber auch hier nicht allzu hoch hängen, kommt es im Wesentlichen doch auch hier vor allem auf die Intelligenz des Kopfes dahinter an. Hinter der Funktion versteckt sich nämlich im Grunde nur die Möglichkeit als Reaktion auf vorgebbare Begriffe bestimmte Antworten ausspielen zu lassen. Am Ende beantwortet der Chatbot also nur die Fragen, auf die sein Schöpfer vorher selbst gekommen ist. Für deutsche Anwender zeigt sich hier aber – zumindest meiner eigenen Erfahrung nach – auch ein wenig die Schwäche des in Englisch gehaltenen Dienstes, der hier gelegentlich so seine Probleme mit den deutschen Umlauten hat.

Vor dem Livegang kommt das Testen.

Insgesamt funktionieren die angebotenen Funktionen allerdings recht gut und man kann Chatfuel auch getrost auf deutschsprachigen Seiten einsetzen.

Vor dem Programmieren kommt die Planung

Ehe man sich aber daran macht seinen eigenen Chatbot zusammenzustellen, sollte man sich erst einmal hinsetzen und einige Ablauforganigramme zeichnen. Einfach wild zusammengestellte Chatbots funktionieren nicht und das Nachbessern hat dann oft nur den einen Effekt, dass sich auch der Schöpfer selbst nicht mehr richtig auskennt. Das gilt für den eigentlichen Ablauf ebenso, wie bei der Vorbereitung auf offene Fragen durch den Nutzer. Ohne ein ausführliches Brainstorming braucht man sich erst gar nicht an die Arbeit zu machen.

Sind Chatbots überhaupt beim Nutzer akzeptiert?

Bei allem Funktionsumfang bieten Dienste wie Chatfuel am Ende allerdings nicht die Möglichkeit einen Chatbot zusammenzustellen, der den Nutzern langfristig vorspielen kann ein echter Mensch zu sein. Und ganz ehrlich, das sollte man auch um Himmels Willen nicht tun. Ein zum Scheitern verurteilter Versuch verärgert den Nutzer im Zweifel nur. Ich würde also dringend empfehlen gleich in der Willkommens-Nachricht klar zu machen, dass hier keine Interaktion mit einem echten Menschen stattfindet.

Außerdem sollte man mittels der „künstlichen Intelligenz“ auch immer eine Antwort darauf haben, wenn Wörter wie „echter Mensch“ usw. fallen. Die beiden Chatbots die ich mit dem Dienst zusammengestellt habe, entschuldigen sich dann immer und stellen Kontaktdaten zur Verfügung, an deren Ende der Nutzer dann mit Menschen kommunizieren kann.

Das Fazit:

Dienst wie Chatfuel bieten auch Nicht-Programmierern, kleineren Unternehmen usw. die Möglichkeit von den Vorteilen von Chatbots teil zu haben, ohne dabei mehr Vorkenntnisse als eine gewisse Logik beim Ablauf der Gespräche haben zu müssen. Freilich sind sie aber nur ein Vorgeschmack auf das was noch kommen wird. Aber ein Vorgeschmack, bei dem man unbedingt dabei sein sollte, will man sich von der innovationsfeindlichen und kommunikationsfaulen Konkurrenz angenehm abheben.

 

WhatsApp knackt die Milliarden-Marke

Wann hast du zum letzten Mal mit deinem Handy eine SMS verschickt? Manchen müsste man vielleicht sogar fragen, ob er jemals eine SMS verschickt hat. WhatsApp scheint die SMS inzwischen zu Grabe getragen zu haben. Eine Milliarde Nutzer versenden ihre Nachrichten inzwischen über den Dienst.

Die Älteren unter uns werden sich noch erinnern, damals, als die Handys massentauglich wurden und zum ersten Mal in die Hosentasche passten, ohne das man gleich Schlagseite bekam. Eine SMS zu verschicken war nicht einfach, als Tastaturen meist den Blackberrys vorbehalten waren und man auf einer Nummerntastatur schreiben musste. Und trotzdem, eine SMS zu schicken war verdammt praktisch. Wer es drauf hatte, konnte sich eine Menge lästige Langzeittelefonate ersparen und Informationen pur verschicken. Aber wenn man das heute den Kids erzählt, bekommt man eine Vorstellung davon was der Satz „Opa erzählt vom Krieg“ bedeutet.

WhatsApp schickte sich an das alles zu vereinfachen. Ein Messenger außerhalb der Sozialen Netzwerke wurde sozusagen selbst zu einem, allerdings einem Vertreter, der sich vollkommen auf die Kommunikation konzentrierte. Und ich persönlich muss sagen, spätestens als meine Mutter damit begann begeistert Nachrichten, Bilder oder Filme per WhatsApp zu verschicken, war der Dienst endgültig am Ziel angelangt. Immerhin hatte sie sich Jahre lang gegen ein Smartphone an sich gewehrt, aber einmal WhatsApp installiert – da war der Widerstand gebrochen.

Sie ist also jetzt eine der 1 Milliarden Nutzer, die inzwischen jeden Monat den Dienst verwenden. Und sie dürfte es auch weiter tun, denn trotz aller berechtigten Kritik muss man immer noch feststellen, die Masse hat von Telegram & Co. noch nie etwas gehört. Und wenn doch, dann kennt sie zumindest niemanden, der auch dort ist. Der Dienst dominiert inzwischen den Markt und hat die gute alte SMS längst verdrängt, und das hat durchaus tiefere Gründe als nur die Möglichkeit neben Text auch Bilder oder Videos verschicken zu können. In ihren besten Zeiten war die SMS ein Kommunikationswerkzeug, WhatsApp aber ist – wie oben beschrieben – schlicht ein Soziales Netzwerk geworden. Oder zumindest verbindet es die beiden Welten so geschickt miteinander, dass der Dienst sich inzwischen unersetztbar gemacht hat.

Das nächste große Ziel dürfte es wohl sein dem Dinosaurier der digitalen Kommunikation das Wasser abzugraben, der E-Mail. Zwar wurde dieses Medium schon mehr als einmal totgesagt und hat all seine Totengräber überlebt, aber bei der Geschwindigkeit der Kommunikation über WhatsApp kann auch sie nicht mehr mithalten. Facebook, für seine Investition einst auch schon mal belächelt, weiß das und bringt WhatsApp langsam, aber sicher auch vom Smartphone auf den Desktop. Die Nutzung über den Browser ist schon lange möglich, aber erst kürzlich wurde auch der erste offizielle Client für Windows vorgestellt. Und ich persönlich halte die Integration von WhatsApp in den Browser Opera für eines seiner nützlichsten Werkzeuge.

 

Microsoft Teams könnte nicht nur Slack killen

Unter uns, wie begeistert Neuerungen von Microsoft inzwischen aufgenommen werden, erwärmt mein Fanherz …. Aber zur Sache, als Slack-Killer machte Microsoft Teams heute nach seiner offiziellen Vorstellung die Runde. Und da könnte durchaus was dran sein. Allerdings finde ich dass das fast auch ein wenig zu kurz greift, denn Microsoft Teams macht nicht nur Slack überflüssig sondern im Büroalltag auch Google Hangouts und mitunter auch Trello. Und das vor allem eben auch, weil Microsoft Teams alles in einem bietet.

Um es auf den Punkt zu bringen: Microsoft Teams ist das erste Angebot, das Teamarbeit in der neuen digitalen Wirklichkeit möglich macht. Was natürlich, und da bin ich jetzt ganz Zyniker, auch per Definition heißt, dass es sich in Deutschland so schnell nicht durchsetzen wird. Hier sind ja die Vorurteile über Office 365 alleine noch so weit verbreitet, dass man von Teams wahrscheinlich in weiten Teilen des deutschen Mittelstands und bei kleineren Unternehmen von den neuen Möglichkeiten nichts mitbekommt / mitbekommen will.

Wenn man aber bedenkt, dass quasi von Jahr zu Jahr, oder besser von Monat zu Monat, immer mehr junge Arbeitnehmer auf den Markt kommen, die man mit einem 9to5-Job mit Anwesenheitspflicht nicht halten kann – oder überhaupt zum Jobantritt bekommt – sollte man sich Microsoft Team dann doch lieber mal genauer ansehen. Oder sich eben mit den 2. und 3. besten Bewerbern zufrieden geben, die nicht gut genug sind um flexible Arbeitszeiten oder Home Office einfordern zu können.

Moderne Teamarbeit ist aber freilich nicht an Schreibtische vor Ort gebunden, sollte es übrigens auch im Interesse der Arbeitgeber gar nicht sein. Und wer dann kommunizieren will, findet hier sicher ein gutes Werkzeug. Auch weil neben der Kommunikation an sich es Microsoft offenbar gut verstanden hat seine anderen Office-Produkte zu integrieren.

Einen etwas ausführlicheren Einblick über die Möglichkeiten von Microsoft Teams und was man als Admin bewerkstelligen kann, liefert dieses Video von Microsoft Mechanics:

 

Der heiße Scheiß der Woche (048)

In dieser Woche geht es um Sicherheitslecks, das Schreiben, einem Zombie der Suchmaschinenoptimierung und noch ein bisschen mehr.

+ + + WordPress entledigt sich eines Dutzends Sicherheitslücken + + +

WordPress ist inzwischen ein wunderbares CMS, aber Leute, um Gottes Willen, fahrt Updates. Denn wer digital besonders erfolgreich ist, zieht auch besonders viele Kriminelle an. Für mich aber auch kein Grund zu Serendipity zurückzukehren. 😉

+ + + Schreiben – Was bringt es überhaupt? + + +

Ist die Tätigkeit des Schreibens überhaupt noch zeitgemäß, jetzt wo YouTube oder eben auch Snapchat die Gegenwart zu bestimmen scheinen? Benjamin Brückner meint ja, und hat in diesem – was sonst – Text gute Argumente parat.

+ + + Studie: Relevante Ranking-Faktoren für lokale Unternehmen + + +

Die Studie bringt übrigens kaum Neues, sondern bestätigt eher die üblichen SEO-Maßnahmen für lokale Unternehmen. Nur ein Punkt ist wirklich interessant, der gute alte PageRank scheint immer noch gewaltige Auswirkungen auf die Position der Webseite in den SERPs zu haben.

+ + + 8 Dinge, die wir über Social Collaboration wissen müssen + + +

Die gute Nachricht ist: Telefonieren ist ja sowas von altmodisch! Die Schlechte: E-Mails sind nicht wesentlich moderner. Scheint es zumindest, in der Realität werden aber wohl beide ihren Platz behaupten, aber eben nicht mehr als Alleinherrscher.

 

Der heiße Scheiß der Woche (046)

Natürlich spielt diese Woche der LinkedIn-Kauf von Microsoft eine Rolle, aber es gibt auch noch andere empfehlenswerte Links.

+ + + How Microsoft will put LinkedIn to work in Office + + +

Die Übernahme der Woche darf natürlich nicht fehlen. Techchrunch wirft einen Blick voraus wie Microsoft das Netzwerk LinkedIn in Office integrieren will, oder wie Cortana davon profitieren soll.

+ + + Branding für KMU: Die richtige E-Mail-Adresse schafft Vertrauen + + +

Unglaublich aber wahr, selbst wer im B2B-Bereich unterwegs ist, bekommt immer wieder Post von Absendern wie babyflausch@yahoo.de oder Barbie22@gmail.com. Dabei ist eine eigene TopLevel-Domain doch heute wirklich kein Hexenwerk mehr und macht einen viel besseren Eindruck.

+ + + Snapchat öffnet Schnittstelle für neue Werbekunden + + +

Snapchat macht Werbung – oder sagen wir besser, macht jetzt mit Werbung ernst. Das könnte durchaus die Nagelprobe für den hippen Dienst sein, nicht nur, um zu sehen wie es mit dem Geld verdienen aussieht, sondern vor allem, ob die User bleiben.

+ + + Facebook is wrong, text is deathless  + + +

Sind Videos der Tod des Textes? Oder ist gar das Internet daran interessiert, das Medium Text zu beseitigen? Die Totengesänge sind zu hören, allein nicht nur Tim Carmody hat schlagkräftige Argumente gegen diese Ansicht.

 

Der heiße Scheiß der vergangenen Woche (035)

Er ist wieder zurück, mein wöchentlicher Rückblick auf die besonders lesenswerten Artikel im Web. Diesmal geht es zum Beispiel um die Bewertungssterne bei Googlesuchergebnissen und natürlich der Build 2016.

+ + + Google: Warum werden AdWords-Sterne nicht immer angezeigt? + + +

Gerade wenn der User auf der Suche nach einem Produkt oder einer Dienstleistung ist, erhöhen die in den AdWords und auch organischen Suchergebnissen angezeigten Bewertungssterne die Wahrscheinlichkeit eines Klicks enorm. Aber mitunter scheint Google ein wenig eigen zu sein, wann die kleinen Bewertungssymbole eingeblendet werden und wann nicht. In einem Gastbeitrag bei Internetworld werden die wichtigsten Faktoren zusammengefasst, die für das Einblenden der Symbole verantwortlich sind.

 

+ + + Die 12-Punkte-Checkliste für userfreundliche & konversionsstarke Online-Formulare + + +

Formulare, gleich ob es simple Kontaktformulare  sind, oder umfangreichere Bestellformulare, zu entwerfen ist ein Alptraum. Zumindest dann, wenn man am Ende ein gutes Formular auf seiner Webseite haben will, welches die User tatsächlich auch dann benutzen, wenn sie damit nicht gerade vor der einzigen Möglichkeit stehen die Feuerwehr zu rufen. Dieser angenehm umfangreiche Post von Seokratie, man kennt ja die Pseudo-Listenpost der Konkurrenz zu genüge, wirft einen genaueren Blick auf die Fallstricke und Tipps beim Entwerfen von Formularen.

 

+ + + Bots für alle: Microsofts Bot-Framework will Apps ersetzen + + +

Apps sind heute nach wie vor das Nonplusultra für jene, die im mobilen Internet erfolgreich werden wollen, dabei wurde ihr Ende schon durch die Möglichkeiten von HTML5 vorhergesagt. Und auch Microsoft bringt jetzt mit seinem Bot Framework einen neuen Konkurrenten ins Spiel, sollen die Bots doch vor allem den großen Nachteil von Apps obsolet machen, nämlich immer zwischen einzelnen Anwendungen hin und her springen zu müssen.

 

+ + + Augmented Reality am Arbeitsplatz: So sieht der Schreibtisch der Zukunft aus + + +

Beim Thema Augmented Reality fallen einem gewöhnlich nur zwei Einsatzgebiete ein: Stadtführer für Touristen und – wie könnte es anders sein – Werbung. Dabei steckt in Augmented Reality weit mehr Entwicklungspotential, zum Beispiel auch für die kleine Extra-Portion Science fiction im Büroalltag, wie dieses Beispiel zeigt.

 

+ + + Snapchat seamlessly combines video, audio, GIFs, stickers in “Chat 2.0” + + +

Früher konnte man alte und junge Online-Marketing-Leute daran unterscheiden, ob sie das Phänomen YouTuber nur nützlich oder total abgefahren fanden. Heute übernimmt Snapchat diese Funktion, so richtig weiß noch keiner wie man damit richtige Marketing macht, aber es ist im Augenblick der heiße Scheiß. Und wie es sich für echt heißen Scheiß gehört, verändert sich immer wieder einmal etwas. In der letzten Woche sogar relativ viel, wie dieser Artikel bei TechChrunch zusammenfasst.

 

Sollen Verlage ihre Kommentarfunktion abschalten?

Gemach, auch nach der Lektüre von Martin Weigerts Kolumne Beleidigungen, Hetze, Verschwörungstheorien: Warum News-Seiten ihre Kommentarfunktion abschaffen sollten bin ich nach wie vor ein Anhänger der Kommentarfunktion an sich. Kommentare sind für mich ein Angebot der Meinungsfreiheit, deshalb habe ich sie immer verteidigt. Hier in meinem Blog schalte ich jeden Kommentar frei, der nicht rechtswidrig ist oder Dritte übelst beleidigt – ich persönlich bin da nicht so zimperlich. Ich habe ein einziges Mal eine Kommentarfunktion geschlossen, als Online Redakteur bei einem regionalen Fernsehsender – damals ging es um eine Reihe von türkischen Flaggen die im fränkischen Würzburg aufgehängt waren und dementsprechend rechtsextreme Kommentatoren anzogen. Ansonsten habe ich auch intern immer mit Verweis auf die Meinungsfreiheit alles freigeschaltet, auch wenn sich intern damit jemand auf die Füße getreten gefühlt hat (was durchaus vorkam).

Die andere Seite ist aber natürlich, dass Kommentare ein Angebot von Meinungsfreiheit sind, aber kein Seitenbetreiber dazu verpflichtet ist dieses Angebot auch zu machen. Außerdem ist er letztlich für den Inhalt seiner Webseite verantwortlich, zu diesem zählen auch die Kommentare. Er muss dazu stehen können bzw. zu einer toleranten Kommentarpolitik. Tut er das nicht, ist es sein gutes Recht. Wenn er eine strengere Kommentarpolitik fährt, sollte er dies nur auch kommunizieren. Und wenn er gar keine Kommentare zulässt, dann auch gut.

Das die Kommentare unter Artikeln seit langem zu dem Sorgenkindern von großen Portalen gehören, ist nicht unbedingt neu. Die aktuelle Situation der Diskussion um die Flüchtlinge, die zu uns kommen, treibt dieses Problem nur gewissermaßen auf die Spitze. Aber Herr konnte man ihm schon zuvor nur schwer werden. Den richtigen Königsweg hat noch niemand gefunden, lediglich setzen die meisten Angebote inzwischen wohl auf eine Art Sicherheitsregelung, indem entweder nur angemeldete User kommentieren können oder in der nächsten Stufe Kommentar freigeschaltet werden müssen. Letzteres ist natürlich arbeitsintensiv – und mit arbeitsintensiven Vorgängen ist es in einer Branche, die Gewinne lieber durch Einsparungen erwirtschaftet, als durch Innovationen, bekanntlich so eine Sache.

Weniger arbeitsintensive Möglichkeiten sind weitgehend gescheitert. Eine Blacklist für gewisse Worte wirkt heute fast schon putzig – oder hilflos, je nachdem wie man die Sache betrachtet. Außerdem müsste dahinter auch mindestens ein Algorithmus stehen, der die Worte nur anhand eines bestimmten Zusammenhangs herausfiltert. Also zum Beispiel „Der Führer würde hier aufräumen“, aber nicht „Die Touristen sind doch selbst schulde, wenn sie einem schlecht ausgebildeten Führer hinterherlaufen.“. Viel Spaß beim Programmieren …

Versuche wie eine Klarnamenpflicht darf man als gescheitert ansehen. Facebook beispielsweise versucht eine Klarnamenpflicht durchzusetzen, die Diskussionen dort werden nicht unbedingt besser. Außerdem erinnere ich mich im letzten Sozipod von einem Versuch in Südkorea gehört zu haben, wo die Klarnamenpflicht die Sache sogar noch verschlimmerte. Abgesehen davon, wer in Deutschland das Wort „Klarnamenpflicht“ auch nur in den Mund nimmt, hat schon die Hand des kopfschüttelnden Datenschutzbeauftragten auf seiner Schulter.

Was gab es sonst noch für nennenswerte Versuche? Mir fallen gerade nicht mehr ein.

Am Ende kommen wir wieder bei der Moderation an, die die einzig sinnvolle Methode zu sein scheint. Dahinter muss man dann auch nicht zwangsläufig Zensur sehen, schließlich wird auch in der Printausgabe nicht jeder Leserbrief abgedruckt. Es ist eine Frage der Auslegung, ob man aus dem praktisch unbegrenzt vorhandenen Platz ableiten will, im Netz könne man ja aber doch jetzt allen Schreibern eine Möglichkeit geben ihren Kommentar abzugeben – oder ob man nicht eher damit argumentiert, dass die in der Zeitung veröffentlichten Leserbriefe eine journalistische Vorauswahl durchlaufen haben. Ich neige eher zu letzterem Argument. Schließlich ist die Zeitung am Ende des Tages auch in ihrer Online-Variante immer noch ein journalistisches Produkt und sollte nach eben diesen Leitlinien auch geführt/veröffentlicht werden.

Ob man sich dagegen auf den Standpunkt stellen sollte, die Kommentarfunktion komplett abzuschalten, da bin ich mir wie gesagt nicht sicher. Zwar ist es einzig und allein die Entscheidung des Seitenbetreibers, und es gibt auch nachvollziehbare Gründe, auf der anderen Seite wurde in den Jahrzehnten zuvor ja auch die Rubrik „Leserbriefe“ nie eingestellt, obwohl dort auch mehr oder weniger geistig gesunde Menschen geschrieben haben. Freilich haben die heutigen Online-Kommentare nicht nur eine andere Quantität, sondern auch Qualität – aber ändert das wirklich etwas am Prinzip? Ich glaube in dieser Frage sollten wir auch eher über das Prinzip diskutieren, als über eine Liste von Vorteilen, die bei Abschaltung der Kommentarfunktion wegfallen würden. Die direkte Verknüpfung zwischen Artikel und Kommentar, das Feedback des Lesers usw. usf., dass alles wäre in seiner Summe vielleicht sogar verzichtbar, aber allein die Wirkung nach Außen wäre meiner Ansicht nach fatal. Nicht nur, weil der Verlag auf diese Weise signalisiert, was er von Lesermeinungen hält, sondern auch, weil seine Begründung nichts weiter wäre, als eine Kapitulation vor trollenden Kommentatoren.

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Hinweis: Dieser Beitrag erschien zuerst auf Intellektuelles Weichei.

 

Wertschätzung im Social Media Marketing

Wenn es etwas gibt, was ich Marketingleuten und nicht zuletzt auch immer wieder der Geschäftsführung über das Thema Social Media predige, dann die Tatsache, dass man sich hier auf Augenhöhe begegnet. Das hohe Ross ist nicht mehr.

Man kann in diesem Zusammenhang auch von Wertschätzung sprechen, die man beim sozialen Netzwerken seinem Gegenüber entgegenbringen muss:

Infografik: Wertschätzung beim Netzworking | ZIELBAR

via zielbar.de