Arbeiten in StartUps – Big Mother is bemuttern you

Schöne neue Arbeitswelt. Wenn sie denn irgendwo schon eingetreten sein muss, dann doch sicher in den StartUps, oder? Wenn man Mathilde Ramadier, die in einem Dutzend Berliner StartUps unterwegs war, glauben kann, dann doch eher nicht!

Und unter uns, so manches was die Französin Mathilde Ramadier in der Zeit äußerte, kommt einem doch ehrlich gesagt schon ein bisschen bekannt vor. Zumindest Big Mother, jene StartUps die für volle Kühlschränke und gemeinsame Freizeitaktivitäten sorgen, bin ich auch schon einmal begegnet. Meine Big Mother war allerdings sogar so führsorglich in warmen Sommermonaten das beste Verhältnis zwischen Frischluft und Klimaanlage festzustellen und dann dafür zu sorgen, dass es auch jeder einhielt genoss. Das zu dieser Übervorsorglichkeit der entsprechend befristete Vertrag gehörte, verstand sich von selbst – von den Vieren die damals mit mir zusammenanfingen, nahm am Ende übrigens dann auch nur Einer die volle Zeit in Anspruch,

Wir sind eine Familie? Bullshit!

Die Französin Mathilde Ramadier hat in zwölf Berliner Start-ups gearbeitet. Mitbestimmung, Sinn und Verantwortung sind nichts als faule Versprechen, sagt sie. [zum Artikel bei Zeit online]

Ein lesenswerter Artikel, den die Französin da über die deutsche, und wohl nicht nur jene, StartUp-Szene geschrieben hat und mit beinahe 500 Kommentaren auch heiß diskutiert. Darunter natürlich auch die zu erwartenden Kommentare, nach dem Motto, da hat sich eine nicht durchgesetzt und meckert jetzt. Oder ein „verwöhntes Kücken“ eben, die ein „tolles Gehalt“ und „Mitbestimmung“ erwarten würde. Hmm, na ja, seien wir ehrlich, zumindest mit dem Klischee der Mitbestimmung, im Sinne von „wir arbeiten alle an einem gemeinsamen Projekt“, spielt das durchschnittliche StartUp ja doch reichlich. Das es tatsächlich auch so gehen würde, sieht man an den Ausnahmen von der Regel, von denen uns t3n & Co. so gerne berichten. Aber das sind eben nur die Ausnahmen von der Regel. Letztlich dürfte selbst der Primus inter pares eher selten zu finden sein. Keine Anteile, keine Mitbestimmung.

Was auch noch zu verschmerzen wäre, wäre da nicht auch die Sache mit keine Anteile, kein Arbeitnehmerschutz. Es mag der Tatsache geschuldet sein, dass Mathilde Ramadier aus Frankreich noch einen echten Schutzschirm und Kampfbereitschaft der Gewerkschaft kennen mag, die deutsche StartUp-Szene hat sich dem Zugriff der Gewerkschaften längst entzogen. Hire and fire? No problem! Wer in einer Branche arbeitet, in der ein 1 Jahresvertrag mit sechs Monaten Probezeit einem Lottogewinn gleichkommt, geht sich nicht beschweren.

Ein Kickerspiel mit dem CEO macht noch keinen Sommer!

Das gute alte Klischee vom Kicker ist mir persönlich zwar noch nie über den Weg gelaufen, aber man zockte schon mal mit dem Chef an der Playstation. (Und hat sich dann gefragt, ob man ihn nicht doch lieber unauffällig gewinnen lassen soll.)

Das in StartUps so etwas wie Diversity, also eine ausgewogene Geschlechterverteilung, vorhanden sein soll, darf allerdings getrost als Märchen verstanden werden. Ich zumindest habe bisher sage und schreibe eine Programmiererin in Unternehmen kennengelernt, dabei war ich auch schon mal der Hahn im Korb in Sachen Marketing. 🙂 Aber zumindest der Machokultur kann ich widersprechen. Klar, es war und ist immer nerdig, aber das ist ja kein männliches Privileg. Aber auf der anderen Seite, 12 StartUps habe ich ja auch nicht hinter mich gebracht.

Der digitale Arbeitsplatz besteht aus mehr als einem Computer

Das Deutschland bei der digitalen Revolution nicht gerade eine Führungsrolle übernimmt ist eine Binsenweisheit. Das Problem ist aber weniger, dass selbst Rumänien ein besseres Internet hat. Das Problem steckt in den Köpfen der Entscheider.

So manche Führungskraft begegnet der Frage, ob seine Mitarbeiter einen digitalen Arbeitsplatz hätten regelrecht mit Unverständnis. Was für eine blöde Frage, als ob man heute ohne Computer wirklich arbeiten könnte. Es ist also kein Wunder, das man in Deutschland auch hier hinterherhinkt – oder wie üblich das Problem noch nicht einmal versteht.

„Eine Vielzahl an neuen Technologien hat in den letzten Jahren einen umfassenden Wandel der Arbeitsplätze in Deutschland angestoßen. Die meisten Unternehmen – darunter auch die großen – wissen allerdings noch nicht, wie sie die neuen technologischen Möglichkeiten zu ihrem Vorteil nutzen können”, stellt Andreas Weingarten fest, General-Manager Sales von Dimension Data in Deutschland. – Quelle: t3n

Man befindet sich zwar in einer digitalen Welt, das Subsystem Arbeitsplatz hat sich aber seit zehn Jahren kaum verändert. (Und die immer noch vorhandene Verbreitung von Windows XP legt nahe, dass man das durchaus auch wortwörtlich nehmen kann.) 60 % der Unternehmen haben nach einer Studie von Dimension Data noch immer nicht einmal einen Plan wie man das ändern könnte.

Manche setzen zumindest auf Stückwerk und modernisieren sich mal hier, mal da. Andere halten sich dagegen von Dingen wie der Cloud, SaaS oder gar die sich im Entstehen befindliche Künstliche Intelligenz beinahe bewusst fern. Dabei sind all diese Felder inzwischen durchaus schon marktreif, von der KI vielleicht mal abgesehen. Und auch das deutsche Scheinargument des Datenschutzes gilt nicht mehr, spätestens seit Microsoft seinen deutschen Kunden eine deutsche Cloud bietet. Statt auf das gängige, stets auf dem neuesten Stand befindliche Abo zu setzen, ziehen sie es vor ihre Mitarbeiter mit tagtäglich ein wenig älter und rückständig werdenden Office-Produkten zu versorgen. Das hat ein wenig was von Zeitkapseln, die man in der Erde vergräbt um zukünftigen Generationen zu zeigen wie das Leben damals war. Nun kommt beileibe nicht mit jedem Update eine neue Innovation, aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis ein Feature Usus wird, das man nicht hat, oder ein Kunde eine Datei schickt, die man nicht mal mehr öffnen kann oder der ein entscheidender Teil in der Darstellung fehlt. Dann ist man plötzlich dankbar, wenn ein Mitarbeiter sagt, dass er es zuhause macht, wo die Softwareausstattung aufgrund der durch das Abomodell entstandenen Erschwinglichkeit früher unbezahlbarer Software, die Ausstattung schon jetzt nicht selten moderner ist. Ob man mit dieser Möglichkeit jedoch die Creme della Creme der Fachkräfte an sich binden kann? Eher nicht.

Ein Grund mag auch sein, dass der digitale Arbeitsplatz auch mehr ist als Hard- oder Software, sondern auch die Organisation der Arbeitswelt an sich grundlegend verändert. Denn die Zeiten in denen der Chef noch Argumente hatte, um sich gegen Home Office, oder andere Arbeitsmethoden die dem Mitarbeiter mehr Freiheit und Selbstbestimmung bringen, auszusprechen, gehören mit der Digitalisierung endgültig der Vergangenheit an. Nahm in den Urzeiten die digitale Boheme für sich in Anspruch im Lieblingscafé arbeiten zu können, kann das dann jeder. Den damit einhergehenden Kontrollverlust akzeptieren manche Führungskräfte dagegen lieber noch nicht. Nachdem Jahre lang der Datenschutz als Pseudoargument vorgeschoben wurde, wird jetzt immer offensichtlicher, dass die Entscheider in großen, wie in kleinen Unternehmen sich in Wahrheit gegen einen Kulturwandel in der Arbeitswelt stemmen, an dessen Ende sie nicht nur den Kontrollverlust fürchten, sondern natürlich auch ihre eigene Bedeutung. Denn ein autark arbeitender Mitarbeiter benötigt sie eben nicht mehr in dem Ausmaße wie heute. Nun tut er das heute natürlich auch nicht, aber man kann zumindest so tun, in dem man sprichwörtlich über Schultern blickt. Das dadurch Potential und Leistung verloren geht, schon heute ist klar, dass Mitarbeiter im Home Office wesentliche effektiver sind, als im Büro, ist die Kehrseite. Nicht wenige werden sich noch eine ganze Weile fragen, warum die am besten qualifizierten Mitarbeiter sich irgendwann abwerben lassen und der Nachwuchs lieber gleich woanders hingeht. Einige werden daran sicher auch zugrunde gehen. Aber wenn ich ehrlich bin, diese Entwicklung ist inzwischen so offensichtlich, dass es einem schwerfällt jenen nicht ein „gehört sich auch so“ hinterher zurufen.

Microsoft Teams könnte nicht nur Slack killen

Unter uns, wie begeistert Neuerungen von Microsoft inzwischen aufgenommen werden, erwärmt mein Fanherz …. Aber zur Sache, als Slack-Killer machte Microsoft Teams heute nach seiner offiziellen Vorstellung die Runde. Und da könnte durchaus was dran sein. Allerdings finde ich dass das fast auch ein wenig zu kurz greift, denn Microsoft Teams macht nicht nur Slack überflüssig sondern im Büroalltag auch Google Hangouts und mitunter auch Trello. Und das vor allem eben auch, weil Microsoft Teams alles in einem bietet.

Um es auf den Punkt zu bringen: Microsoft Teams ist das erste Angebot, das Teamarbeit in der neuen digitalen Wirklichkeit möglich macht. Was natürlich, und da bin ich jetzt ganz Zyniker, auch per Definition heißt, dass es sich in Deutschland so schnell nicht durchsetzen wird. Hier sind ja die Vorurteile über Office 365 alleine noch so weit verbreitet, dass man von Teams wahrscheinlich in weiten Teilen des deutschen Mittelstands und bei kleineren Unternehmen von den neuen Möglichkeiten nichts mitbekommt / mitbekommen will.

Wenn man aber bedenkt, dass quasi von Jahr zu Jahr, oder besser von Monat zu Monat, immer mehr junge Arbeitnehmer auf den Markt kommen, die man mit einem 9to5-Job mit Anwesenheitspflicht nicht halten kann – oder überhaupt zum Jobantritt bekommt – sollte man sich Microsoft Team dann doch lieber mal genauer ansehen. Oder sich eben mit den 2. und 3. besten Bewerbern zufrieden geben, die nicht gut genug sind um flexible Arbeitszeiten oder Home Office einfordern zu können.

Moderne Teamarbeit ist aber freilich nicht an Schreibtische vor Ort gebunden, sollte es übrigens auch im Interesse der Arbeitgeber gar nicht sein. Und wer dann kommunizieren will, findet hier sicher ein gutes Werkzeug. Auch weil neben der Kommunikation an sich es Microsoft offenbar gut verstanden hat seine anderen Office-Produkte zu integrieren.

Einen etwas ausführlicheren Einblick über die Möglichkeiten von Microsoft Teams und was man als Admin bewerkstelligen kann, liefert dieses Video von Microsoft Mechanics: