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Neon – Wagt Opera nochmal einen Neustart?

Opera war einst die Alternative für jene, die weder den IE noch Firefox mochten. Doch in den letzten Jahren kam der Browser nur noch in die Schlagzeilen, weil er nach China verkauft wurde.

Opera war immer irgendwie anders, nicht nur weil er einer der wenigen Browser war, dessen Programmierer zumindest versuchten ihn zu verkaufen. Diesen Plan hielten die Schweden allerdings nicht lange durch und so war Opera eigentlich immer auch frei verfügbar. Und auch wenn er nie bei der breiten Masse beliebt war, so hatte er doch eine nennenswerte Fangemeinde. Diese sah den Entwicklern auch so einiges nach, doch irgendwann war Opera kein schicker mit Extras ausgestatteter Browser mehr, sondern ein dickes Ungetüm.

Vor zwei Jahren gab es dann eine Abspaltung, die mit Vivaldi den Browsermarkt erobern wollte. Dahinter verbarg sich im Grunde ein entschlackter Opera, kein schlechter Browser, den ich auch eine ganze Weile getestet habe. Der Durchbruch lässt aber auch heute noch auf sich warten.

Operas neuer Versuch Fuß zu fassen: Neon
Operas neuer Versuch Fuß zu fassen: Neon

Mit seinem Konzeptbrowser Neon scheint Opera es jetzt noch einmal selbst wissen zu wollen. Und die Macher haben einen auf den ersten Blick sehr schicken schlanken Browser auf den Markt geworfen. Das Design setzt sich nicht nur durch dadurch ab, das er statt der von der Konkurrenz gewohnten Tabs auf Kreise auf der rechten Seite setzt. Ganz allgemein will man frischer und jünger wirken – was auf das anvisierte Zielpublikum hinweist.

„Bisherige Browser behandeln das Web wie Dokumente in einem Aktenkoffer“, sagt die Designerin Joanna Czajka, die das Neon-Projekt in Operas Browser-Entwicklungsstandort im polnischen Wroclaw (Breslau) leitet. – heise.de

Als kleines Extra bietet man zum Beispiel an Videos oder Musik von Webseiten im Hintergrund spielen zu lassen und mit Hilfe der ausfahrbaren linken Menüspalte steuern zu können, ohne dabei die Seite selbst öffnen zu müssen.

Videos und Musik werden bei Neon im Hintergrund abgespielt
Videos und Musik werden bei Neon im Hintergrund abgespielt

An gleicher Stelle ist auch ein Snaptool für Screenshots integriert, das die erzeugten Bilder gleich dort abspeichert und wieder aufrufen lässt. Ein Schwerpunkt liegt also eindeutig auf Videos und Bilder.

Screenshot mit Extrafunktion
Screenshot mit Extrafunktion

Den klassischen Opera ersetzen soll Neon unterdessen wohl nicht. Man wolle, so die Macher gegenüber heise.de, Neon als Versuchs- und Spielwiese betreiben. Was sich bewährt, könne dann in Opera übernommen werden. Ein Ansatz der leider darauf hindeutet, dass man auch unter chinesischer Führung seine alten Fehler noch nicht eingesehen hat. Aber sei’s drum, mit Neon hat man auf jeden Fall ein Produkt im Portfolio, das einiges an Entwicklungspotential hat und es so vielleicht auch schafft sich gegen das alte Schlachtross Opera durchzusetzen.

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Egde – Ein cooler Browser unter fernerliefen

Microsofts Browser Edge ist für mich ein klassisches Beispiel guter Ideen aus Redmond, die sich leider wohl nicht durchsetzen werden. In diesem Fall liegt das aber zum gehörigen Masse auch an Microsoft selbst.

Er hätte eigentlich ein Kernfeature von Windows 10 sein sollen, aber stattdessen findet Microsofts integrierter neuer Browser Edge auch mehr als ein Jahr nach seiner Veröffentlichung immer noch recht wenig Freunde. Das Charles Morris, bei Microsoft maßgeblich an der Entwicklung von Edge beteiligt, in der folgenden Keynote lieber absolute, statt relative Zahlen verwendet, hat durchaus seine „statistische“ Begründung:

Realistisch betrachtet verbreitet sich Windows 10 zwar ganz gut, aber die neuen User bleiben entweder der Konkurrenz treu und geben Edge erst keine Chance, oder sie springen schnell wieder ab. Interessanterweise dürfte das auch an einer Tatsache liegen, die der Tarnname „Spartan“ früh angedeutet hat. Edge ist kein aufgeblähter Browser und begeht damit nicht den Fehler, der Opera zum Verhängnis geworden ist und der auch Firefox zu schaffen macht. Deutlichstes Zeichen ist die fehlende Möglichkeit Plugins zu installieren. Mit einem der kommenden Updates wird das zwar nachgerüstet, ob sich Microsoft damit einen Gefallen tut, lassen wir mal dahingestellt.

Die Anzahl wirklich notwendiger Plugins ist ehrlich gesagt recht begrenzt, die Anzahl von Edge mitgelieferter Funktionen ist dagegen durchaus sehenswert. Die Entwicklertools später IE-Versionen gehörten für mich schon immer zu den unterschätzten Vertretern ihrer Art, wer bei Edge die „F12“ drückt hat ein noch besseres Werkzeug zur Verfügung. (Allerdings muss ich zugeben, dass mir das auch erst bewusst wurde, weil ich seit ein paar Wochen im Büro eben keinen Edge mehr zur Verfügung habe.)

Zusätzlich gibt es dann auch noch die Möglichkeit Webseiten zu notieren, sich unkompliziert Teil-Screenshots zu erstellen … ich verweise da mal auf einen Artikel von mir, den ich hier Ende letzten Jahres geschrieben habe, der ist nach wie vor aktuell: 4 Tipps, mit denen das Surfen mit Edge Spaß macht

webnotizen
Webnotizen einfach im Browser erstellen, mit Edge kein Problem.

Das Edge jetzt Gefahr läuft zu einem weiteren gescheiterten Browser zu werden, hat viele Gründe. Natürlich gehört auch die Tatsache dazu, dass der Nachfolger des Internet Explorers unter dem schlechten Ruf eben von diesem zu leiden hat. Das ist zwar zumindest mit Blick auf die letzten IE-Versionen zu einem Vorurteil geworden, aber die halten sich bekanntlich weit länger, als die Wahrheit. (Ich zumindest hatte bis vor einem Jahr das interessante Problem, dass bei der Anzeige von mir umgesetzter Webinhalte im Firefox weit problematischer war, als im IE.)

Auf der anderen Seite war Microsoft erschreckend inkonsequent oder überhastet vorgegangen, als es Edge einführte. Man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass man Edge eben zusammen mit Windows 10 an den Start bringen musste, dem Browser aber einige Entwicklungen noch ganz gutgetan hätten. Das man mit Betaversionen an den Start geht, die sich – mit Hilfe der Nutzer – immer mehr verbessern mag in der Branche inzwischen ein übliches Vorgehen sein, aber die Geeks gestehen das Microsoft nicht zu und Otto-Normal-User kennt das Konzept nicht. Mit anderen Worten, für letztere Gruppe, die größere und bedeutendere, machte Edge von Anfang an einen eher unfertigen Eindruck.

Edge ist ein Browser im Wandel

Wie angedeutet glaube ich auch, dass Microsoft gerade zusätzlich den Fehler begeht aus dem schnellen und simplen Browser, ein aufgeblähtes Monster macht. Plugins sind dazu der entscheidende Schritt. (Wobei ich persönlich glaube, dass die Verbreitung von Plugins beim Otto-Normal-User genauso überschätzt werden, wie die von Ad-Blockern. Die Nerdgemeinde vergisst allzu oft die schier unendliche Anzahl von Leuten, die etwa ihre URL stur in die Suchleiste von Google eingeben, weil sie glauben so ins Internet zu kommen.) Mit seiner Schlankheit würde Edge aber einen seiner großen Vorteile vor der Konkurrenz wieder einbüßen. Und damit eben auch vom ursprünglichen Konzept abweichen.  Ich schätze die neue Strategie von Microsoft sehr, aber mitunter habe ich das Gefühl, dass zu manchen Dingen auch ein langer Atem gehört, hat man in Redmond vergessen. (Dabei ist genau die Möglichkeit auch mal einen langen Atem haben zu können, nach wie vor eines der größten Pfunde von Microsoft.)

However, die endgültige Entwicklung von Edge ist wie gesagt längst noch nicht festgeschrieben. Und vielleicht findet man ja auch einen Mittelweg zwischen dem spartanischen Grundideal und dem pluginverseuchten Luftballon. Es wäre Edge zu wünschen, für mich zumindest ist er seit einigen Monaten der Browser Nummer 1.