Rezension: „Cyberpunks“ – Julian Assange

Mit der Plattform Wikileaks habe ich ja so ein Problem. Dabei geht es nicht um Wikileaks selbst, traurig aber wahr, solche Plattformen sind mitunter ein notwendiges Korrektiv in einer Realität, in der die Justiz als Kontrollinstrument nicht mehr viel taugt und die Medien ihre Rolle als 4. Gewalt nicht mehr wahrnehmen wollen, weil man so kein Geld verdienen kann. Mein Problem ist eher die Galionsfigur von Wikileaks, Julian Assange – Posterboy für die einen, Hassfigur für die anderen.

idiot

Das bei campus erschienene Buch Cyberpunks bestätigt diesen Eindruck nur. Allein das Vorwort von Julian Assange ist unerträglicher Bullshit, wobei es damit aber zumindest eine vorwarnende Wirkung hat. Könnte man aus Selbstverliebtheit und Arroganz Strom gewinnen, dieses Buch würde auf Jahrzehnte hinaus eine zuverlässige Energieressource sein.

In Cyberpunks glorifiziert sich ein Quartett Nerds selbst, wenn es schon kein anderer tut. Neben Assange wäre da auch das deutsche CCC-Mitglied Andy Müller-Maguhn, der den Chaos Computer Club als Sperrspitze des Antifaschismus sieht – wobei jeder außer ihm selbst zu den Faschisten zu gehören scheint. Die beiden anderen Akteure, Jacob Appelbaum und Jérémie Zimmermann, geben sich allerdings auch nicht sonderlich Mühe das Niveau anzuheben. Ihren Anliegen tun alle vier dabei alles andere als einen Gefallen. Wer zum Beispiel ihre Argumentation in Sachen Urheberrecht liest, kommt eher auf den Gedanken, ob Hollywood mit seinem Krieg gegen Filmpiraten am Ende nicht recht haben könnte. Die Argumentation ist so durchschaubar, wenn man zum Beispiel zwischen einem bestimmten Film und einer Filmidee nicht unterscheiden will, dass es vielleicht auch ein boshafter Lektor gewesen sein könnte, der die selbsternannten Ikonen absichtlich nicht auf ihren geistigen Dünnschiss aufmerksam gemacht hat.

Cyberpunks entblößt eine nach links bis linksextrem neigende Webszene aber auch sehr schön als nicht minder ideologisch veranlagt, als jene Gruppen, die für die selbsternannten Retter der Welt des Internets. Überdeutlich wird dies beim Thema Kinderpornografie im Netz. Für die einen ist Kinderpornografie ein Schlagwort, um den freien Internetverkehr einzuschränken. Zensur, wenn man denn so will. Statt allerdings eine alternative Lösung zu finden, die sowohl Kinderpornografie im Netz bekämpft, aber keine Zensurmöglichkeit darstellt, relativiert die Gesprächsrunde zwar nicht das Verbrechen des Kindesmissbrauchs an sich, wohl aber deren Verbreitung. Zwar gesteht man den Opfern zu, dass das Bilder von deren Missbrauch ebenfalls schmerzen können, aber – offenbar hält man es dann eben doch nicht für so schlimm, als dass man da groß was machen müsste.

Wer also Lösungen oder gar nur sinnvolle Beiträge zu Themen wie Zensur im Internet erwartet, sollte lieber die Finger von dieser Papierverschwendung lassen. Wer nicht an Argumenten, sondern Vorurteilen interessiert ist. Wer zweifelhafte Charaktere wie Julian Assange für Helden hält, weil sie sich als Opfer stilisieren können, kann diesem gedruckten Dreck aber sicher einen kleinen Altar aufbauen. Für alle anderen heißt es: Finger weg!!!

Bewertung: eins

PS: Die Bewertung von einem Kaffeebecher gibt es nur, weil ich keine 0 Kaffeebecher vergebe!

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