Projektplanung: Pre-mortem – Mehr Pessimismus wagen!

Gerade in der ersten Phase eines Projektes sind sie ungefähr so beliebt wie Zahnschmerzen. Die Bedenkenträger, die Miesepeter die einfach nicht mit auf dem Tisch tanzen wollen. Und dabei wäre ihre Meinung so wichtig.

Ganz am Rande kommt in der ersten Episode des neuen Microsoft Podcasts Zwischen 0 und 1, es geht eigentlich um KI und Mixed Reality, die Pre-mortem Methode vor. Man muss auch schon genau hinhören, sonst landet man geistig schnell bei der Post-mortem Analyse, einem bekannteren Werkzeug im Projektmanagement. Post-mortem wird ein abgeschlossenes Projekt analysiert um aus den Fehlern zu lernen und sich die Erfolge zu merken. Meiner persönlichen Erfahrung nach wird gerade in kleinen Agenturen diese Methode allerdings nicht wirklich angewandt, weil man das Budget für das Projekt ja ohnehin schon überschritten hat. Das man durch die Post-mortem Methode beim nächsten Budget vielleicht mehr Glück haben könnte – ah, alles Theorie.

Aber ich schweife ab …

Was ist pre-mortem und was hat der Tatort damit zu tun?

Alissia Quaintance, Digital Innovation Strategist und Co-Founderin von IQ Gemini, auch von der sogenannten Tatort-Methode. Ihr zufolge geht das ganze auf Daniel Kahneman zurück, andere nennen Gary Klein, aber was soll’s. Und das Wort „Tatort“ ist dabei mit Bedacht gewählt, denn am Anfang finden die Projektteilnehmer eine Leiche – ihr schief gegangenes Projekt. Und anhand der Leiche muss man dann sozusagen auf die möglichen Todesursachen schließen.

Warum ist das Projekt schief gegangen? ist im Nachhinein eine unangenehme Frage, der sich mancher auch nur halbherzig stellt. Gerade in Sachen Projektmanagement scheint es inzwischen zur obersten Pflicht aller Beteiligten geworden zu sein Optimismus auszustrahlen. Das habe ich persönlich nur allzu oft erlebt. Positiv denkende Projektleiter, die aussehen wie die Grinsekatze aus Alice im Wunderland obwohl – um es deutlich auszudrücken – die Kacke am Dampfen ist. Frei nach dem Motto: Das war ein Eisberg? Ach, ein Eisberg ist auch nur Wasser.

Auf diese Weise wird ein Klima des Zwangs-Optimismus geschaffen. Wer kann, schließt sich dem Optimismus an, auch wenn er es eigentlich besser weiß, wer nicht kann, der hält eben die Klappe. In beiden Fällen geht wertvoller Input verloren – und vielleicht gerade jener Input, der das Projekt hätte noch retten können. Schließlich ist nicht jeder Bedenkenträger automatisch ein grundsätzlicher Pessimist, sondern ist schlicht aus Erfahrung zu einem geworden. Aber selbst der geborene Pessimist kann Wesentliches zum Projekt beitragen.

Und am größten ist der Druck eben zu Beginn des Projekts, wenn ein Bedenkenträger auch schon mal böse abgekanzelt wird, weist er auf mögliche Fallstricke hin.

Mit der Pre-mortem Methode lässt sich so etwas aber verhindern. In gewisser Weise wird der Input der Bedenkenträger sogar in ein positives Gewand gekleidet. Auf diese Weise wird quasi der gesamte Erfahrungsschatz gehoben, sowohl der Optimisten, als auch der der Pessimisten. Anders als bei anderen Projektplanungsmethoden läuft das Team zusätzlich weit weniger Gefahr den Plan an entscheidenden Meilensteinen mit Gedanken wie „Das klappt schon“ einzuschlagen, wenn doch mal kleine Zweifel auftauchen.

Und als positiver Zusatzeffekt kommt zum tragen, dass der Menschen wesentlich besser darin ist von einem Endzustand auf den Anfangszustand zu schließen, als vom Anfangszustand auf eine nicht bekannte Zukunft.

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