Neue Kellnerinnen braucht die Stadt

In der Gastronomie herrscht Personalnot, da macht Würzburg keine Ausnahme.

Neulich saß ich wieder einmal im MuCK, einer meiner beiden Lieblingskneipen in Würzburg. Eine neue Kellnerin hatte gerade ihren ersten Tag, war aber nicht die erste neue Kellnerin, die mir dort mein dunkles Keiler serviert hat. Das MuCK dürfte da keine Ausnahme bilden, nicht nur in Würzburg ist man froh überhaupt noch neues Personal in die Gastronomie zu locken. Der staatlich verordnete Lockdown hat die Gastronomie auf viele Weisen bluten lassen, nicht wenig Personal hat der Branche in den letzten Monaten den Rücken gekehrt. Und auch in einer Studentenstadt wie Würzburg, muss gutes Personal erst mal wieder gefunden werden.

Mir kam da plötzlich der gute H. in den Sinn, der, wie es so schön heißt, ein stadtbekannter Wirt war. Seine Café-Kneipe war über Jahre hinweg meine erste Anlaufstelle, zeitweise gerne auch mal täglich. Und wie alle war ich betrübt, als sich H. zur Ruhe setzte. Der Mann hatte damals ein Näschen, um dass ihn deutschlandweit unzählige Gastronomen beneiden dürften. Kurz bevor es mit Corona wirklich ernst wurde, hatte er sich noch zur Ruhe gesetzt.

H. war der Typ bärbeißiger Franke, der das Herz aber doch am richtigen Fleck hat. Ein echter Franke halt, den man Zugezogenen so nicht ohne Erklärung nahe bringen kann.

Ein Beispiel: Bei einer stadtweiten Aktion, bei der Gäste in Kneipen ein zusätzliches Getränk bezahlen konnten, das dann einer bedürftigen Person spendiert wurde, war er sofort dabei. Machte aber auch sofort und lautstark seinen Unmut über die Schnorrer öffentlich, die diese Aktion auszunutzen wussten. Und auch als die Stadt vor ein paar Jahren zum ersten Mal seit langem die Gebühren für die Außengastronomiefläche erhöhte, war er lautstark zu vernehmen. So lange ich dort zu Gast war, wurden die Preise übrigens auch nur einmal erhöht.

Aber sein Personal hatte es manchmal vielleicht nicht leicht. Kellnerinnen waren dort sicher auch so resolut, weil dass die beste Weise war, mit dem Patron zurecht zu kommen. Außerdem hatte er in den Jahren sein eigenes System entwickelt. Gäste durften, soviel Gastfreundschaft muss auch in Franken sein, ihre Getränke noch beim Namen nennen. Aber wehe eine Neue gab die Bestellung eines Milchkaffees mit „Milchkaffee“ und nicht „MK“ weiter. Da nützte ihr dann auch die stärkste Resolutheit nichts mehr. Wenn ich so sehe, wie empfindlich die neue StudentInnengeration heute so ist – ich glaube da hat jemand nicht nur wegen Corona gerade noch rechtzeitig den Ruhestand gewählt.

Sein Café ist heute ein Bistro, oder sowas ähnliches. Pseudofranzösischer Schnickschnack, damit niemand über die hohen Preise meckert. Ich saß ein oder zwei Mal draußen, einen Milchkaffee trinkend – der alten Zeiten wegen – oder mich bei den Weinpreisen fragend, ob ich wirklich noch in einer Studentenstadt lebe. Nach dem Umbau wollte ich ehrlich gesagt auch nicht mehr rein gehen. Denn ich könnte wetten, die haben nicht nur die ganzen Titelblätter abgehängt, die dort einst die Wände bedeckten, sondern auch den Plüschelch nicht mehr – mit seinem rot-weißen Schal der Würzburger Kickers.

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