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Neue Chancen durch die Digitalisierung bei Bildung & Weiterbildung

Wenn jemand gebeten wird Vorteile der Digitalisierung zu nennen, landet er oft zwangsweise beim Thema Weiterbildung. Denn diese scheint durch MOOC’s & Co gewissermaßen plötzlich für alle bereitzustehen. Doch ist dem wirklich so?

Vorhin habe ich mal aus Neugier die folgende Präsentation bei Slideshare durchgeklickt. Schließlich ist Bildung eines meiner Hauptlebensthemen, auch wenn ich sie nicht ganz so begreife, wie es die Wirtschaft vielleicht hätte. (Das habe ich hier schon mal ausgearbeitet.)

Kann mit Hilfe des Netzes Weiterbildung also tatsächlich die soziale Spaltung überwinden? Nö, kann sie nicht. Aber kann das Netz die Spalte zumindest etwas verringern? Ja, ein klitzekleinwenig vielleicht.

Vielleicht sollten wir aber doch erst Mal zumindest den rudimentären Unterschied zwischen Bildung und Weiterbildung begreifen. Bildung ist – zumindest für mich – etwas, das sich selbst als Zweck genügt. Natürlich komme ich gebildet im Leben besser zurecht, aber das muss nicht so sein und es ist auch nicht der Grund für mich Bildung zu erwerben. Weiterbildung hingegen hat einen Zweck, der in der Regel auch beruflich begründet ist. Und wenn wir davon sprechen, dass durch Weiterbildung die soziale Spaltung bekämpft werden soll, dann eben, weil berufliche Weiterbildung einen beruflichen Erfolg verspricht. Ob das Versprechen auch eingehalten wird, hängt freilich nach wie vor mehr vom Glück oder der sozialen Herkunft ab, als es uns lieb sein kann.

Ob die durch das Internet angebotenen neuen Möglichkeiten tatsächlich einer breiten Masse helfen können, hängt entscheidend von zwei Faktoren ab.

  1. Wie stark ist der Zugang (finanziell) limitiert?
  2. Wie sieht es mit der Anerkennung digital erworbener Zertifikate aus?

Wer sich selbst für seine Weiterbildung Quellen zusammensucht, der investiert auch heute noch tatsächlich in erster Linie Zeit und muss nicht tief oder auch gar nicht in den Geldbeutel greifen. Das Problem, bei Punkt 2 schneidet er besonders negativ ab, denn wie es auch in obiger Präsentation der Bertelsmann Studie heißt: „Ohne Abschluss kein Anschluss. Unsichtbare Kompetenzen bringen niemanden weiter.“ Es ist ein ur-deutsches Problem, hast du kein Zeugnis, kannst du noch so gut in etwas sein …

Wer gezielter bei seiner Weiterbildung vorgehen will, landet oft bei sogenannten MOOC’s. Vor zwei bis drei Jahren waren diese organisierten Online-Kurse mit Lehrpersonalunterstützung der große Hype. Und damals durchaus auch im kostenlosen Angebot interessant. Aber natürlich wollen auch virtuelle Universitäten Geld verdienen. Deshalb sind manche Kurse komplett kostenpflichtig, während bei anderen Modellen nur für eine abschließende Prüfung Geld hingeblättert werden muss. Und das mitunter für ein Zertifikat, das am Ende nicht die Pixel wer ist, aus denen es besteht.

Yep, das sind wir nochmals beim ur-deutschen Problem gelandet, denn es kommt eben auch darauf an, wer das Zeugnis ausstellt. Branchen, die der Digitalisierung näher sind, sind auch eher geneigt ein Zertifikat eines MOOC’s anzuerkennen. Das Gros will aber zumindest einen IHK-Stempel sehen, das macht es sozusagen offiziell. (Ironischerweise braucht man bei digital bewanderten Unternehmen mit solchen Zeugnissen bei Weiterbildungen im digitalen Bereich erst gar nicht auftauchen, wenn man kein Naserümpfen verträgt.)

Digitale Weiterbildungen sind (noch) nichts wert

Insgesamt muss man leider auch heute noch feststellen das MOOC’s & Co., ob man dafür jetzt gezahlt hat oder nicht, noch nicht allzu viel in der deutschen Wirtschaft zählen. Ihnen hängt der Haus des Nichtnachweisbaren an, und überhaupt, kann man bei diesen Online-Tests nicht schummeln was das Zeug hält?

Wer sich dennoch auf eigene Kosten weiterbildet, muss nicht selten erleben, dass der Gewinn dann durch den Arbeitgeber eingefahren wird. Der nimmt die (neuen) Kenntnisse des Arbeitnehmers gerne mit, aber karrieretechnische oder finanzielle Gegenleistungen gibt es selten.

Ob sich das irgendwann ändern wird? Wahrscheinlich. Denn auch wenn deutsche Universitäten erwartungsgemäß keine Vorreiter bei der Digitalisierung des Studiums sind, daran vorbeikommen werden sie kaum. Wer heute nach Online-Kursen sucht, wird immer wieder auf eine (sprichwörtliche) Handvoll Unis stoßen, die hier voranschreiten. Die anderen werden allein aus Kostengründen folgen (müssen). Und von der Etablierung des E-Learnings in die offiziellen Kanäle werden auch die nicht staatlich oder von Verbänden getragenen Angebote profitieren. Letztlich natürlich auch, weil die alten Entscheidungsträger weichen werden.