Keine Ahnung haben, aber schlau daher reden, scheint ein Hauptfach im Seminar „Wie werde ich ein Politiker“ zu sein. Der hessische Innenminister hat da besonders gut aufgepasst.

Um ehrlich zu sein, ich war nicht ein begeisterter Zocker. Als Kind habe ich den ein oder anderen Joystick bei meinem C64 verbraucht, in meiner Wohnung steht eine Xbox, aber die ist nicht mal angeschlossen und – peinlich? – ich habe im Leben noch kein Online-Wasauchimmerspiel ausprobiert. 

E-Sport gehört gerade zu den Dingen, die sich durchsetzen. Selbst klassische Fernsehsender haben sie schon ins Programm genommen, Vereine wie Schalke 04 haben ihre eigene E-Sport-Abteilung und alles was hier in unseren Breitengraden abläuft, ist natürlich nichts, blickt man nach Asien, wo E-Sportler inzwischen einen Status haben, der einem Bundesligaspieler in nichts mehr nachsteht. Und dennoch, wer nicht in der Materie steckt, für den sieht der typische E-Sportler so aus:

via GIPHY

Zu jenen scheint auch der hessische Innenminister Peter Beuth zu gehören, per Amts wegen auch für den Sport zuständig. Das Darmstädter Echo zitiert ihn wie folgt:

„E-Sport hat mit Sport nichts zu tun. Wir müssen diesen Begriff ausradieren“, erklärte Beuth: „Auf diesem Kongress geht es um Bildung und Gesundheit. Wir wollen die Kinder in die Turnhalle und auf den Sportplatz kriegen. Gaming hat seinen Wert. Aber es gehört nicht in eine Sportorganisation als solche hinein. Weil es sich mit einem Titel schmückt, dessen Werte ich dort vermisse.“ – Quelle: Darmstädter Echo

Ja, man könnte darauf in vielfacher Hinsicht reagieren. Der Klassiker ist dann immer die Erwähnung, das Schach ja auch als Sport gilt. Aber ich glaube das greift zu kurz und geht vor allem an der Realität vorbei. Fragen wir doch mal nach, wie so ein E-Sportler denn jetzt wirklich aussieht. Die von Schalke 04 zum Beispiel so:

Eine eigene Kollektion, nicht schlecht. Gott sei dank hat Cartman aus „South Park“ die schon mal nicht.

Ernsthaft, professioneller E-Sport hat nix mit Chips fressen zu tun. Das einzige Klischee, das tatsächlich zutrifft, ist die Dominanz männlicher Spieler. Wer diesen Sport wirklich professionell ausübt, kann per Definition nicht der Fettsack sein, den manch Kritiker sich herbei fantasieren. Er könnte die Stunden andauernden Matches sonst gar nicht durchstehen. Und wer jetzt darauf hinweist, dass nicht jeder Computerspieler Profi ist, sollte sich mal die wabbelnden Bierbäuche bei Amateur-Fußballspielen ansehen.

Jenseits von Beuths eher distanziertem Verhältnis zur Realität, sollte man aber auch seine Wortwahl kritisieren. „Ausradieren“ ist milde gesagt äußerst unglücklich, mindestens aber eine populistische Provokation. Die Förderung der Gamingbranche – ich war auch überrascht, dass es sowas bei uns gibt – durch die Bundesregierung sieht Beuth als „katastrophal“ an. Und ein bisschen Anti-Amerikanismus mixt er dann auch noch in seine Kritik. Gehörte es früher für CDU-Politiker zum guten Ton auf Amerika-Freund zu machen, ist Anti-Amerikanismus seit Donald Trump jetzt angesagt. Man könnte die Aussagen von Peter Beuth also erst einmal als ein Paradebeispiel für Populismus sehen. Verkürzte, der Realität widersprechende Aussagen, die in ihrer Simplizität gezielt auf Zustimmung der Massen ausgerichtet sind.

Dabei ist Beuth aktuell nicht mal alleine, auch der DOSB hat sich zumindest den Begriff E-Sport vorgeknöpft. Das finanzielle Potential will man zwar nicht auslassen, schließlich ist man Bestandteil der internationalen olympischen Bewegung, der Hauptzweck es ja geworden ist Geld zu verdienen. Aber als Vereinigung alter grauhaariger Männer, kann man dennoch nicht ganz ohne Widerstand mit der Zeit gehen. Man will E-Sport also in E-Gaming umbenennen. (Zuvor hat man wahrscheinlich die junge hippe Praktikantin gefragt, ob das von den jungen Leuten auch verstanden wird.)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.