Im Internet vergeht die Zeit manchmal schneller als das Leben einer Eintagsfliege. Und eine Webseite verträgt häufiger einen Relaunch, als es der Buchhaltung lieb ist. Aber jeder Relaunch muss geplant sein, und er besteht aus mehr als einem neuen Design.

Schlechter geht es kaum, aber angren.net ist immer noch online.

Im Web sind genügend Seiten online, die gesundheitsgefährdend sind. Stichwort: Augenkrebs Und tatsächlich scheint ein veraltetes Design das beste Zeichen zu sein, seine Webseite einmal zu überarbeiten. Es ist auch oft das einzige Argument, das den Chef überzeugt, der von der Technik dahinter nichts versteht. Wer aber einen Relaunch nur mit „Das Gleiche in hübsch“ übersetzt, sollte es lieber bleiben lassen. Ein neues Design ist zwar fundamentaler Bestandteil, aber nicht mal die halbe Miete.

1. Analyse

Vor dem Plan kommt die Analyse

Jedes Projekt basiert auf Daten und deren Auswertung, so auch der Relaunch einer Webseite. Und das Web bietet manchmal mehr Daten, als einem lieb sein kann. Auf jeden Fall sollte man sich aber gründlich mit folgenden Fragen beschäftigen:

  • Wie kommt unsere alte Webseite bei den Usern an?
  • Welche Klickpfade gehen die User und welche nicht? 
  • Welche in den Untiefen versteckten Inhalte werden oft ergoogelt und sollten daher prominenter positioniert werden?
  • Was sagen die Mitarbeiter über die Webseite? Was finden sie gut, was schlecht?
  • Was sagen Kunden über die Webseite? Was interessiert sie, was nicht?

2. Ziele & Inhalte

  • Was soll mit der Webseite erreicht werden? Hat sich das Ziel oder ein Teilziel verändert?
  • Welcher Content soll bleiben?
  • Welche Teile kann man aufgrund der Analyse weglassen?
  • Was muss neu auf der Webseite enthalten sein?

3. Die liebe Technik

Content Management Systeme sind zwar haltbarer als Webseiten, aber dennoch kann es sich lohnen einen Relaunch auch hier zu einem Wechsel zu nutzen. Der Trend zu Typo3 vor einigen Jahren hat sich zum Beispiel als ein Problem entwickelt, weil das System heute zwar noch mächtig ist, aber für den Laien weitgehend zu kompliziert daherkommt. Beliebt ist heute vor allem wegen seiner leichten Bedienbarkeit WordPress. Und wer sich darauf beruft, man habe das immer so gemacht, sollte an dieser Stelle lieber gleich ganz aufhören. Am Besten sieht man sich mal um was jene Mitarbeiter sagen, die die Webseite bisher mit aktuellen Inhalten gepflegt haben. Zwei Dinge sollten an dieser Stelle aber tunlichst vermieden werden: Das Unternehmen bestimmt das CMS, nicht die Agentur. Die Missachtung dieser Regel ist im wesentlichen am falschen Einsatz von Typo3 schuld. Auf der anderen Seite sollte man aber auch nicht auf den einen Mitarbeiter hören, der vielleicht eine eigene Webseite betreibt und natürlich „sein“ CMS als das Beste verkaufen will.

Yep, WordPress ist schon toll!

Ein weiterer Faktor ist natürlich auch der Webserver. Ist die Ausfallquote beim bisherigen Provider gleich null oder sollte man sich nach einem stabileren Webserver umsehen? Steht eine moderne PHP-Version zur Verfügung und lässt sich das CMS auch unkompliziert daran anpassen?

4. Redesign & Usability

… aber besucht er auch deine Webseite?

Erst wenn der Inhalt der neuen Seite geklärt ist, sollte man sich ans neue Design setzen. Die alte Struktur und ihre Inhalte zu nehmen und allem ein neues Design zu verpassen ist zwar ein beliebter Marketingtrick, hat aber am Ende nur den Effekt, wenn man die Farbe seines nicht mehr funktionierenden Produktes rot, statt blau anmalt: keinen!

Ein Redesign fängt bei 0 an, das heißt auch, dass die Struktur aufgrund der Analyseergebnisse neu gedacht werden muss. Dank dieser Informationen weiß man besser was für den User wirklich wichtig ist, gegebenenfalls weiß man auch, was ihm bisher gefehlt hat. Das Gleiche gilt auch für das Design, denn auch hier können sich innerhalb weniger Jahre grundlegende Änderungen ergeben. Was der User gestern noch als angenehm empfunden hat, stört ihn jetzt. Flash war vor zehn Jahren sinnvoll eingesetzt ein guter Bestandteil jeder Webseite, heute wird er von den meisten Browsern automatisch erst einmal geblockt. Und nicht zuletzt hat vor zehn Jahren niemand Webseiten für Smartphones designt, heute jedoch muss der Webdesigner je Seite mindestens zwei Designs abliefern.

5. Die Machbarkeitsanalyse

Bis jetzt hat man sich noch problemlos seinem Wunschdenken hingeben können, doch jetzt muss erst einmal überprüft werden, ob die Technik das überhaupt hergibt. Gibt ein Webentwickler sein Ok für die Umsetzbarkeit des Designs auf allen Endgeräten, oder sagt er nein bzw. „ja, geht schon, muss aber aufwendig programmiert werden“. Und lässt sich das alles mit dem CMS der Wahl auch umsetzen, stehen die notwendigen Plugins zur Verfügung, oder müssen auch hier die notwendigen Erweiterungen erst gecoded werden? Hier gilt: Im Prinzip geht alles, ist halt nur eine Frage der Zeit und des Geldes.

6. Die Umsetzung

Ist alles geklärt geht es an die Umsetzungen auf einem Beta-System. Je nachdem wie professionell man vorgehen will kann auch ein zweites System zum Ausprobieren und A & B-Tests aufgesetzt werden. Zwar sollte der Plan eingehalten werden und große Änderungswünsche an dieser Stelle strikt abgeblockt und auf eine Zeit nach dem Relaunch verschoben werden, dennoch ist die Umsetzung natürlich ein lebendiger Prozess und kann Anpassungen mit sich bringen.

7. Die SEO-Frage

Als ich meine ersten Relaunches vor zehn oder zwölf Jahren durchgezogen habe, galt der mit einem Seufzen vorgetragene Satz noch: Nach dem Relaunch gehen die Zahlen ja immer nach unten. Ganz ehrlich, das Ranking aller bestehenden Seiten auf die neuen Seiten zu übertragen klappt noch immer nicht so ganz. Nichtsdestotrotz sollte man natürlich wissen wie etwa eine 301-Weiterleitung funktioniert, damit Suchmaschinen wie Google und Bing wissen was mit der alten Seite passiert ist.

8. Der Livegang

„Feierabend, oder wollen wir noch schnell live gehen?“ Jeder Mensch mit Verstand sollte an dieser Stelle ein lautes „Nein“ von sich geben, denn auch der Livegang will geplant sein. Durch die erhobenen Daten weiß man auch, wann eher wenig Besucher auf der Webseite sind. Jetzt wird man vielleicht nicht Sonntag um 23:30 Uhr den Livegang machen wollen (was auch nicht ratsam wäre, wie ich gleich erläutern werde), aber der Montagmorgen bietet sich zum Beispiel an (wenn die Statistiken nicht sagen, dass ausgerechnet dann ein regelmäßiges Besucherhoch zu verzeichnen ist).

Ehe man live geht, sollte die neue Webseite überhaupt erst einmal gründlich getestet werden. Sind alle Inhalte vorhanden, funktionieren alle Links, laufen die Plugins so wie sie sollen?

Vor dem Livegang sollte man natürlich wissen, was zu tun ist. Welche Servereinstellungen müssen geändert werden? Was muss im Quellcode angepasst werden, weil es auf beta.NameDerWebseite.de läuft? Das kann sich je nach CMS als problemlos oder etwas länger dauernde Aufgabe entpuppen. Wer allerdings erst während des Livegangs googeln muss, für den sind Probleme unausweislich. Außerdem sollten natürlich alle technischen Ansprechpartner erreichbar sein, vom Serverbetreiber bis zum Webentwickler.

9. Die Abschlussbesprechung

Sobald der Sekt getrunken ist, sollte man sich noch einmal hinsetzen und das ganze Projekt durchgehen. Auf diese Weise lassen sich Erkenntnisse finden und niederschreiben, die beim nächsten Relaunch vielleicht ziemlich wertvoll sein können.

10. Nach dem Relaunch ist vor dem Relaunch

Relaunch!

Im Rahmen des Relaunch sind vielleicht größere Verbesserungswünsche aufgetreten, die währenddessen Zeit- und Finanzplan gesprengt werden. Jetzt ist die Zeit Stück für Stück etwas neu ins Gespräch gekommene Erweiterungen zu implementieren. Wer nicht einfach seine Domain von der alten auf die neue Seite umgeleitet hat, sondern ein Testsystem behielt, hatte an dieser Stelle eine ziemlich gute Idee.

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