Microsoft #Build: Die Keynote – nix Windows Phone

Die alljährliche Entwicklerkonferenz Build von Microsoft startete gestern, mit einer beeindruckenden Keynote, in der aber doch das ein oder andere fehlte.

Als bekennender Microsoft-Fan saß ich gestern um Punkt 17:30 Uhr natürlich vor dem Livestream zur Build 2016, Microsofts alljährlicher Konferenz für Entwickler. Nun scheue ich Programmcode zwar nach wie vor wie der Teufel das Weihwasser, aber zumindest die Keynotes solcher Veranstaltungen sollte man sich nicht entgehen lassen. Auf diese Weise erfährt man aus erster Hand, was manch Standardkonsument erst Wochen oder Monate später im Media Markt-Prospekt liest.

Ich glaube noch an Windows Phone, aber tut Microsoft das auch?

Um mich das Negative gleich zu Anfang hinter uns zu bringen, fange ich mal damit an, was bei der Build 2016 keine Rolle zu spielen scheint: Windows Phone. In den letzten Monaten gab es ja immer wieder einmal Signale, die vermuten ließen, Microsoft würde sich auf diesem Feld geschlagen geben. Gerüchte über ein Surface Phone hin oder her … Dabei sollte man eigentlich meinen, dass Microsofts plattformübergreifendes Konzept ohne Smartphones gar nicht funktioniert. (In der Tat erfüllt Microsoft hier ein Versprechen, das Apple beständig seinen Usern vorlügt zu erfüllen.) Man bekommt aber mehr und mehr den Eindruck, dass statt des Betriebssystems die einzelnen Tools, allen voran natürlich Cortana, diese Verknüpfung zwischen den einzelnen Devices erfüllen soll. Dabei wurde auf der Build zumindest verkündet, dass man das Henne-Ei-Problem (siehe meinen Beitrag hier) bei den Apps zumindest damit ein wenig entschärfen will, indem die lange angekündigten Apps für Facebook und Instagram bald die bisherigen Platzhalter ersetzen sollen.

Ab heute zu haben, zumindest in den USA, ist dagegen HoloLens, wie die Macher mit amerikanischer Emotionalität zu verkünden wussten. Bestandteil der Präsentation rund um das Flaggschiff in Sachen virtueller Welten war auch eine eindrucksvolle Demonstration, wie mit Hilfe der Brille künftig Medizinstudenten noch praxisnaher ausgebildet werden können, ohne dafür gleich Leichen aufzuschneiden. Eine Brille anderer Art ist bei den vorgestellten Cognetive Services im Spiel, sie brachte Dr. Windows dann schon mal zum Weinen. Mit dieser Technologie können Blinde zwar nicht sprichwörtlich wieder sehen, sie dürfte aber enorm zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen:

Ähnlich wie bei der erwähnten Demonstration für Medizinstudenten, stand auch dieser Punkt für den Versuch von Microsoft in einer (ja nicht ganz zu Unrecht) immer technikkritischeren Zeit zu versuchen, Technologie als etwas zu präsentieren, was dem Menschen dienen soll – und nicht umgekehrt.

Microsoft hat die Papierliebhaber dieser Welt glücklich gemacht

Sozusagen ganz hin und weg war ich am Anfang von den Möglichkeiten, wie Microsoft durch Stift und Tablet sozusagen das Beste aus der Papier- und der Digitalwelt unter einen Hut bringt. Das Konzept ist ja inzwischen so schlüssig, das selbst Apple kleinlaut seinen Übervater Steve Jobs Lügen strafte und eben doch einen Stift auf den Markt bringt. Ob man dagegen auch ein digitales Lineal sein eigenen nennt, weiß ich gar nicht. Würde mich aber überraschen.

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Auch bei digitalen Notizen muss man nicht auf sein Lineal verzichten.

Dabei ist die Idee ein eingeblendetes Lineal, mit dem man übrigens noch mehr machen kann, als gerade Striche zu zeichnen, weniger eine dieser kleinen Ideen, die ein Konzept liebenswert machen. Das Lineal sehe ich vielmehr als deutliches Zeichen, dass Microsoft hier wirklich verstanden hat, was der User will und wie man die beiden Welten am Besten kombiniert.

Und sonst? Windows 10 spielte er eine Nebenrolle, wenn es auch immer wieder als die große Klammer für alle Devices genannt wurde. Auch in Sachen Xbox wird sich bald etwas tun, nicht nur der Einzug von Cortana. Vielmehr ist die Spielkonsole nun endgültig auch für Entwickler geöffnet, die sich dank einer simpel aus dem Windows Store herunterladbaren App, in eine Entwicklerkonsole umwandeln lässt. In den Ohren manch außenstehender mag es nach wie vor komisch klingen, wenn man behauptet Microsoft habe ein Herz für Entwickler, unterm Strich ist das aber längst so. Auch manch Hardcore-Coder, der offiziell natürlich nur mit Linux unterwegs ist, gesteht inzwischen ein, dass Programmieren seit CEO Satya Nadella dem Tanker Microsoft eine Kursänderung verpasst hat, hier richtig gut ist.


Infos: Die Build 2016 geht noch bis zum 2. April. Alle Sessions sind als Livestream angeboten und später auch als Aufzeichnung. Die passende Webseite dazu findet ihr unter https://www.microsoft.com/germany/techwiese/aktionen/build-2016.aspx

About Thomas Matterne

Thomas Matterne ist Chefredakteur des dreisprachigen Online-Magazins DenkZeit und als Online-Marketing-Manager tätig. Der ausgebildete Journalist hat ein Diplom in Wirtschaftsinformatik, und schreibt an dieser Stelle über IT-, Online-Marketing- und SEO-Themen - unteranderem.

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