Interessante Studie, über die man da bei marconomy.de da berichtet. Das Künstliche Intelligenz und Automation Jobs gefährdet ist der Mehrheit der Deutschen klar, aber es sind die Jobs der anderen, man selbst ist doch bitteschön nicht einfach so zu ersetzen.

Sie liest sich wie die komplette Ansammlung von Unwissenheit und Naivität, die dem Artikel Deutsche fürchten um die Jobs ihrer Mitmenschen zugrunde liegende Studie. Im Kern lässt sie sich folgendermaßen zusammenfassen: Die Gefahr das Algorithmen und Automation massenweise Jobs vernichten ist zwar erkannt, man selbst geht aber davon aus sicher zu sein. Ein paar Zweifel hegt man vielleicht, aber mit ein bisschen lebenslangem Lernen kriegt man das schon gebacken. Ja, ne, is‘ klar – oder besser, träumt weiter.

Die Fehleinschätzungen sind dabei teils massiv:

„Lediglich 0,7 Prozent denken, dass Juristen durch die Digitalisierung ihre Arbeit verlieren und das obwohl bereits heute erste Anwälte mit Roboterkollegen aktiv zusammenarbeiten. Für Medienmacher (1 Prozent) und Personaler (1 Prozent) sieht es nicht viel anders aus. Berufe im Gesundheitswesen (2 Prozent) gelten ebenfalls als wenig bedroht.“ – Quelle: marconomy.de

Rechtsanwälte werden nicht aussterben, aber rarer werden. Jurastudenten, die darüber klagen wie viele Gesetze sie auswendig lernen müssen, werden es ahnen – schon heute könnte manch Computer sie ersetzen. Und schon heute träumt man „Visionär“ davon, dass selbst Urteile von einem Algorithmus gefällt werden. Obwohl offiziell natürlich ein Mensch das letzte Wort hat.

Kollege Roboter kann heute schon in gewissen Bereichen so texten, dass ein menschlicher Leser keinen Unterschied mehr erkennt. Nüchtern betrachtet könnte man schon große Teile einer durchschnittlichen Zeitung von Algorithmen schreiben lassen. Menschen werden eher zur Einordnung benötigt, und auch qualitativ hochwertige Texte sind für Algorithmen nicht in weiter Ferne.

Personaler werden ahnen, das bei Positionen für die mehr als ein Dutzend Bewerbungen eingehen, die Vorauswahl durch einen Algorithmus Tage an Arbeit einsparen wird – und teils auch schon tut. Die Endauswahl mag noch ein Mensch treffen, aber eben nur ein Mensch.

Und wer glaubt im Gesundheitswesen sei er sicher, kann gerne einmal eine Reise nach Japan machen. Er wird mit einer veränderten Meinung zurückkehren.

Stattdessen ist man der Meinung, das gerade die einfachen Jobs wegfallen werden. Und natürlich die Stellen in der Produktion, schließlich wirkt die Automation dort schon seit Jahrzehnten.

Der Lagerarbeiter ist dank seinen Fingern noch relativ sicher

Ich hatte heute eine Diskussion, die sich genau mit dieser Thematik beschäftigt. Mit von der Partie ein Lagerarbeiter und ein Doktorand, der als Patentanwalt Fuß fassen will. Nun muss man erst einmal wissen, dass Patentanwalt kein Jurist im üblichen Sinne ist, sondern jemand der zum Beispiel Wissenschaftler dabei unterstützt ihre Erkenntnisse über Patente zu sichern. In zehn bis 15 Jahren wird der Lagerarbeiter noch einen sicheren Job haben, für den Patentanwalt sehe ich eher schwarz.

Ja, einfache Jobs werden wegfallen. Kein menschlicher Angestellter wird etwa in Zukunft Lagerhallen kehren. Aber was viele beim Thema Automatisierung in der Produktion übersehen, ist die simple Tatsache, dass dort das Potential schon so weit ausgenutzt wurde, das große Sprünge – die eben auch große Entlassungswellen nach sich ziehen – ausbleiben werden. Vieles was dort heute noch zwingend einen menschlichen Angestellten braucht, wird noch lange Zeit nicht von einer Maschine ersetzt werden. Ein gutes Beispiel ist etwa die Komplexität der menschlichen Hand, der Funktion trotz aller Robotik die Fähigkeiten eben jener Technik überschreitet.

Gefährdet ist dagegen die Welt des Angestellten, der Mittelschicht und auch die des Patentanwaltes, der einen wohl noch deutlicheren Kahlschlag befürchten muss, als eine Kollegen die Rechtsanwälte. Wer als Angestellter heute glaubt, sein Job sei in den nächsten zehn bis 20 Jahren nicht in Gefahr, sollte vielleicht mal einen Tag lang notieren was er alles so tut. Er telefoniert. Ja, Bots werden das bald mit höherer Effizienz tun. Er arbeitet fleißig mit Excel. Und macht Fehler, die ein Algorithmus nicht machen würde. Erst recht wenn der Weg der Zahlen komplett durch Computer gehen wird und nur noch zur misstrauischen Kontrolle an dieser oder jener Stelle ein Zwischenergebnis ausgeben soll.

Ein bisschen Excel hier, etwas SAP dort wird niemanden helfen

Für die Mittelschicht sieht es düster aus. Nüchtern betrachtet wird sie sich nicht retten können, sondern in einen Verdrängungskampf mit den unteren Schichten austragen. Oder mit anderen Worten, der Büroarbeiter in besagter Studie, wird dankbar sein müssen, wenn er jene (vermeintlich) einfachen Jobs in der Fertigung übernehmen darf, denen er heute noch ein Verschwinden prognostiziert hat. Ein bisschen Weiterbildung in Excel oder SAP wird ihm da nicht viel nützen, sondern bestenfalls irgendwann mit der Nase auf die Realität stoßen.

Das ist bitter. Das ist auch nicht gut, denn selbst wenn es dem heutigen Mittelstand eine weitere Existenz sichert, hat er dennoch Menschen sprichwörtlich weggetreten. Das mag ist mit Recht nicht gefallen, aber in Gänze ist es nicht mehr aufzuhalten. Und je eher man es begreift, desto besser sind die Chancen es irgendwie für sich hinzukriegen.

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