Google weiß, was du letzten Sommer getan hast

Ist uns Google nicht allen ein bisschen unheimlich, weil es so gut darüber Bescheid weiß was wir auch offline getan haben. So manch Verbrecher hat das schon auf die leichte Schulter genommen.

In der Google-Suchhistorie von Melanie M. fand die amerikanische Polizei Hinweise darauf, dass die Frau nach Möglichkeiten eines Giftmordes gesucht hat. Die Ergebnisse waren nicht ganz zufriedenstellend, sie erschoss ihren Mann nämlich.

Als Bailey G. bei einem Streit auf dem Schulhof seinen Mitschüler tödlich verletzte, sah es nach einem Unglück aus. Kurz zuvor hatte er allerdings „wie werde ich jemand nerviges los“ in den Suchschlitz von Google eingegeben.

Zwei reale Fälle, die nicht einmal vor kurzer Zeit passierten. Ich habe sie einem Artikel aus dem Feuilleton der Süddeutschen dieser Woche entnommen, das Google als digitalen Kommissar analysiert. Kein besonders abwegiges Verfahren, schließlich steht uns vielleicht all das Wissen des Internets zur Verfügung, aber man muss es eben leider immer noch finden. Nun könnte man natürlich sagen: Eh, du willst ein Verbrechen begehen? Schon mal was von anonymen Suchmaschinen gehört. Aber seien wir ehrlich, wir leben in einer Gesellschaft von Menschen, die in den Suchschlitz von Google auch die URL einer Webseite eingeben. Ach, und keine Sorge, die echten Pros wissen das natürlich.

Aber Spaß beiseite, wie sieht es denn aus mit dem Beweis durch Google? Ist es ein wertvoller Hinweis, dass Bailey googelte, wie er „jemand nerviges loswerden“ wollte? Ein Indiz? Man kann den Gedanken aber noch weiterspinnen, bzw. zurück. Andreas L., der Co-Pilot, der eine Germanwings Maschine in einen Berg steuerte, hatte nach Suizidmöglichkeiten gegoogelt.

Minority Report lässt grüßen

Ein Algorithmus, der anhand von Suchanfragen die Suchabsicht herausfinden will, gibt es schon. Google setzt ihn ein, um dem Nutzer ein möglichst passendes Ergebnis zu liefern. Technisch gesehen ist es nur ein winziger Schritt den Algorithmus so zu erweitern, dass er etwa Alarm schlagen würde, sobald genug Faktoren erfüllt sind, die etwa auf eine reale Selbstmordgefahr des Nutzers Rückschlüsse ziehen kann. Und Anonymität hin oder her, wer ist das im Netz schon. Oder sollte sich Google nicht proaktiv mit den Behörden in Verbindung setzen, wenn der Algorithmus Anzeichen für einen geplanten Mord entdeckt?

Man kann schnell sehen, wohin das führt. Philip K. Dick hat ein ähnliches Szenario in Minority Report vorhergesehen, und damit den feuchten Traum all jener beschrieben, denen Predictive Policing zu fehleranfällig ist – was bei dieser Methode ja auch den Tatsachen entspricht. Aber Minority Report ist nicht nur deshalb ein düsteres Zukunftsszenario, weil es eine Welt der totalen Überwachen zeichnet, sondern auch eine Zukunft, in der Recht und Gesetz wie wir es kennen aufgehört hat zu existieren.

Und dennoch wird man das düstere Gefühl nicht los, dass der hier so ungenutzt liegende Datenschatz zu verführerisch ist, als dass nicht doch irgendjemand auf die Idee käme ihn heben zu wollen. Verbrechen, deren Abscheulichkeit groß genug ist, dass eine schweigende Mehrheit ein solches Vorgehen akzeptieren würde gibt es genug. Man denke nur an Kindesmissbrauch oder Terrorismus.

Es wird schon bald heißen, sei vorsichtig, was du googelst, nicht das es ein Algorithmus missverstehen könnte … da bin ich mir leider ziemlich sicher.

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