Fail fast, fail cheap – Kann man richtig oder falsch scheitern?

Scheitern ist einer der Urmythen, die uns Silicon Valley gebracht hat. Und wenn auch zögerlich, selbst in Deutschland scheint Scheitern jetzt modern zu werden.

In den USA feiert man bisweilen ja Partys, auf denen jeder damit angibt wie groß er mit einem Projekt gescheitert ist. Auch hierzulande veranstaltet die StartUp-Szene schon ähnliche Nummern. In der deutschen Wirtschaft an sich hat sich das Scheitern allerdings noch nicht wirklich durchgesetzt. Allerdings kann man sich mit der zunehmenden Digitalisierung durchaus fragen, ob das jetzt ein Vor- oder doch ein Nachteil ist.

Mit einem Projekt oder einem Unternehmen zu scheitern ist in Deutschland noch immer eher ein Makel, als tatsächlich eine Gelegenheit zu lernen. Das mag mitunter allerdings auch daran liegen, dass derjenige der gescheitert ist es hierzulande ungleich schwerer hat wieder auf die Beine zu kommen. Inzwischen mag es selbst in den USA schwerer geworden zu sein nach einer Bruchlanddung an frisches Kapital zu kommen, in Deutschland ist es eher unmöglich und solange die Schulden nicht abbezahlt sind, ist an einen Neuanfang gar nicht zu denken.

Will man allerdings mit der Konkurrenz, ob im In- oder erst recht im Ausland, mithalten, wird man um eine Form des Scheiterns nicht herumkommen. Zumindest bei Projekten innerhalb eines Unternehmens wird zwangsläufig eine Kultur des Scheiterns entstehen müssen, allein um den deutschen Innovationsstau aufzuholen. Wer generalstabsmäßig plant wird nicht weit kommen, er wird am Ende scheitern, aber auf die falsche Art und Weise.

Hört auf Yoda, der Mann weiß wie’s läuft!

Aber heißt das nun im Umkehrschluss, dass es eine richtige Art des Scheiterns gibt. Durchaus, denn wie bei vielen Dingen im Leben kommt es auch beim Scheitern auf den richtigen Zeitpunkt an. Die Devise lautet also:

Fail fast, fail cheap.

Freilich könnte man das auch positiv formulieren:

Probiere neue Dinge aus, ohne Angst vor dem Scheitern zu haben.

Denn ohne eine Kultur des Scheiterns, bei der dieses kein Schandfleck für den Rest des Lebens ist, werden wir nicht weiter kommen. Ideen bleiben dann sicherheitshalber doch in der Schublade, man will sich ja nicht bloßstellen.

Die Kunst ist aber eben wie gesagt nur, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen. Ab wann ist ein Projekt gescheitert, ab wann muss man sich von einem Kunden trennen, wann stelle ich die Kampagne ein. Ist dieser Punkt aber erst einmal verpasst, dann wird es richtig teuer. Man bessert hier etwas nach, oder da, aber am Ende wird man nur verlieren und draufzahlen. Gibt man aber zu früh ab, wer weiß, vielleicht hätte man der nächste Mark Zuckerberg sein können. Am Ende braucht man Erfahrung, oder ein Näschen für Zahlen und künftige Entwicklungen.

Scheitern ist kein Selbstzeck.

Allein deshalb Scheitern zur obersten Strategie zu machen? Na ja, auch so eine Bad Idea. Wer brüstet sich denn bitteschön mit seinen Fehlern? Ich lebe nach gewissen Regeln, eine davon lautet:

Es gibt Fehler aus denen lernt man, und es gibt Fehler, die gehören bestraft!

Für manche Arbeitsschritte mag Try & Error die richtige Methode sein, wer allerdings bei Projekten oder gar einem Unternehmen an sich nach dieser Methode vorgeht, der wird wahrscheinlich schlicht und einfach nicht wissen was er tut. Und eine andere Regel lautet:

Wenn du nicht weißt was du tust, tue es einfach nicht!

Denn während bei dem einen Fehler gemacht werden, aus denen man lernen kann wie es besser geht, macht man in diesen Fällen Fehler, die – die Welt ist nun mal kalt – bestraft werden. Und wahrscheinlich hat man es dann sogar verdient.

Eine Fehlerkultur ist wichtig für die Innovationsfähigkeit, Narrenfreiheit aber kostet am Ende nur – und nicht nur Geld. Am Ende sollte man sich bewusst sein, dass wir mitnichten in einer Leistungsgesellschaft leben, sondern lediglich der Erfolg zählt.

Yep, von Leistung kann man sich in unserer Gesellschaft nix kaufen.

Lediglich Leistung zu bringen ist in unserer Gesellschaft leider auch nicht mehr wert als mit einem Projekt zu scheitern. Bei aller Fehlerkultur und der zunehmenden Unplanbarkeit von größeren Projekten, sollte man am Ende eben doch vor allem eines wollen: Erfolg

 

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