Es hat begonnen: US-Firma chipt seine Mitarbeiter

Wenn zukünftige Historiker sich einst fragen werden, wann die Utopie in eine Dystopie umgeschlagen ist – es wird das Jahr 2017 sein. Und passiert ist es in einem Unternehmen im amerikanischen Wisconsin.

So läuft’s im Showbiz eben. Als wir unseren besten Freund mit einem Chip versehen haben, war das irgendwie ganz nützlich. Als dann manche Eltern dachten, was man mit Hunden machen kann, funktioniert bestimmt auch bei unseren Kindern – da wurde das Ganze schon ein bisschen krank. Aber rückblickend war es schon damals nur eine Frage der Zeit, bis jemand auf die Idee für den nächsten Schritt kam.

Nun muss man natürlich erst einmal anmerken, dass die Chips die künftig in den Händen der Mitarbeiter von 32M keine Ortungsfunktion haben. Die dort eingesetzte NFC-Technik soll vor allem drei Funktionen haben: Der Mitarbeiter muss keinen Zahlencode mehr in das elektrische Schloss eingeben, sich nicht mehr am Computer anmelden und in der Unternehmenskantine kann mit dem eingepflanzten Chip gezahlt werden. Gut, das ginge genauso mit einer Karte, aber die benutzt heute ja jedes bessere Hotel – wo wäre da die Zukunft? Man könnte natürlich auch Windows Hello am PC laufen lassen, damit kann sich der Mitarbeiter per Gesichtserkennung anmelden. Das ist zumindest schon ein bisschen Zukunft, oder? Wie auch immer, seien wir ehrlich, würde 32M Ringe mit der gleichen Technik verteilen, auf nichts müsste verzichtet werden. Außer der Tatsache, dass jeder sofort den Chip ablegen könnte. Mit einem Chip unter der Haut ist das nicht mehr so einfach. Ist der einzige Grund dafür also, dass man den Chip auf diese Weise auch nicht mehr zuhause liegen lassen kann?

Etwas über 50 32M-Mitarbeiter werden sich den Chip implantieren lassen, nicht alle, denn natürlich will man das ohnehin vorhandene Misstrauen nicht auch noch durch eine Zwangsimplantation verstärken. Nach dem Motto, wer hier arbeitet, muss das halt tun. Es schädigt ja niemanden und wer kündigt, dem wird der Chip wieder entfernt. (Was in diesem Fall allerdings noch nicht geregelt scheint, so nebenbei.) Aber was heißt schon freiwillig? Fast jeder Arbeitnehmer dürfte das ein oder andere Beispiel kennen, bei dem er selbst durch Gruppenzwang, Angst den Job zu verlieren oder anderen Gründen etwas offiziell ganz freiwillig getan hat …

Die Zukunft ist eben auch schon heute.

Vor ein paar Wochen habe ich einen ziemlich schlechten ScienceFiction-Roman von John Sandford, Das Objekt, gelesen, in dem genau das schon der Fall ist. Türen öffnen sich dort nur vor demjenigen, der den richtigen Chip implantiert hat. Insgesamt klingt diese Entwicklung auch arg nach David Eggers erschreckend realistischer Zukunftsvision The Circle. Auch dort kann man sehr gut den Unterschied zwischen den beiden Versionen der Freiwilligkeit kennenlernen.

Yep, was 32M einführt birgt auf den ersten Blick keine Gefahr und vereinfacht das Leben jener Angestellten, die den Chip nutzen. Aber seien wir ehrlich, diese Geschichte klingt so verdammt nach „so hat es angefangen“, dass man nur den Kopf schütteln muss. Denn jeder Chip ist genauso erweiterbar wie jede Idee. Die Möglichkeiten sind unendlich, und nicht wenige dieser Möglichkeiten werden genutzt werden. Was etwa recht schnell kommen könnte, ist der Chip als Ersatz für die Fußfessel im Strafvollzug. Um die Menschen an die Idee zu gewöhnen, ist es schließlich äußerst sinnvoll eine Gruppe auszuwählen, die nicht gerade eine große Lobby hat. Von da an kann es dann munter weiter gehen, bis der Arzt gleich nach der Geburt den Chip implantiert.

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