Digitalstadt Darmstadt – oder: Was sind eigentlich digitale Städte?

Deutsche Städte, so der Vorwurf, investieren nicht in die Zukunft, sondern nach Kassenlage. Und wenn am Ende des Jahres noch ein bisschen was vom Budget übrig ist, werden halt ein paar tausend Bleistifte bestellt. 

Ob das mit den Bleistiften stimmt? Es wäre zumindest nicht das Merkwürdigste was man aus dieser Ecke gehört hätte. Und auch wenn Städte sicher nicht allein mit dieser Haltung sind, scheint es hier besonders schlecht zu sein. Jetzt sind schwerfällige Behörden und der kommunalpolitische Kleinkrieg zwar nicht gerade für ihre Innovationsleidenschaft bekannt, wenn die eine Seite sie entdeckt, weiß die andere schon zu blockieren, aber gerade in der Digitalisierung sollte einer der mächtigsten Schöpfer von Infrastrukturen mit besonders gutem Beispiel vorangehen.

Zu den deutschen Städten die das auch tatsächlich tun, gehört zum Beispiel Darmstadt. Dort hat man sich zuvor schon dem Thema Bildung verschrieben und bis zur Digitalisierung ist es da dann nicht mehr weit. Fast also schon folgerichtig, das man sich jetzt Digitale Stadt Darmstadt nennen darf – nachdem man bei einem Wettbewerb des Branchenverbandes Bitkom dazu gekrönt wurde.

Nur was heißt eigentlich digitale Stadt? Na ja, so richtig definiert ist das nicht. Und auch die Kriterien des Bitkom-Wettbewerbs waren kaum mehr als eine willkürliche Liste.

Wer sich digitale Stadt nennen will, sollte aber zumindest ein paar Bedingungen erfüllen:

1. Banal, aber in viel zu wenigen Städten vorhanden: WLAN

2. Die Möglichkeit für Bürger möglichst viele Ämtergänge von zuhause aus am Rechner zu erledigen. Darunter versteht man freilich mehr, als die Möglichkeit über die Webseite einen Termin zu vereinbaren.

3. So wie zum Beispiel in Darmstadt bei kommunalen Diensten wie der Müllabfuhr oder dem öffentlichen Nahverkehr die Vorteile der Digitalisierung ausnutzen.

4. Die lokalen Geschäfte miteinander vernetzen und dank eines starken Netzwerkes das Ausbluten der Innenstädte verhindern.

4. Die Vernetzung bei den lokalen Bildungseinrichtungen fortsetzen.

6. Moderne Verkehrskonzepte fördern. Zum einen verhindert das unnötige Staus etwa nach Unfällen, zum andern heißt das die Förderung von E-Autos, Carsharing-Diensten, Fahrradverleihen und natürlich Ausbau, statt Streichungen beim öffentlichen Nahverkehr.

7. Die Bürger auch mitnehmen, denn auch die schönsten und zeitgemäßesten Angebote helfen recht wenig, wenn sie nicht genutzt werden.

Diese Liste ist natürlich kurz und unvollständig. Was meint Ihr, was gehört noch dazu, ehe eine Stadt sich mit dem Wörtchen „digital“ schmücken kann?

About Thomas Matterne

Thomas Matterne ist Chefredakteur des dreisprachigen Online-Magazins DenkZeit und als Online-Marketing-Manager tätig. Der ausgebildete Journalist hat ein Diplom in Wirtschaftsinformatik, und schreibt an dieser Stelle über IT-, Online-Marketing- und SEO-Themen - unteranderem.

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