Als Carl Benz sein Auto fertig hatte, traute er sich nicht so recht damit unter die Leute. Es war seine Frau Bertha, die die Courage aufbrachte und zur ersten Fahrt mit dem Automobil aufbrach.

Hätte man 1888 schon Umfragen durchgeführt, die Mehrheit der Deutschen hätte dem Automobil wohl keine Zukunftschancen eingeräumt. Auch wenn die Autoindustrie heute eher ein untergehender Tanker ist, der Deutschland mit sich zu reißen droht, die letzten über 100 Jahre wären wohl anders verlaufen, hätte man auf die Deutschen gehört.

Heute lieben die Deutschen ihr Auto, aber ein Näschen für Zukunftstechniken haben sie immer noch nicht. Nach der aktuellen Civey-Umfrage glaubt die Mehrheit nicht daran, das ihre Jobs durch Roboter oder die Digitalisierung gefährdet ist. Tja, ob die Weber in Schlesien sich ausmalen konnten wegen Webstühlen … lassen wir das. Womit die Mehrheit der Befragten allerdings sicher recht hat, ist der Wunsch nach mehr Menschlichkeit in der Digitalisierung. Hobbypsychologen könnten hier übrigens hineininterpretieren, dass eben doch eine unbewusste Angst vor der disruptiven Macht vorhanden ist. Und das sollte besser auch so sein, denn auch wenn der fortschrittsfeindliche Deutsche es nicht wahrhaben will, die Digitalisierung ist kein kleiner Bach, der ein bisschen was Neues anschwemmt, sie ist ein verdammter Tsunami, der alles vernichtet, was nicht auf ihn vorbereitet ist.

Am Ende glaubt zwar eine knappe Mehrheit, dass die Digitalisierung unser Leben verbessern wird, aber im Detail ist man eher skeptisch. Ob es an der katastrophalen Internetversorgung liegt, das bspw. dem Internet of Things keine so rechte Chance eingeräumt wird? Das überrascht wenig, IoT ist heute noch immer eher ein Nerdding. Und auch die Omnipräsenz von Amazons Alexa kann nicht darüber hinwegtäuschen, das digitale Assistenten in Deutschland eher ein Schattendasein führen.

Derartige Berührungsängste kann sich ein Land, dessen große Industrien am Wegbrechen sind allerdings kaum leisten. Die Deutschen, nach wie vor auch vor allem die Politik, versuchen noch immer verzweifelt ihre alten Industrien zu retten. Dort ist man schließlich noch vorn dabei, Qualität Made in Germany. Allein, schon die Weber hatten sich damals eingeredet, dass die neuen Webmaschinen sie nicht ersetzen konnten, weil man doch so qualitativ hochwertige Produkte webt. Tja, die haben sich auch getäuscht.

 

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