Digitalisierung des Lesens – Handy End, statt Happy End!

Schon mal was von Wattpad oder Hooked gehört? Nein? Wenn man dem Magazin Spiegel trauen darf, bist du dann mindestens über 30 alt. Denn für Jünger entwickelt sich dort der Trend des neuen Lesens.

Gelesen wird immer. Und auch so manch Kulturkritiker der mit dem Siegeszug der Digitalisierung das Ende der (Lese-)Kultur beschwört, kommt mir vor wie jene Kritiker, die vor ein paar hundert Jahren vor dem Lesen zu vieler Bücher an sich gewarnt haben. Angesichts von Youtube schon heute und Sprachassistenten in naher Zukunft, mag die Behauptung es werde weniger gelesen nicht ganz absurd erscheinen, derweilen ist aber etwa auch das Internet noch ein Medium, welches gelesen werden will.

Wenn wir von dem Thema sprechen, denken wir natürlich zuerst an E-Books a la Kindle oder Tolino. Nüchtern betrachtet sind diese jedoch in erster Linie tatsächlich nicht mehr als die sprichwörtliche digitale Version eines gedruckten Buches. Zwar ermöglicht auch die dort verwendete Ink-Technik zum Beispiel das Browsen im Internet, mit dem Setzen eines Links hat es sich dann im Wesentlichen mit der Frage der Interaktivität aber auch schon getan. Wer etwas mit dem Kindle Fachbücher liest, wird sich schon mehr als einmal geärgert haben, warum man eine Grafik oder eine Tabelle nicht einmal vergrößern kann – um sie überhaupt lesbar zu machen. E-Bookreader sind eher ein Beispiel wie sich das Lesen durch ein neues Medium eben nicht immer zwangsläufig verändert.

Das Medium beeinflusst den Text mehr als je zuvor

Am Ende kann aber eben das doch passieren, denn Lesen am großen PC-Monitor und erst recht am kleinen Smartphone ist grundlegend anders. Und mit dem Lesen verändert sich auch das Schreiben, findet es zielgerichtet auf das neue Medium statt. Und eben hier kommen Angebote wie wattpad ins Spiel. Die Texte der Community kann man zwar auch am Rechner lesen, die meisten der jungen Leser tun das aber täglich am Smartphone. Was natürlich auch Einfluss auf die Textgestaltung und am Ende damit auch die Art des Schreibens hat.

Die Texte werden kürzer, kompakter. Formen wie etwa der eines Chats über Messengerdienste usw. kreieren neue literarische Subgenre wie die Chat-Novelle. Puristen mögen das bedauern, aber die Sprache und damit auch die niedergeschriebene Sprache war stets im Wandel und wird nun durch die Digitalisierung einem noch radikaleren Wandel unterzogen. Warum sollte es dem Schreiben anders ergehen als allen anderen Bereichen des Lebens.

Mit ihrem Finanzierungsmodel nutzen Angebote wie diese übrigens auch anders als bei handelsüblichen Readern die neuen Möglichkeiten des Produktes. Oder mit anderen Worten, zwischen dem Lesestoff findet sich immer wieder ein wenig Werbung. Seine Autoren werden an den Werbeerlösen beteiligt, allerdings hat man noch nicht wirklich etwas von jemanden gehört, der davon leben kann. Der Traum der meisten Autoren dort dürfte jener sein, der sich für die Amerikanerin Anna Todd erfüllt hat. Ihr Handyroman After wurde von einem renommierten Verlag abgedruckt und ein US-Studio soll sich schon die Filmrechte gesichert haben.

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