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Die Sprachsuche revolutioniert auch das SEO (3)

Wenn die Bedeutung der Sprachsuche immer weiter zunimmt, wie muss ich dann als Webseitenbetreiber reagieren, um im Google- oder Bing-Ranking nicht abzufallen? Stellte die Sprachsuche alles auf den Kopf, oder bleibt doch irgendwie alles beim Alten?

 

Stellen wir uns ein paar konkretere Fragen:

1. Wie wichtig ist Keyword-Optimierung?

Was Keywords betrifft sind sich die SEO-Experten erstaunlich einig, auch die Sprachsuche bestätigt die Wichtigkeit der Longtailkeywords. Allerdings sollte man begriffen haben, dass fast 2/3 der Suchanfragen aus mindestens 3, fast die Hälfte sogar aus mehr als 5 Wörtern besteht. Keywordoptimierung auf ein Wort macht also auch heute schon keinen Sinn mehr, künftig aber erst recht nicht.

Wer gefunden werden will, muss seine Keywords opitimierten auch weniger dem Diktat der WDF*IDF-Formel unterwerfen, sondern einen Weg finden den semantischen Kontext so zu gestalten, dass die Suchmaschine davon ausgehen kann, hier wird die Frage des Nutzers beantwortet. Ein Weg, der spätestens mit Google Hummingbird schon recht offensichtlich eingeschlagen wurde.

2. Muss ich jetzt auf alles eine Antwort haben?

Wer gefunden werden will, muss sich noch stärker in die Köpfe jener versetzen können, die ihn finden sollen. Er muss seinen Text als Antwort auf die Fragen seiner Leser oder Kunden schreiben, und er sollte eine Antwort haben, nicht irgendein Blabla. Ein einfacher Weg ist da natürlich sich der alten W-Fragen aus dem Journalismus zu bedienen und anhand derer seinen Content entsprechend zu gestalten.

Dadurch muss jetzt natürlich nicht jeder eine Art themenspezifisches Wikipedia entwickeln. Denn nicht immer ist die Intention des Fragenden tief in ein Thema eintauchen zu wollen. Im Gegenteil, manchmal ist eine kurze und knappe Antwort genau das was gesucht wird. In dieser Hinsicht kann es sich zum Beispiel lohnen mehr auf Listen zu setzen, die Schritt für Schritt zur Lösung eines Problems führen. Und die FAQ-Seite sollte langsam aber sicher zur wichtigsten Seite eines Webauftritts werden.

Ein Beispiel: Ein Vertriebsexperte möchte mit seiner Vertriebsstrategie punkten.

In der guten alten Zeit hätte er seinen Text auf „Vertriebsstrategie“ optimiert, insgesamt muss der Inhalt heute aber auf die Beantwortung einer konkreten Frage abzielen. Heute ist das mindeste „Vertriebsstrategie entwickeln“, denn der Nutzer fragt sich schließlich: „Wie kann ich eine erfolgreiche Vertriebsstrategie entwickeln?“ Und „erfolgreich“ würde ich übrigens außer acht lassen, a) behauptet das eh jeder und b) je weniger es nach Werbung riecht, desto besser das Ranking.

3. Welche Bedeutung hat der Sprachstil?

Der endgültige Durchbruch des Internets hatte für jene, die von Anfang an dabei waren einen Nachteil. Es wurde formeller, in Deutschland etwa hat sich das „Sie“ wieder durchgesetzt. Die Sprachsuche wird das wieder ändern. Zwar mag die geplante Struktur eine Unternehmensseite zuerst wie ein Vorteil wirken, der formelle Sprachstil passt aber hinten und vorne nicht zu der Art und Weise wie Nutzer ihren digitalen Assistenten Fragen stellen. Wer also glaubt seine Information werden am Besten dann gefunden, wenn sie sich wie eine Bedienungsanleitung liest, wird schnell feststellen, dass sie dort landet wo alle Bedienungsanleitungen landen – ungelesen im Papierkorb.

Jetzt müssen wir natürlich nicht alle rotzfrech werden, aber gutes Content Marketing muss den Nutzer in dessen Sprache begegnen. Locker, aber nicht flapsig ist angesagt.

4. Gab es da nicht mal Schema.org?

Ja, und Schema.org gibt es immer noch. Und da hinter diesem Projekt mit Google und Microsoft auch die Macher der beiden einzig wirklich nennenswerten Suchmaschinen stecken, sollte man sich die Seite einmal genauer ansehen. Mittels der dort gezeigten Schemen lassen sich auf der eigenen Webseite Daten so strukturiert auszeichnen, dass es für die Suchmaschinen ein leichtes ist sie zu interpretieren.

Na, wo ist denn da das Juliusspital?

5. Wie wichtig ist Local SEO wirklich?

Jetzt sagt man sich natürlich, die meisten Abfragen passieren auf dem Smartphone, also ist Local SEO total wichtig. Ja, ist es auch, sofern Sie in der Nähe ein Geschäft, Restaurant oder sonst irgendwie Kundenkontakt haben. In diesen Fällen sind Maßnahmen für das lokale SEO unverzichtbar, in allen anderen ein kleines Puzzelstück (bis auf eine Ausnahme, siehe Punkt 6).

Sorgen Sie also auf jeden Fall dafür, dass man ihre Webseite dank Google MyBusiness und Bing Places for Business auf den entsprechenden Karten, mit den entsprechenden Infos – also Ihren – auch findet. Denn wie wir aus einem der früheren Beiträge dieser Serie wissen, greifen die digitalen Assistenten natürlich zuerst auf einen dieser Services zurück, wenn sie nach einer Weinstube in der Nähe gefragt werden. Und da einige Angebote lieber bingen, statt googeln, sollte man auch das Microsoftangebot optimiert haben.

6. Warum muss ich mehr auf mein Reputationsmanagement achten?

Wer das schwer Wort „Reputationsmanagement“ kennt, ist schon mal im Vorteil, denn viele Geschäfte und Restaurants fragen sich zunehmend warum immer weniger Leute kommen. Könnte das etwa daran liegen, dass sie nur 1-Sterne-Bewertungen kassiert haben? Ja, tut es wahrscheinlich. Die Zeiten in denen man die Google-, TripAdvisor- oder Yelp-Bewertungen ignorieren konnte sind längst vorbei. Und wer glaubt die entsprechenden Angebote würden sich ihre Infos schon selbst irgendwie zusammensuchen, kann das ruhig tun – er wird aber nie erfahren wie viel Geld ihm dabei durch die Lappen geht.

Und was heißt das jetzt alles?

Die gute Nachricht ist, dass die Sprachsuche eine weitere Chance für kleine Seiten ist, mit gutem Content an erster Stelle zu landen. Die schlechte Nachricht ist, Content ist immer noch King – und mehr denn je. Die Zeiten in denen sich mit billig produziertem, halbwegs zum Thema passendem Text etwas reißen ließ, sind längst zu Ende gegangen. Wer also nur auf Masse setzt, aber nichts zu sagen hat und schon gar keine Frage beantworten kann, wird sich in ein Umfeld zurückziehen müssen, wo er keine Konkurrenz zu befürchten hat. Wer sich aber langfristig durchsetzen will, muss sich als Ratgeber und Beantworter von Fragen für seine Nutzer/Kunden/Besucher erweisen.


Die komplette Serie:

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