Für die IT-Szene war es gestern sicher die Meldung des Tages, die Cebit, immerhin Europas größte Branchenmesse, wird es nicht mehr geben. Wirklich überraschend kam das allerdings nicht.

Die Cebit steckte schon seit Jahren in Schwierigkeiten. Die Besucher blieben aus. Die Messemacher steuerten gegen. Aber offenbar hat es nix genützt. Am Ende wollten wohl weder Besucher noch Aussteller weiter auf die Cebit kommen. Was man durchaus für ein bedenkliches Zeichen deuten kann, was Deutschlands Chancen in der digitalen Transformation angeht. Wenn nicht mal die Vorzeigeveranstaltung den Sprung schafft, wie sehen dann die Chancen für den weniger IT-affinen Teil der deutschen Wirtschaft aus?

Unter den erbarmungslosen Maßstäben der digitalen Transformation ist die Cebit zurecht untergegangen. Sie war ein Mamut, das sich nicht schnell genug der verändernden Natur angepasst hat. Die Szene trifft sich international längst andernorts, selbst in Deutschland gibt es inzwischen modernere Alternativen. Die Cebit ist insofern ein warnendes Beispiel, weil sie so ziemlich alles falsch gemacht hat, was man bei der digitalen Transformierung falsch machen kann.

Ja, man hat versucht sich auf neue Füße zu stellen. Aber man hat es auf die alte, analoge Art und Weise versucht. Die Veränderungen waren kosmetischer Natur, das Grundkonzept wurde mehr oder weniger nie wirklich angegriffen. Das entspricht dem deutschen Mittelständler, der glaubt, eine neue PC-Ausstattung würde ihn reif für die digitale Welt machen. Oder der Regierung, die glaubt, wenn es erst einmal flächendeckend 5G gibt, sei Deutschland wieder Weltspitze. Man sieht zwar die Gefahr, aber weil man sie nicht versteht, begegnet man ihr mit alten Konzepten. Als könne man eine Hightech-Armee mit Pfeil und Bogen in die Schranken weisen. Und diese martialische Ausdrucksweise ist nicht ganz unbeabsichtigt, denn je schlechter man auf die digitale Transformation vorbereitet ist, desto mehr Opfer wird es geben.

Es mag wie ein Widerspruch klingen, aber wer die Disruption überstehen will, muss sie selbst erledigen. Nur so hat er zumindest eine gute Chance, erfolgreich zu sein (oder wenigstens nur mit einem blauen Auge davonzukommen). Das allerdings erfordert Mut und Tatkraft, davon scheint es derzeit viel zu wenig zu geben.

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