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Der Bitcoin ist tot, es lebe die Blockchain!

Vielleicht wird 2017 als das Jahr in die Geschichte eingehen, in dem Bitcoins in aller Munde waren und gleichzeitig damit begonnen haben sich ins digitale Nirwana zu verabschieden. Wer jetzt aber den analog gebliebenen „Ich hab’s ja immer schon gesagt“-Kritiker mimen will, hat am Ende nicht verstanden, worum es wirklich geht.

Mitte der Woche war es dann soweit, überraschend früh, aber sicher vorhergesagt, rutschte der Bitcoin-Wechselkurs dramatisch nach unten. 25%, eine Menge – also wenn man die Woche vorher eingestiegen ist, denn ansonsten hat man immer noch je nach Kaufdatum bis zu einigen 100% Gewinn gemacht. Schließlich war die Kryptowährung einschließlich des ersten Halbjahrs 2017 kaum jemanden ein Begriff. Ob dieser Kursrutsch jetzt das Ende der Bitcoins ist, das sollen meinetwegen Finanzmathematiker berechnen, aber im Grunde ist das eigentlich auch völlig egal.

Der Bitcoin-Kurs am 25.12.2017 (Screenshot: bing.com)

Unter uns, wenn dass das Ende des Bitcoins ist, dann sind diesmal tatsächlich die Medien schuld. Denn ironischerweise hat wahrscheinlich der explosiv steigende Bekanntheitsgrad für den Abgesang auf den Bitcoin maßgeblich mitgesorgt. Denn im Grunde war er zwar als Alternative für die staatlichen Währungen gedacht, aber nie dazu geeignet ein Zahlungsmittel für die Massen zu werden.

Ihren Wert erhalten Bitcoins durch das simpelste Gesetz des Kapitalismus, die künstliche Verknappung. Während Notenbanken oder Staaten die Geldmenge variieren können, gab es von Beginn an nur eine begrenzte Anzahl an Bitcoins, die „geschürft“ werden konnte. Und wie das mit endlichen „Rohstoffen“ so ist, irgendwann bringt das Schürfen an sich nichts mehr ein, weil kaum noch etwas gefunden wird. Für den Bitcoin wurde das allerdings zu einer Bedrohung, denn anders war der riesige über Server laufende Energieverbrauch für die Zahlungsvorgänge nicht mehr zu gewährleisten. (Richtig, die Umweltbilanz des Bitcoins ist aufgrund des immens hohen Energieverbrauchs um etwa einen Zahlungsvorgang abzuwickeln geradezu desaströs.) Man verlegte sich also mehr oder weniger darauf, dass jetzt für Transaktionen steigende Gebühren verrechnet werden. Und die können schon mal bei 20 bis 30% des Überweisungsbetrags liegen. Wenn eine Dorfsparkasse derartig bei den Gebühren zuschlagen würde, ständen die Kunden wohl spätestens am Abend mit Fackeln und Mistgabeln vor der Tür und würden die Auslieferung des Filialleiters fordern. Bei Gewinnen im dreistelligen Prozentbereich sind derartige Gebühren für das Spekulationsobjekt Bitcoin vielleicht noch erträglich, für das Zahlungsmittel Bitcoins aber sind sie der Todesstoß.

Bildquelle: audioundwerbung / 123RF Lizenzfreie Bilder

Ich persönlich sehr für den Bitcoin an sich also eher dementsprechend schwarz. Wer jedoch jetzt in analogen Siegesjubel ausbricht, hat zwei Dinge nicht verstanden. Zum einen wäre der Untergang des Bitcoins nicht der Tod der digitalen Währung an sich, mit der inzwischen ja auch Vorreiterstaaten wie Estland liebäugeln, zum anderen ist der Bitcoin ja nicht der eigentliche Clou an der Sache. Denn was der Bitcoin als prominentester Vertreter in die Welt gebracht hat, ist die Blockchain – und deren Zukunft hat gerade erst begonnen.

Das Fachmagazin c’t witzelte in einem großen Bericht über die Blockchain neulich, dass es vielleicht in Deutschland bestenfalls ein Dutzend Leute geben würde, die die Blockchain wirklich bis ins letzte Detail verstanden haben. Ich gehöre nicht dazu, ganz ehrlich, leider. Aber wer zumindest das Prinzip dahinter begriffen hat, der weiß das in dieser Technologie weit mehr steckt als die Grundlage für digitale Währungen. Das geht von relativ nerdigen Themen wie ihr Einsatz in der Videospielentwicklung bis hin zu dezentralen Stromnetzwerken und findet durch auf Blockchain basierende Smart Contracts praktisch Einzug in fast jeden Lebensbereich – etwa bei Auto- oder Wohungsvermietungen. Im Gesundheitswesen könnte die Blockchain etwa dafür sorgen das Patientendaten zwar weltweit verfügbar sind, der Zugriff aber nur für berechtigte Personen möglich ist. Firmen wie Skuchain haben sich dagegen darauf spezialisiert die Blockchain-Technologie ins industrielle Supply Chain Management zu integrieren.

Mit anderen Worten, wenn dereinst nur noch Historiker etwas mit dem Begriff Bitcoin anfangen können, wird die dahinterstehende Technologie einen entscheidenden Beitrag für den Ablauf unseres Alltags liefern.

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