Microsoft hat zwar ein gutes Betriebssystem für Smartphones, scheitert aber am Mangel an guten Apps.

Vor ein, zwei Jahren gab es einige Experten, die den schleichenden Tod der klassischen App vorhergesagt haben. Ich gebe zu, damals habe auch ich an der Zukunft der App für die diversen Smartphonesysteme der Welt ein bisschen gezweifelt. Gerade das im Kommen befindliche HTML5 war so vielversprechend, dass man durchaus mutmaßen konnte, die für unterschiedliche Devices optimierte Webseite könnte die App irgendwann überflüssig machen. Doch auch 2016 dürften gute App-Programmierer eine Jobgarantie haben. Weder auf Android, Windows und natürlich erst recht nicht auf iOS ist auch nur annähernd ein Ende der Apps in Sicht, im Gegenteil, ihre Bedeutung etwa bei der Smartphonewahl gibt für einige noch immer den Ausschlag.

Dabei geht es auf dem Markt der Appentwicklung alles andere als rational zu. Egal ob Start-up oder Großverlag, als erstes muss die App fürs iPhone stehen. Mit Beharrlichkeit werden Marktanteile ignoriert, die mehr als nahelegen mit einer Androidapp zu beginnen. Manche erlauben sich sogar Monate lang den Luxus die Appentwicklung für das mit Abstand am weitesten verbreitete Betriebessystem aufzuschieben, der ein oder andere lässt es sogar ganz bleiben. Marktwirtschaftliches Denken sieht anders aus. Das diese Leute dann erst recht keine App für Windows auf den Markt bringen ist dagegen fast schon wieder rational nachvollziehbar.

Und das, obwohl sich Microsoft mehr als Mühe gibt die Appentwicklung für sein System anzukurbeln. Man macht es den Entwicklern so einfach wie möglich und der ein oder andere gibt sogar zu, man könne für Windows schnell und einfach recht gute Apps programmieren. Nur macht man es nicht und lässt Windows damit in einem Henne-Ei-Problem sitzen.

Denn Windows 10 mag auch auf dem Smartphone ein mehr als gutes System sein, aber der zugehörige App-Store sieht im Vergleich zu den beiden großen Konkurrenten mehr als schwach aus. Das liegt nicht mal so sehr an der vergleichsweise geringen Anzahl, denn im Grunde ist alles vorhanden, was man für den Alltagsgebrauch so benötigt. Vielmehr sind viele Apps für Windows einfach auch nur Schrott. Facebook, Twitter, Instagram & Co. stammen sämtlich aus dem Hause Microsoft selbst, auch wenn inzwischen die ein oder andere App – z.B. Facebook – angekündigt ist, die von den Machern selbst stammt. Die Microsoft-eigenen Apps bieten unterdessen mehr oder weniger nur die rudimentären Funktionen, und halten so kaum einen Vergleich mit dem Angebot für Android oder fürs iPhone stand. Da tröstet es auch wenig, dass zum mangelnden Funktionsumfang der Instagram-App zum Beispiel auch die Einblendung der Werbeversuche des Fotonetzwerkes zählt. Schlimmer noch, wer die Outlook-App für Windows und Android vergleicht, wird die Androidvariante lieben. Beide sind natürlich aus dem Hause Microsoft, was den Verdacht nahelegt, dass sich selbst die Entwickler dort bei den dominierenden Plattformen mehr ins Zeug legen.

Wie aber will man die eigene Plattform nach vorn bringen, wenn sich selbst die eigenen Entwickler mit mehr Hingabe um die Konkurrenz kümmern? Das es Microsoft durch frei verfügbare Software auch Nicht-Programmierern vergleichsweise einfach macht schnell eine eigene App zusammenzustellen ist dabei nicht wirklich hilfreich. Damit mag man zwar die Anzahl der Apps im Windows Store erhöhen, aber damit steigt eben nur die Quantität, die Qualität und damit die Benutzerzufriedenheit bleibt auf der Strecke.

Microsoft ist also nicht besonders erfolgreich dabei sein Henne-Ei-Problem zu lösen. Die Anzahl der Windowsphone-Nutzer ist zu gering, um die Entwicklung von Apps anzukurbeln. Die Quantität und vor allem die Qualität der Apps ist aber wiederum zu gering, um neue Nutzer zu gewinnen. Ohne aus diesem Dilemma einen Ausweg zu finden, wird Windows aber nicht aus seiner Nische herausfinden. Denn ob das allein mit Angeboten wie Continuum, mit dieser Box lässt sich die Lumia 950 an Bildschirm und Tastatur anschließen und das Smartphone wird so zum vollwertigen PC, gelingen wird, mag zwar nicht unmöglich sein, wird auf dem Markt für Privatanwender aber nur sehr sehr langsam durchschlagen können. Knackpunkt sind und bleiben eben doch die Apps.

2 thoughts on “Das Henne-Ei-Problem von Windows: Die Apps

  1. Leider genau auf den Punkt gebracht – trotz aller (auch meiner Meinung nach) guten Ansätze versemmelt Microsoft jedes Mal die Chance, zu den beiden etablierteren mobilen Betriebssystemen aufzuschliessen. Und wenn dann noch die Qualität dort besser ist als bei der eigenen Plattform, darf man sich leider getrost fragen, wie weit man denn hinter Windows 10 mobile steht. Schade eigentlich. Und machen wir uns nichts vor – auch die Apps könnten meiner Meinung nach zu 80% aus dem Store fliegen (dann wären wenigstens die xxx Fake- und Schrott-Apps weg), damit man mal auf die Idee kommt, sich vielleicht der adäquaten Umsetzung der gewohnten App-Qualität von Android und iOS zu widmen und den immer noch unübersichtlichen Store zu entschlacken.

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