Das Fernsehen braucht mehr Social Media Redakteure

Warum es mehr Social Media Redakteure braucht, und warum Fernsehredakteure weniger Programm planen sollten.

Der Second Stream wird langsam wirklich Mainstream, zumindest bei den unter 30Jährigen nutzt ihn schon jeder Zweite mindestens einmal wöchentlich. Sprich, er setzt sich z.B. mit Tablet oder Smartphone vor den Fernseher. Was übrigens, ganz nebenbei bemerkt, auch ein Zeichen dafür sein kann, dass das lineare Fernsehen auch bei jungen Leuten noch nicht ganz aus der Mode gekommen ist. Deutschland versammelt sich eben doch noch vor dem Tatort, einem der vielleicht letzten verbliebenen Fernsehfeuer in unseren Wohnzimmern. (Warum auch immer, ich persönlich verstehe das ja nicht. Aber das ist eine andere Geschichte.)

Infografik: Second Screen wird Mainstream | Statista

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Nebenbei sind dabei übrigens auch zwei andere Punkte, was die Art und Weise des Second Streams angeht. Da wäre etwa die Tatsache, dass der meiste Traffic dabei über Apps wie Twitter oder Facebook ablaufen dürfte, nicht über von den Sendern bereitgestellte Angebote. Freilich haben davon auch nur ARD und ZDF nennenswerte Angebote im Programm, die Privaten zeigen sich auch hier – wie beim gesamten Thema – relativ innovationslos. Fast scheint es so, als hätten GEZ-Gebühren ganz nebenbei auch den Sinn, Innovationen dort zu fördern, wo die private Wirtschaft lieber mit alten Methoden noch den letzten Cent rausquetscht. Und ähnlich sieht es auch bei den Geräten aus. Gerade die Deutschen sind nicht gerade begeisterte Nutzer von Apps, die in ihren Fernsehgeräten bereits vorhanden sind.

Wie auch immer, für die Fernsehsender heißt das vor allem eines: Stellt mehr Social Media Redakteure ein! Denn es geht längst nicht mehr darum einen ordentlichen Facebookauftritt zu haben, sondern um eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung des Programms. Zumindest, wenn man Events wie Tatortsendungen oder Länderspiele nicht als einsame Leuchttürme in der Landschaft stehen lassen will. Mindestens sollte also bei jeder Livesendung ein Social Media Redakteur unterwegs sein. Und auch wenn nicht jeder Film oder jede Serienfolge begleitet werden muss, zumindest bei jenen mit hoher Einschaltquote kann es nicht schaden einen Blick drauf zu haben. Gleiches gilt übrigens bei Dokumentationen, wo man nicht nur Zusatzinfos verbreiten kann, sondern die ein oder andere Diskussion anstoßen sollte. Auf diese Weise ließe sich dann auch das von Fernsehmachern heimlich immer noch so geschätzte lineare Fernsehen ein bisschen länger am Leben halten.

Dabei nehme ich – meiner beruflichen Erfahrung folgend – übrigens auch das regionale Fernsehen nicht aus. Wie die meisten privaten Fernsehsender scheint man sein Heil online auch hier lediglich in Mediatheken zu suchen. Mediatheken sind sicher eine feine Sache, aber ganz ehrlich, sie sind am Ende auch nicht mehr als ein Mindeststandard. Ähnlich wie das lineare Fernsehen alter Schule sind Mediatheken aber auch nur die Fortsetzung des alten Fehlers mit anderen Mitteln. Statt über Kabel oder Satellit sendet man eben jetzt per Stream Broadcast in die Welt hinaus. Die große Chance des Internets, nämlich die Kommunikation mit dem Zuschauer, nutzt man also auch auf diesem Weg nicht. Dabei wäre gerade das Feedback des Zuschauers die beste Unterstützung bei der Programmplanung. Leider meinen aber auch heute noch viele Fernsehmacher am Besten zu wissen, was der Zuschauer eigentlich will.

About Thomas Matterne

Thomas Matterne ist Chefredakteur des dreisprachigen Online-Magazins DenkZeit und als Online-Marketing-Manager tätig. Der ausgebildete Journalist hat ein Diplom in Wirtschaftsinformatik, und schreibt an dieser Stelle über IT-, Online-Marketing- und SEO-Themen - unteranderem.

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