Dark Side – Ein kapitalistischer Androide läuft Amok

Was kann sich der Mensch nicht alles vorstellen, was sich auf der dunklen Seite des Mondes befindet. Sogar Weltraumstationen der Nazis sollen angeblich dort ihr Versteck gefunden haben. Dabei ist die dunkle Seite des Mondes nicht mal dunkel, sondern hat genauso Tag und Nacht wie auf der Erde. Die Eigenrotation von Erde und Mond hat sich nur im Laufe der Zeit so gut angepasst, dass uns der Mond immer die gleiche Seite zuwendet. Die dunkle Seite ist also nicht dunkel, wir konnten sie bloß bis zur Erfindung der Raumfahrt nicht sehen.

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Natürlich verführt allein der Begriff „die dunkle Seite“ dennoch zu einigen Geschichten, wie auch in Anthony O’Neill’s Dark Side. Dort erbaut der zwielichtige Milliardär Fletcher Brass seine eigene kleine Stadt auf: Purgatory – Fegefeuer Und lockt mit dem Versprechen kein Auslieferungsabkommen zu haben – und mit stillschweigender Duldung der Erdregierungen – so manch ebenso zwielichtige Gestalt in sein Fegefeuer. Da aber jede große Ansiedlung nur existieren kann, wenn die öffentliche Ordnung aufrecht erhalten wird. Gibt es selbst dort eine Polizei, schließlich will man zum Beispiel die Zahl ermordeter Touristen in Grenzen halten. Ist Purgatory doch auch eine Art Las Vegas, nur mit weit weniger Regeln. Und da kommt Damien Justus ins Spiel. Ein Polizist aus eben jenem Las Vegas, auf der Flucht, aber eher vor Verbrechern, als das er selbst eines begangen hätte. Auf dem Mond will er sich ein neues Leben aufbauen, muss aber schnell merken das es zwar Leute gibt, die an einem besseren Purgatory arbeiten wollen, die Stadt auf der dunklen Seite des Mondes in erster Linie aber noch immer ist, was sie verspricht: ein korrupter Sündenpfuhl

Und während Justus versucht den Mord an einem der engsten Mitarbeiter von Fletcher Brass aufzuklären, macht sich ein Androide auf dem Weg nach Purgatory. Eine gepflegte Erscheinung, die durch den Mondstaub wandert und einen blutigen Roadmovie hinter sich lässt. Denn wer ihm auf dem Weg nach Oz, für das er Purgatory hält, nicht helfen will, wird kurzerhand abgeschaltet. Ob es sich jetzt um einen auf den Mond verbannten Massenmörder handelt, oder eine religiöse Sekte. Der Androide kennt viele Regeln, aber „du sollst nicht töten“ ist nicht darunter – ganz im Gegenteil.

Anthony O’Neill legt ein gut recherchiertes Buch über das Leben auf dem Mond vor, konzentriert sich jedoch bei aller Erklärung vor allem auf seine Charaktere. Ohne dabei zu langweilen oder die Spannung zu strecken widmet er selbst den kurz auftretenden Nebencharakteren viel Aufmerksamkeit. Man könnte fast vermuten, je ausführlicher er jemanden vorstellt, desto sicherer wird der Androide diese Figur umbringen.

Die Story hat ein oder zwei Schwächen, wenn Justus etwa ohne wirkliche Begründung schon zu Anfang auf die Rolle der Androiden aufmerksam wird und ihnen eine durch Handlung eigentlich nicht gerechtfertigte Aufmerksamkeit schenkt. Und natürlich ist das Ende an sich recht vorhersehbar, selbst die kleine als Überraschung erdachte Wende am Schluss kann nicht wirklich überraschen.

Letztlich ist Dark Side aber ein rasant und spannend geschriebenes Stück Science Fiction, das wie jeder gute Vertreter seiner Art im Zentrum eine Frage stellt, die für unsere Gegenwart mehr als bedeutend ist: Was passiert, wenn wir den Kapitalismus schalten und walten lassen wie er will. In der Zukunft werden mordende Roboter deshalb über den Mond streifen.

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