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Darf ich „Du“ sagen? – Du oder Sie bei Facebook & Co?

Erstaunlicherweise ist die Frage so alt, wie Unternehmen bei Facebook unterwegs sind. Duzt oder siezt man seine Fans lieber? Wer auf diese Frage eine klare Handlungsanweisung erwartet, wird am Ende wohl enttäuscht werden. Wie so vieles in der Social Media Welt ist es auch hier kompliziert.

Auch wenn es eine Urban Legend ist, der Anteil älterer Menschen bei Facebook nimmt zu und das Netzwerk ist längst keine reine Tummelwiese mehr für die Jugend. Auch wer sich bei Facebook mit Personen vernetzt, trifft immer mehr auf Menschen, die auf dem „Sie“ bestehen. Meiner Erfahrung nach, sind das aber dann gerade jene Leute, denen man auch im realen Leben nicht das „Du“ anbieten würde, weil man bei Facebook weniger aus Sympathie, als aus Interesse mit ihnen verbunden ist.

Aber auch für Unternehmen stellt sich unweigerlich die Frage, wie man seine Fans denn jetzt ansprechen soll. Viele verweisen dann auf die Branche, was aber oft nur bedingt. Nehmen wir die Bankenbranche, die ja gerne seriös rüberkommen will. Die Sparkasse Mainfranken etwa duzt, die Deutsche Bank oder die Comerzbank bleiben ihren Fans gegenüber lieber beim „Sie“ – und es passt bei der einen Bank, so gut, wie bei der anderen.

Über die Wahl der Ansprache entscheiden am Ende vor allem zwei Faktoren:

  • Das Zielpublikum: Ist es jung oder alt, erwartet es einen lockeren oder seriösen Auftritt ….
  • Die eigene Unternehmenskultur: Herrscht Anzugspflicht, oder geht man Abends schon mal auf ein gemeinsames Feierabendbier weg …

Glaubt man älteren Umfragen, möchten die meisten User von Unternehmen gesiezt werden. Allerdings ist es beinahe ebenso vielen Befragten auch schlicht egal, wie man sie anspricht. Und ich persönlich halte letztere Zahl für bedeutender, genauso, wie die Betonung dabei vielleicht auf „älteren“ liegen sollte. Digital Natives kennen es ja gar nicht mehr, aber in den Anfängen des Web 2.0, als Mark Zuckerberg noch seine Pickel ausdrückte, war das „Du“ fast obligatorisch,  genauso wie Pseudonyme für eine kurze Zeit verschrien waren. Je mehr Menschen aber ins Netz kamen, desto mehr setzte sich auch das „Sie“ wieder durch. Im Grunde sind also Off- und Online-Welt dort inzwischen gespiegelt worden. Und mitunter gelten Tipps, die beides vermischen. „Wer auf Facebook das Du wählt, sollte es auf Xing, Twitter, Blog und im Bewerbungsgespräch fortführen können.“, meint etwa PR-Blogger Klaus Eck als Tipp für den normalen User.

Du oder Sie auf Facebook – Eine Frage der Sprachkultur

Wenn ich aber nochmal auf dem Wörtchen „altere“ herumreiten darf, nützt hier der Hinweis, dass das „Du“ oder „Sie“ eine Frage der Sprachkultur ist. In Deutschland war es auch im 19. Jahrhundert noch üblich, das Kinder ihre eigenen Eltern zu siezen hatten. Heute für die meisten unvorstellbar, und Familien, in denen solche Verhältnisse noch üblich sind, kann man, freundlich ausgedrückt, als antiquiert bezeichnen. Gegenwärtig ist das „Du“ auf dem Vormarsch. Das „Wir sagen hier ‚Du'“ ist in vielen Unternehmen schon obligatorisch und man muss kein Hellseher sein, das eine Generation heranwächst, die das „Sie“ vor allem nur noch dann anwendet, wenn das Gegenüber eher in die Kategorie „Unsympath“ einzuordnen ist. Die Zeiten, in denen man das „Sie“ nur noch jenen gegenüber anwendet, die vor 200 Jahren Adlige oder Fabrikbesitzer gewesen wären, sind zum greifen nahe. Die breite Masse wird sich aber demnächst bald nur noch duzen. Soziale Medien haben an dieser Entwicklung einen gehörigen Beitrag geleistet. Sprachkultur, das mag ihren „Verteidigern“ nun gefallen oder nicht, ist in erster Linie kein fester Standpunkt, sondern eine lebendige Entwicklung.

Heute mögen Faktoren wie Publikum oder Unternehmenskultur noch eine Rolle spielen, doch ihr Einfluss wird zugunsten des „Du“ immer weiter zurückgehen. Schon heute würde ich im Zweifel dazu raten, lieber das „Du“ zu wählen und nur dann zum „Sie“ zu wechseln, wenn man selbst so angesprochen wird.

Sie oder Du hängen übrigens auch noch stark vom Netzwerk ab, in dem man sich bewegt. Die Frage stellt sich etwa bei Facebook, wer hingegen auf Twitter oder Instagram siezt, wird bestenfalls hochgezogene Augenbrauen ernten. Unternehmen, die ihre Probleme mit dem „Du“ haben sollten hier den – suboptimalen – Weg wählen und die direkte Ansprache eher vermeiden.

Am Ende ist das Beharren auf dem „Sie“ nämlich auch einer der letzten Versuche jene Distanz aufrecht zu erhalten, die immer noch glauben machen will, Unternehmen hätten ihr Image selbst in der Hand. Aber dank der digitalen Kommunikation ist dieser Punkt längst in die Geschichte eingegangen. Erfolg hat heute nur noch jenes Unternehmen, das auf Augenhöhe mit seinen Kunden agiert.

 

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