Buchkritik: „Der Fuchs“ von Frederick Forsyth

In seinem Thriller „Der Fuchs“ vereint Frederic Forsyth die Spionagewelt vergangener Zeiten mit der Cyberwelt.

Seit gut 50 Jahren ist der Name Frederick Forsyth eine feste Größe, wenn es um Spionagethriller geht. Sein Erfolgsrezept hatte der Brite schon bei seinen beiden ersten Büchern perfektioniert. Wie in fast allen seiner rund 20 Romane verband er bereits in Der Schakal und Die Akte Odessa gekonnt Fiktion und Realität, die beiden Verfilmungen taten ihr übriges, um Forsyth den Weg zum erfolgreichen Thrillerautor zu ebnen. Die Realitätsnähe und die Bezüge zu realen gesellschaftlichen und politischen Akteuren bringt es aber mit sich, dass auch Forsyth mit der Zeit gehen muss. Denn wenn sich die Welt der Spionage verändert, muss auch ihre fiktionale Spiegelung mit der Zeit gehen.

Und so steht auch ein junges autistisches Hackergenie im Mittelpunkt von Forsyths neuestem Streich Der Fuchs. Unter den Fittichen eines der damaligen Premierministerin Theresa May nachempfundenen Politikerin direkt unterstellten Ex-Agenten Adrian Weston beginnt dieser sich in die Datenbanken der Schurkenstaaten der modernen Welt einzuhacken. Inspiriert dürfte Forsyth der reale Fall eines britischen Jugendlichen haben, der sich in US-Datenbanken gehackt hatte und so zu kurzzeitigem Ruhm kam. In der Realität entkam der junge Mann nur mit Glück einer Auslieferung in die USA, im Roman überzeugt Agent Weston einen Donald Trump nachempfundenen US-Präsidenten davon, dass der autistische Hacker, bald nur noch als Fuchs bezeichnet, nützlich im Kampf gegen den Iran sein würde.

Seinen ersten Einsatz jedoch hat der Fuchs gegen Russland. Auf Anweisung Westons hackt er sich in die Computer der russischen Marine und lässt deren neuestes Kriegsschiff bei der Jungfernfahrt ferngesteuert auf eine Sandbank laufen. Was ihn prompt auf die Todesliste des russischen Geheimdienstes bringt.

Damit beginnt eine Jagd auf den Fuchs, an der sich später auch die Iraner beteiligen. Eine Jagd, die Forsyth spannend gestaltet und immer wieder mit zahlreichen interessanten Fakten aus der Welt der Geheimdienste unterfüttert.

Das einzige Problem daran … ab einem gewissen Zeitpunkt wiederholen sich die Ereignisse. Mal sind es die Russen, die den Fuchs ausschalten wollen, dann die Iraner, dann wieder die Russen. Es wirkt bald so, als hätte Forsyth einfach nur noch Seiten produzieren müssen, um das Manuskript nicht zu kurz werden zu lassen. Spannende Seiten, ohne Frage, aber spannend auf solider handwerklicher Basis, weniger dem künstlerischen Vermögen eines großen Autors. Das sein Spin am Ende dagegen, in dem sich auf Basis des Plots (fiktional) die Weltgeschichte auf typische Forsyth-Weise ändert, fast schon überhastet kommt, so kurz gerät, dass hat dann schon eine gewisse Ironie.

Frederick Forsyth war nach seiner Karriere als Journalist stets ein erfolgreicher Autor. Er hat aber auch nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass er das Bücher schreiben mehr als Beruf statt als Berufung sieht. Es ist ein Lohnjob, den Forsyth zwar tadellos beherrscht, aber bei dessen Endergebnissen eben doch Bücher herauskommen, denen man mehr Handwerk als Leidenschaft anmerken kann.

Insgesamt jedoch ist auch sein neuestes Buch Der Fuchs ein kurzweiliger und spannender Spionagethriller geworden, in dem Forsyth die ihm bekannte gute alte Welt der Spionage mit dem neuen Cyberkrieg der Gegenwart durchaus gelungen verknüpft.

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