Egal ob Start-up, Freelancer oder eine klassische Geschäftsidee, am Anfang ist guter Rat teuer, aber brauche ich deshalb gleich einen Gründerberater?

So genau kann man das zwar nicht sagen, aber einen teuren Gründerberater in Anspruch zu nehmen kann auch ein Posten sein, den man sich sparen sollte. Es gibt Punkte, da tut eine Beratung not. Vor allem wenn es um rechtliche oder steuerrechtliche Fragen geht. Sinn macht es auch nach möglichen finanziellen Förderungen nicht einfach nur zu googeln. In dem Fall sind aber oft die regionale IHK oder HWK der richtige Ansprechpartner. Dir in diesem Fall zu helfen ist a) ihr Job und b) wirst du mit der Aufnahme deiner unternehmerischen Tätigkeit oft ohnehin (Zwangs-)Mitglied.

Bei Gründerberatungen ist das so eine Sache … In den meisten Bundesländer gibt es sogar Zertifikate, die oft auch in Regie der IHK’s vergeben werden. Allein, meiner Erfahrung nach ist das nur bedingt auch ein Qualitätsmerkmal. Denn um sich zertifizieren zu lassen braucht es eher ein Talent auf Prüfungen hin zu lernen, als wirkliche Beratertätigkeit. Man kann am Ende also auch an jemanden kommen, der theoretisches Wissen drauf hat, aber keine praktische Erfahrung. Das funktioniert dann aber meistens nur so lange, so lange deine Gründung geradlinig verläuft.

Woran erkenne ich einen guten Berater?

  • Gute Berater haben Erfahrung, sie sind nicht gleich nach der Uni Gründungsberater geworden. Das wäre sonst irgendwie nach dem Motto, wenn es in der freien Wirtschaft sonst nicht klappt, kann man immer noch Berater werden.
  • Gute Berater brennen für das was sie tun, oder zumindest tun sie es mit Leidenschaft. Mancher hat sein Ding schon durchgezogen und möchte jetzt anderen dabei helfen, ihr Ding durchzuziehen.
  • Gute Berater bauen auf ein Netzwerk, das es ihnen auch ermöglicht dir gegenüber zuzugeben, dass in diesem speziellen Bereich ihr Wissen nicht ausreicht, sie dir aber einen Profi vermitteln können.

Woran erkenne ich einen schlechten Berater?

  • Schlechte Berater bieten ausgelutschte Kreativworkshops an, mit Methoden, die man in jedem zweitklassigen Buch zu dem Thema nachlesen kann.
  • Schlechte Berater vermitteln dir einen Gründungszuschuss und kennen dann ganz zufällig eine Agentur, die dir z.B. das Logo oder die Webseite machen können. Das ist ihr Geschäftsmodell, weil das eigentliche Honorar nicht reicht.

Misstrauen ist auch dann angesagt, wenn man merkt mit Gewalt auf ein und demselben Weg gehalten zu werden, also keine Flexibilität herrscht. Oder man auf detailliertere Nachfragen Antworten bekommt, die man sich am Abend vorher schon selbst ergoogelt hat.

Statt auf Gründerberater zurückzugreifen ist es oft ratsamer Leute zu fragen, die genau in deinem Metier bereits Erfahrung haben. Natürlich muss man dabei darauf achten, nicht gleich den Konkurrenten von Morgen um Rat zu bitten. Ist das Geschäftsfeld allerdings regional begrenzt, oder der Markt an Kunden ausreichend groß, wird man positiv überrascht sein, wie viele Menschen bereitwillig Auskunft geben und die besseren Tipps geben.

Neben der Tatsache ausreichend Meinungen und Tipps einzuholen, sollte man auch auf seine eigene Meinung bestehen. Es ist deine Geschäftsidee! Die Aufgabe des Gründungsberaters kann es manchmal zwar sein, seine Kunden auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen, aber eigentlich sollte er dir dabei helfen deine Idee umzusetzen. Viel zu oft passiert es aber, das die Geschäftsidee umgemodelt wird, so das man am Ende mit Glück noch die ursprüngliche Idee erkennt. Ich habe das selbst das ein oder andere Mal erlebt, wenn es um das Thema Digitalisierung ging. Eine Geschäftsidee in der Immobilienbranche hatte genau den richtigen Riecher, eine Nische, die vor der Digitalisierung der Immobilienbranche relativ sicher war. Am Ende ging die Kundin mehr oder weniger als Allerweltsimmobilienmaklerin nach Hause, weil sie sich von einem Gründerberater überreden ließ, dem Weitsicht und Fantasie fehlte.

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