Bloggen auf Facebook? Ja, aber ….

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Die Notizen bei Facebook sehen verdächtig nach Blogpost á la Medium aus.

Während es Leute gibt, die Google vorwerfen nach der Weltherrschaft zu streben, ist man bei Facebook etwas genügsamer. Mark Zuckerbergs Ziel ist es lediglich das Internet zu beherrschen. Mit der Forcierung von Videocontent soll der User nicht mehr zu Youtube surfen, wenn er Videos sehen möchte. Mit Instant Article liefern angesehene Verlagshäuser journalistischen Content. Und seit ein paar Tagen geht das Gerücht um, Facebook bastle an einer Breaking News-App, die Twitter das Leben schwer machen könnte.

So gesehen ist es nicht weiter verwunderlich, dass man sich auch als Blogging-Plattform positionieren will. Zumindest tauchten schon gestern die ersten Berichte darüber auf, dass Facebook seiner Notizen-Funktion ein kleines Upgrade verpasst hat. Insgesamt ähnle sie jetzt zum Beispiel der Blogging-Plattform Medium. Facebook orientiert sich dabei meiner Ansicht nach genau am richtigen Angebot, statt das wenig stylische Blogger von Google zu kopieren oder die überfrachtete nicht selbstgehostete Version von WordPress.

Wobei ich ja zugeben muss, die Notizen-Funktion bei Facebook erst nach einer gründlichen Suche wiedergefunden zu haben. Unter uns, ich dachte eigentlich, die hätten sie klammheimlich abgeschafft. Mir wäre in der Vergangenheit jetzt auch nicht wirklich bekannt, dass es gute Beispiele einer intensiven Nutzung der Notizen gegeben hätte. Im Zweifel hat man sich dann doch lieber auf die eigentlichen Posts – inklusive ihrer Beschränkungen – konzentriert. Doch mit dem Upgrade könnte sich das durchaus ändern.

Kein Wunder also, dass jetzt hier ähnlich wie bei Instant-Artikel – die nach wie vor nur ausgewählten Partnern von Facebook ermöglicht werden – eine Diskussion über den Sinn und Unsinn des Bloggens auf Facebook entstanden ist. Natürlich stellt sich auch hier die spannende Frage, ob es wirklich gut ist sich einer Plattform auszuliefern, die mehr oder weniger nach Gutdünken über den Inhalt entscheiden kann. Was wiegt also mehr: Die Möglichkeit unabhängig zu publizieren oder doch dort zu sein, wo sich der Leser befindet?

Das momentane Motto vieler Medien dem User sozusagen hinterher zulaufen und sich deshalb verstärkt auf Facebook zu engagieren sehen vor allem viele Blogger kritisch. (Ich im übrigen auch.) Wenn ich mir einen kurzen Überblick über die Reaktion der deutschen Blogszene verschaffe, fällt das erste Urteil in Sachen Pro oder Contra deshalb auch wenig überraschend negativ aus. Manche können sich bestenfalls vorstellen dort ihre Artikel anzuteasern, um dann in ihr eigentliches Blog zu verlinken. Eine Möglichkeit, von der ich persönlich absolut abrate. Das wäre ungefähr so, als würde man die ersten zehn Sekunden eines Videoberichts bei Youtube online stellen und dann den User auffordern per Klick auf die eigene Seite zu kommen. Das macht a) keiner und die meisten fühlen sich b) bestimmt auch ein wenig verschaukelt.

Die passende Reaktion lautet also vielmehr: Ganz oder gar nicht!

Wobei “Ganz” auch nicht heißt sein eigenes Blog dicht zu machen und nur noch auf Facebook zu bloggen. Dem stehe ich wie gesagt äußerst kritisch gegenüber. Aber was spricht eigentlich dagegen originären Content für Facebook zu schaffen und den Leser darauf aufmerksam zu machen, dass man auch ein eigenes Blog mit noch viel mehr gutem Content sein eigen nennt? Wenn man auf Facebook bloggen möchte, erscheint mir das ein guter Weg.

 

About Thomas Matterne

Thomas Matterne ist ausgebildeter Journalist mit einem Diplom in Wirtschaftsinformatik. Er arbeitete als Leiter der Online Redaktion von TV touring und als Chefredakteur von DenkZeit. Aktuell schreibt er neben dieser Seite in diversen anderen Online-Veröffentlichungen, wie z.B. das Kaffee Journal. Auf dieser Seite finden sich vor allem Themen aus den Bereichen Content- und Online-Marketing, sowie dem Feld IT allgemein.

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