Bewertungen – Wer traut ihnen eigentlich noch?

Nutzerbewertungen gelten als ein wichtiges Signal für Käufer, doch sie sind in Verruf gekommen. Manche mehr, als andere.

Die Wirtschaftswoche hat jetzt neue Zahlen veröffentlich, in welchen Portalen die Bewertungen für die Deutschen noch am vertrauenswürdigsten sind. Insgesamt gab noch jeder Zweite der Befragten an, Bewertungen würden für seine Kaufentscheidung eine Rolle spielen, aber gerade die Bewertungen der großen Anbieter haben offenbar an Vertrauen verloren. 55% halten Google-Bewertungen für unglaubwüdig, 53% misstrauen ihnen bei Amazon. Unter 50%, aber dennoch nur wenig besser schneiden Check24 (48%), HRS (47%), Facebook (42%) und Tripadvisor (41%) ab.

Anzahl er Personen, die Bewertungen in diesen Portalen für unglaubwürdig halten.

Das wundert eigentlich wenig, ist so manches Bewertungsmanagement doch längst zu einer Bewertungsmanipulation ausgeartet. Und nicht umsonst verdienen manche Anbieter allein mit Bewertungen ihr Geld. Das sich diese wiederum auf die großen Portale konzentrieren, hat sich zu deren Nachteil in Sachen Vertrauen entwickelt. Früher ging es nur um Gefälligkeitsbewertungen oder von den Inhabern selbst verfasste Texte. Die konnte man mit einem etwas kritischen Blick selbst beim Überfliegen schnell ausmachen. Eingekaufte professionelle Bewertungen hingegen lassen sich – zumindest wenn sie ihr Geld wert sind – von echten dagegen nur noch schwer unterscheiden. Die Anbieter haben auch längst schon auf Trends reagiert, nach denen die “volle Punktzahl” in einem Bewertungsprofil eher Misstrauen erregt. Eine Googlebewertung sollte zum Beispiel ab einer gewissen Menge an Bewertungen zwischen 4,2 und 4,6 rangieren, eine glatte 5 wirkt eher unglaubwürdig.

Vertrauen haben vor allem regionale Anbieter, oder auch Spartenbewertungsportale. Am vertrauenswürdigsten ist demnach Kennstdueinen, das Portal dient der Bewertung von Dienstleistern und Handwerkern. Nimmt man mal “Das Örtliche” aus, das Rang 3 belegte, scheint das auch Sinn zu machen. Portale wie die Ärtzebewertungsseite Jameda oder die Arbeitgeberbewertungsseite Kununu dürften aus mehreren Gründen ein größeres Vertrauen haben. Kununu etwa hat nicht nur ein Regelwerk was in eine Bewertung gehört, und was nicht, sondern schaltet die Bewertungen auch erst nach einer Kontrolle frei. Außerdem kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass man dort auch zügig reagiert, wenn Unternehmen durch eigene Accounts mit anderen Bezeichnungen sich ihrer schlechten Bewertungen sozusagen entledigen wollen. Das alles hat natürlich zusätzlich noch den Effekt, dass es Bewertungsagenturen weit mehr Arbeit hineinstecken müssen, um eine erfundene Bewertung für den Kunden dort auch unterzubringen.

In Teilen unternehmen natürlich auch die Großen etwas gegen gekaufte Bewertungen. Wer sich in Whatsapp-Gruppen & Co. von Anbietern mit Rabatten oder Geldrückgaben für eine 5-Sterne-Bewertung bei Amazon ködern ließ, stellte etwa überrascht fest, dass sein Amazonaccount auch gesperrt werden konnte. Derartige Methoden allerdings gehören eher in die Werkzeugkiste von Amateuren. (Auch wenn man zumindest verstanden hat, das eine Bewertung aufgrund eines “verifizierten Kaufs” glaubwürdiger erscheint.)

Den Ruf oder besser das Vertrauen haben Google oder Amazon jedenfalls mit ihren Maßnahmen nicht gerettet. Ich weiß auch gar nicht, ob das so einfach möglich ist. Das größte Manko in Sachen Vertrauen dürfte bei vielen einfach an dem Gedanken “Da kann ja jeder was schreiben” liegen. Am effektivsten ließe sich das noch mit dem Gegenlesen und Freischalten von Bewertungen lösen, was bei den großen Anbietern aufgrund der schieren Masse allerdings von Algorithmen erledigt werden dürfte. Google setzt einen solchen Algorithmus im Nachhinein auch ein, aus eigener Anschauung kann ich an dessen Qualität allerdings nur zweifeln.

About Thomas Matterne

Thomas Matterne ist ausgebildeter Journalist mit einem Diplom in Wirtschaftsinformatik. Er arbeitete als Leiter der Online Redaktion von TV touring und als Chefredakteur von DenkZeit. Aktuell schreibt er neben dieser Seite in diversen anderen Online-Veröffentlichungen, wie z.B. das Kaffee Journal. Auf dieser Seite finden sich vor allem Themen aus den Bereichen Content- und Online-Marketing, sowie dem Feld IT allgemein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.