AVIF – Braucht es das neue Bildformat?

Kann das neue Bildformat AVIF den Platzhirschen JPEG verdrängen? Und warum redet keiner mehr von WEBP?

Seit den 1990ern dominiert JPEG als Format die Bilderwelt im Internet und findet auch darüber hinaus große Verbreitung. Im Netz etablierte sich daneben noch das GIF-Format, das im Gegensatz zu JPG-Dateien Animationen abspielen konnte. Was wären unzählige Webseiten gewesen, ohne die mal mehr, mal weniger nervenden GIF’s??? Das dritte Format im Bunde wurde irgendwann PNG, das vor allem durch die Möglichkeit bestach, transparente Hintergründe zu erlauben.

Gefühlt wird allerdings auch schon seit den 1990ern an der Ablösung des JPEG-Formates gearbeitet – und seit rund einem Jahr ist mit AVIF ein neuer Spieler im Rennen, dem Experten (mal wieder) gute Chancen einräumen. Theoretisch hat AVIF alles, was es dazu braucht, vereint es doch alles was die drei bisherigen Platzhirschen zu bieten haben und geht teilweise darüber hinaus. Es ist schlägt JPEG in der verlustfreien Komprimierbarkeit, d.h. die Dateigröße sinkt, ohne dass der Betrachter es dem Bild ansieht. Außerdem kann es kleine Animationen abspielen und bietet die Option für transparente Hintergründe. Und hinter dem Format stehen die großen Player, von Amazon über Facebook, von Google bis Microsoft, die AVIF lizenzfrei zur Verfügung stellen.

So weit, so gut …

Warum muss man AFIV-Dateien aber noch immer mit der Lupe suchen, oder vielmehr, warum hat bisher kaum jemand überhaupt etwas vom AFIV-Format gehört?

Ich bin derzeit mit dem Relaunch eines JTL-Shops beschäftigt, und habe eher durch Zufall festgestellt, dass das Shopsystem ein unbesungenes SEO-Feature hat: es wandelt hochgeladene Bilddateien in WEBP um und bindet diese in die Seite ein. WEBP? WEBP war sozusagen AVIFs Vorgänger beim Versuch JPEG abzulösen. Und auch bei WEBP kann man zurecht fragen, warum man die Dateien mit der Lupe suchen muss?

WEBP krankte lange daran, dass man es nicht einfach wie das mit allen gängigen Browsern kompatible JPEG in eine Webseite einbinden konnte. Zumindest dann nicht, wenn man sicher sein wollte, dass der Webseitenbesucher das Bild auch angezeigt bekommt. Stattdessen verwendet man in diesem Fall das <picture>-Tag, das es erlaubt eine JPG-Datei sozusagen als Fallback einzubinden. Tja, und auch mit AVIF ist es genauso:

<picture>
  <source srcset="bild.AVIF" type="image/AVIF">
  <source srcset="bild.webp" type="image/webp">
  <img src="bild.jpg">
</picture>

Und wie WEBP krankt auch AVIF an mangelnder Bekanntheit, vielleicht ist JPEG inzwischen „to big to fail“ geworden. Daran dürfte auch Google nichts ändern, dessen SEO-Tool Lighthouse seit kurzem die Komprimierung von Bildmaterial als AVIF empfiehlt, um die Webseitengeschwindigkeit zu erhöhen. Außerhalb des Kreises der technischen SEO’s, oder Webseitenbetreiber, die sich einen technischen SEO leisten, dürfte auch das AVIF nicht helfen bekannter zu werden.

Vor allem aber die gängigen Bildbearbeitungstools halten tapfer an JPEG als Standard fest, wenn es darum geht Bilder als Endprodukt kompatibel mit allen anderen Anzeigemöglichkeiten abzuspeichern. Und nebenbei bemerkt, weboptimiert abgespeichert ist das Format auch in Sachen SEO durchaus noch immer konkurrenzfähig. Nur verschweigen die Verfechter der neuen Formate die Möglichkeit dieser weboptimierten Speicherung bei ihren Vergleichen der Dateigrößen meist. Problematisch wird es erst bei Grafiken mit extrem hoher Auflösung oder besonders bildreichen Webseiten.

Die Ausgangsfrage, ob es das neue Bildformat AVIF braucht, lässt sich also mit einem entschiedenen Jein beantworten. 😊 Aber unter uns, ich persönlich gehe, und auch das habe ich ja oben angedeutet, davon aus, dass diese Frage eher akademischer Natur ist. Denn die Chancen das sich AVIF durchsetzt, halte ich für ebenso gering wie beim WEBP-Format.

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