Die Chancen stehen gut, dass ich folgende Wette gewinne. Du hast ẞ noch nie beim Schreiben benutzt. Und nein, das ist kein scharfes S wie in „Preußen“. Wer genau hinsieht, erkennt den Unterschied.

Auf jeder Computertastatur finden sich eine ganze Reihe von Shortcodes, die oft nur Eingeweihten bekannt sind. Einen davon kennen ganz wenige, nämlich folgende Kombination: AltGr + Shift + ß Was dabei herauskommt, wird viele überraschen, ein großgeschriebenes ß.

Man muss bei manchen Schriftarten schon genau hinsehen, aber am Ende erkennt man doch den Unterschied. Allerdings werden vielleicht die Wenigsten überhaupt wissen, das man das ß auch großschreiben kann, falls es am Wort- oder Satzanfang steht. Was es eigentlich nie tut. Verwendung würde es bei den Kapitälchen finden. Man kann also entweder FUSSBALL schreiben, oder eben FUẞBALL. Das ist dann zwar auch korrekt, sieht aber für die meisten Leser genauso falsch aus, als würde man FUßBALL schreiben.

Der Buchstabe ẞ wurde vor gut einem Jahr offiziell eingeführt und dürfte seit dem noch seltener genutzt werden als das Y. Was natürlich auch daran liegt, das die dafür notwendige Tastenkombination die reinste Fingerakrobatik ist. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass manch einer das scharfe S an sich lieber loswerden würde. In der Schweiz beispielsweise gibt es den Buchstaben als Ganzes gar nicht.

Die Diskussion um den Buchstaben in Deutschland ist recht alt. Manche nennen das scharfe S auch noch SZ, und tatsächlich wurde vor dem 1941 FUSSBALL auch noch FUSZBALL geschrieben. Zu der Zeit war in Deutschland noch die Frakturschrift üblich, auch altdeutsche Schrift genannt. Heute kennt man sie nur noch von ihrer gelegentlichen Verwendung durch die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Aber auch in rechten Kreisen ist die Frakturschrift noch beliebt, sie gilt als besonders Deutsch. Dabei waren es ausgerechnet die Nationalsozialisten, die sie 1941 offiziell abgeschafft haben. Durch diese Schriftreform hätte man auch dem ß ein Ende bereiten können, aber:

„Der Führer hat sich für eine Beibehaltung des ß in der Normalschrift entschieden. Er hat sich aber gegen die Schaffung eines großen ß ausgesprochen.“ – Quelle: faz.net

Dabei blieb es dann auch nach Ende des 2. Weltkrieges. Und auch wenn die letzte Rechtschreibreform die Verwendung des ß massiv zusammenstrich, ausgestorben ist der Buchstabe längst nicht. Schließlich kommt er nicht nur mehr in Eigennamen vor, sondern eben auch – ja, genau – zum Beispiel in schließlich.

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